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Merken   Drucken   17.10.2011, 13:56 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Ökonomen warnen vor Sparfolgen in Frankreich

Sollten die Regierungen ihre Ziele zur Konsolidierung erreichen, droht laut Frankreichs Konjunkturforschern 2012 eine schwere Wachstumskrise - in der Grande Nation und in Europa.
© Bild: 2011 FTD-Infografik
Sollten die Regierungen ihre Ziele zur Konsolidierung erreichen, droht laut Frankreichs Konjunkturforschern 2012 eine schwere Wachstumskrise - in der Grande Nation und in Europa. von Leo Klimm  Paris
Aus Frankreich werden Warnungen vor einer scharfen Rezession in der Euro-Zone laut. Das Pariser Forschungsinstitut OFCE sagt in seiner Herbstprognose für die Währungsunion 2012 zwar noch ein schwaches Wachstum von 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) voraus. Allerdings geht diese Prognose von der optimistischen Annahme aus, dass es keine Griechenland-Pleite gibt und die Regierungen ihre angekündigten Ausgabenkürzungen nicht durchhalten. Andernfalls drohe eine heftige Schrumpfung der Euro-Wirtschaft, so die OFCE-Experten (siehe Grafik).
Optimismus mit Vorbehalten: Wachstumsprognose des OFCE für 2012 in %   Optimismus mit Vorbehalten: Wachstumsprognose des OFCE für 2012 in %
Auch Deutschland werde in einem solchen Szenario von der Negativentwicklung eingeholt, hieß es. Das OFCE erwartet 2012 unter den günstigen Annahmen ein deutsches Wachstum von 1,2 Prozent, im schlechten Fall eine Schrumpfung von 0,3 Prozent.
Die OFCE-Prognose veranschaulicht das Dilemma der Euro-Länder in der Schuldenkrise: Einerseits werden die Regierungen von den Finanzmärkten gezwungen, ihre Defizite zu reduzieren. Beispiel Frankreich: Um seine gute Kreditbonität "AAA" zu bewahren, hat Paris ein drastisches Programm aufgelegt, dank dem das Haushaltsloch 2012 mindestens um 12 Mrd. Euro schrumpfen soll. Andererseits sorgt eine harte Konsolidierung für Wachstumseinbrüche, die wiederum die Sparerfolge torpedieren. Zudem fehlt der Spielraum für steuerfinanzierte Konjunkturhilfen, um die Krise in Europa abzumildern.
Für Frankreich gehen die Ökonomen für 2012 von einem BIP-Wachstum von 0,8 Prozent aus. Das sind 0,9 Punkte weniger, als die Regierung erwartet - und als das Institut selbst im Frühjahr noch prognostiziert hatte. Zur Begründung verwiesen die Experten darauf, dass sich alle wichtigen Indikatoren verschlechtert haben: Binnennachfrage, Geschäftsklima, Firmenfinanzierung, Stellenmarkt.
Das OFCE geht dabei aber davon aus, dass Präsident Nicolas Sarkozy und Premier François Fillon ihren Sparkurs aufgeben. Tatsächlich ist es ein Novum für eine französische Regierung, mit einem drastischen Sparhaushalt in ein Wahljahr zu gehen. 2012 werden sowohl der Präsident als auch das Parlament neu gewählt. Dem OFCE-Basisszenario zufolge beträgt 2012 das Defizit noch 5,2 Prozent des BIPs, während die Regierung eine Abnahme auf 4,5 Prozent erwartet.
Zieht Fillon jedoch das Sparprogramm durch, prognostiziert das Institut 2012 einen BIP-Rückgang um 0,5 Prozent. "Und wenn alle EU-Staaten ihre Sparpakete umsetzen, schrumpft Frankreich sogar um 1,7 Prozent", warnt OFCE-Ökonom Eric Heyer. Fillon habe in seinen Konjunkturannahmen ohnehin Rückkopplungseffekte der anderen europäischen Sparpakete ausgeblendet. Das OFCE warnt davor, mit zu strikter Etatdisziplin eine sich selbst verstärkende Krise auszulösen.

Teil 2: Griechen-Pleite wäre ein fatales Signal

  • FTD.de, 17.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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