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Merken   Drucken   24.07.2012, 16:18 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Zinsen lassen sich auch ohne Euro-Bonds senken

Kommentar Statt über die Vergemeinschaftung von Schulden nachzudenken, wäre es besser, die Zinsen der Krisenstaaten zu subventionieren. Das setzt weniger Fehlanreize.
von Volker Brühl

Volker Brühl lehrt an der Frankfurt School of Finance & Management.


Mit den neuen Gerüchten um einen Austritt Griechlands aus der Euro-Zone im September spitzt sich die Schuldenkrise wieder zu: Die Unsicherheit auf den Finanzmärkten ist nach wie vor groß - obwohl der dauerhafte Rettungsschirm ESM und der Fiskalpakt auf dem Weg sind. Trotz Niedrigzinspolitik der EZB verlangen Investoren bei zehnjährigen spanischen Staatsanleihen derzeit rund sieben Prozent per anno. Das kann der spanische Haushalt auf Dauer nicht verkraften. Nicht viel besser sieht es in Italien aus. Allein der Schuldenberg dieser beiden Länder liegt bei etwa 2500 Mrd. Euro. Rechnet man noch die Schulden von Griechenland, Irland und Portugal dazu, haben die Krisenländer schon jetzt mehr als 3000 Mrd. Euro Schulden. Dies entspricht dem Fünf- beziehungsweise Sechsfachen des maximalen Kreditvolumens des ESM, der zurzeit eine Feuerkraft von 500 Mrd. Euro hat.

Volker Brühl   Volker Brühl

Es liegt daher auf der Hand, dass bei einer weiteren Verschärfung der Euro-Krise auch der ESM sehr schnell an seine Grenzen stoßen würde. Nicht zuletzt deshalb wird eine Vergemeinschaftung öffentlicher Schulden nicht mehr ausgeschlossen - doch Eurobonds oder ein europaweiter Schuldentilgungsfonds wären der falsche Weg: Beide Vorschläge stoßen nicht nur auf erheblichen politischen Widerstand und verfassungsrechtliche Bedenken, sondern setzen auch falsche Anreize für die dringend notwendige Haushaltskonsolidierung der Krisenländer.

Letztlich geht es doch darum, die betreffenden Länder nicht aus der Verantwortung für die eigenen Haushalte zu entlassen, sie aber sehr wohl dabei zu unterstützten, ihre Haushalte zu sanieren. Anstatt über eine Haftungsgemeinschaft nachzudenken, könnte man daher überlegen, die Zinsen der Krisenländer an den Anleihemärkte zu subventionieren. Bei einem "Sanierungszins" von beispielsweise drei Prozent per anno bei einer zehnjährigen Laufzeit, den die hoch verschuldeten Länder noch tragen können, würde in einem solchen Modell der ESM die Differenz zwischen den tatsächlich von den Ländern zu zahlenden Zinsen und dem Sanierungszinssatz über die Laufzeit der Anleihe ausgleichen. Dadurch würden die Haushalte der Krisenländer bei den Zinskosten deutlich entlastet, ohne die Staaten aus der Verpflichtung für die Rückzahlung ihrer Schulden zu entlassen.

Auf diesem Weg könnten sich die Länder nicht nur weiter an den Märkten renfinanzieren - auch die Schuldenlast würde langsamer wachsen. Solche Maßnahmen sind übrigens bei der Sanierung von Unternehmen durchaus üblich, um temporäre Probleme zu überbrücken. Zudem könnten die Mittel des ESM auf diese Weise mit einem Hebeleffekt ausgestattet werden, da ein gegebener Betrag für Zinsensubventionen ein Vielfaches an Kreditvolumen betreffen würde.

Eine Zinssubvention sollte - wie alle übrigen Instrumente des ESM - zeitlich befristet und nur unter strengen Auflagen gewährt werden. Bei einer mehrjährigen Anleihe sollte unbedingt die Möglichkeit bestehen, die Zinsentlastung durch den ESM in Abhängigkeit von den Fortschritten bei der Haushaltskonsolidierung Stück für Stück zurückzuführen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass Zinsentlastungen nur so lange greifen, wie überhaupt Investoren noch bereit sind, die jeweiligen Staatsanleihen zu kaufen. Bei einem generellen Käuferstreik am Anleihemarkt wäre auch der ESM überfordert - Zinsentlastung hin oder her. Nichtsdestotrotz können Zinssubventionen ein sinnvolles ergänzendes Instrument sein, das den Entscheidungsträgern eine zusätzliche Handlungsoption in einem sehr volatilen Markt gibt.

  • FTD.de, 24.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 25.07.2012 09:05:51 Uhr   Philosoph: Einlagensicherung für Milliardäre

    Wieder ein Finanzwissenschaftler, der die Einlagen der Milliardäre garantieren will. Wozu? Wer in Spaniens Immobilien investiert hat, durfte wissen, dass dieses Investment nicht ohne Risiko ist. Bei jeder Insolvennz müssen die Gläubiger auf Forderungen verzichten. Hier sollen die Steuerzahler von Geberstaaten diesen Forderungsausfall ersetzen. Der Lottospieler will nicht nur den Gewinn, sondern auch noch seinen Einsatz bezahlht kriegen. Lehrt Herr Brühl das seinen Studenten?
    Wie stellt sich der Verfasser denn die Überwindung der Immobilienkrise in Spanien vor? Werden uneinholbare Immokredite in eine Badbank ausgelagert? Die betroffenen Banken werden rekapitalisiert. Was dann? Wer behält die abgeschriebenen Immobilien? Haben die Steuerzahler der Geberländer irgend etwas davon? Warum sollten diese dann haften?
    Wo bleibt in den Ideen des Herrn Brühl die freie Marktwirtschaft? Den Monetaristen in der Finazwissenschaft ist der Ruf nach staatlicher Unterstützung verboten. Sonst bleibt als Ausweg nur noch die vollständige Verstaatlichung wie bei der HRE.
    Die Akteure der neoliberal organisierten Wirtschaft sollen schon die Suppe auslöfffeln, die sie sich eingebrockt haben. Um diese Korrektur wird die Welt nicht umhin kommen. Die größeren Probleme liegen auch hier wieder in den USA. Daran ändern auch sämtliche Schuldenaufkaufprogramme des FED nichts. Weiß jemand, welche Verluste für Immobilienanleger in den USA noch warten? Staaten werden dann nicht mehr helfen können.

  • 24.07.2012 19:22:30 Uhr   erni: Normales Zinsniveau
  • 24.07.2012 17:59:22 Uhr   Sadelux: Finanzsauger
  • 24.07.2012 17:00:37 Uhr   rijukan: 3%? Soll das ein Witz sein?
  • 24.07.2012 16:49:16 Uhr   wetaskewin: Maniepulieren.
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