Die Wahl könnte zu einem politischen Erdbeben in Athen führen. Umfragen deuten darauf hin, dass die regierenden Sozialisten verheerende Verluste erleiden werden. Sie gelten als Architekten der unpopulären Sparpolitik. Aber auch die mitregierenden Konservativen dürfen auf keine absolute Mehrheit hoffen. Radikale Parteien von links und rechts könnten dagegen die großen Gewinner sein. Daher stellt sich für die Griechenland-Retter die Frage, wer nach den Wahlen das Land regiert - und das Sparprogramm umsetzt.
Schäuble erinnerte in einem Interview des Radiosenders "SWR 2" daran, dass sich in Irland und Portugal, die ebenfalls von den Euro-Partnern finanziell aufgefangen werden mussten, die Opposition zu Reformen verpflichtet habe. Er bezeichnete das als "unerlässliche Bedingung" für die Gewährung neuer Finanzspritzen. Der Minister legte den Griechen vorsichtig nahe, den Wahltermin zu verschieben, indem er Italien als Vorbild pries. In Rom hätten die Parteien der Regierung von Mario Monti ein Jahr Zeit gegeben, um die nötigen Reformen umzusetzen.
Die Verschiebung der Wahlen gehörte bislang nicht zu den Bedingungen der Euro-Partner für die Griechen, wohl aber ein schriftliches Bekenntnis der Regierungsparteien zu den Sparauflagen der Geldgeber von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). Nur dann soll das zweite Griechenland-Paket mit einem Volumen von mindestens 130 Mrd. Euro freigegeben werden. Ohne das Geld droht dem Land im Frühjahr die Staatspleite. AM 20. März werden Anleihen von 14,4 Mrd. Euro fällig.
Die griechischen Konservativen sind offenbar bereit, diese Selbstverpflichtung abzugeben. Parteichef Antonis Samaras werde das Schreiben noch an diesem Mittwoch abschicken, berichtete Reuters unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person. In der Vergangenheit hatte Samaras lange gezögert, solche Verpflichtungen abzugeben. Er befürchtet offenbar, dass das seine Wahlchancen mindert.