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Merken   Drucken   12.06.2012, 13:45 Schriftgröße: AAA

Schwache Industrieproduktion: Briten blüht längere Rezession

Die Briten stecken bereits in der Rezession, schnell vorüber gehen dürfte sie angesichts der jüngsten Daten zum Ausstoß der Industrie kaum. Ökonomen erwarten, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten angesichts des Londoner Sparkurses andauern werden – ihnen bleibt die Hoffnung auf die Olympischen Spiele.

In Großbritannien wächst nach dem überraschenden Fall der Industrieproduktion die Sorge vor einer Rezession. Die Firmen hätten im April 0,7 Prozent weniger her als im Vormonat hergestellt, teilte das Statistikamt am Dienstag in London mit. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einer stabilen Produktion gerechnet, nachdem es im März noch ein Plus von 0,9 Prozent gegeben hatte. "Damit schwinden die Chancen, einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal zu verhindern", sagte Ökonom Howard Archer von His Global Insight.

Zwei Quartale hintereinander ist die Wirtschaftsleistung bereits zurückgegangen. Damit ist die Bedingung erfüllt, die Volkswirte an eine Rezession stellen. "Die Industriezahlen sind enttäuschend und haben das Risiko erhöht, dass die Wirtschaft länger in der Rezession verharrt", sagt John Hydeskov, Ökonom bei der Danske Bank in London. Insgesamt rechnen die Fachleute der Danske Bank mit einem weiteren gesamtwirtschaftlichen Rückgang von 0,2 Prozent im Frühjahr.

Damit wäre die britische Wirtschaft in neun Monaten um rund ein Prozent geschrumpft. "Eine Erholung sieht anders aus", sagt Hydeskov. Verschärfend kommt hinzu, dass die Regierung den Sparkurs vorerst nicht lockern will. Bis 2015 sollen insgesamt knapp 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst gestrichen werden. "Bislang wurden aber nicht einmal halb so viele Beschäftigte entlassen", sagt der Danske-Ökonom. "Das Schlimmste droht erst noch." Weitere Stellenkürzungen dürften den ohnehin schon schwachen Konsum zusätzlich belasten.

Für die kommenden Monate sieht es ebenfalls nicht gut aus: Der als zuverlässiger Frühindikator geltende Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel im Mai so stark wie seit drei Jahren nicht mehr, weil die Aufträge angesichts der Wirtschaftsflaute in Europa und der schwächeren Weltkonjunktur deutlich zurückgingen. "Die wird wohl noch eine Weile die Konjunktur belasten", sagte Analyst Samuel Tombs von Capital Economics.

Die britische Wirtschaft war in den beiden zurückliegenden Quartalen um jeweils 0,3 Prozent geschrumpft. Für das zu Ende gehende Frühjahrsquartal wird mit einem erneuten Rückgang gerechnet - auch wegen der zwei zusätzlichen Feiertage aus Anlass des diamantenen Thronjubiläums von Königin Elizabeth II.

Immerhin hoffen Experten auf eine leichte Erholung im Sommer. Etwas Schwung sollen dabei die Olympischen Spiele geben, die Ende Juli beginnen. Durch Ticketverkäufe und zusätzliche Konsumausgaben von Touristen aus aller Welt könnte die Wirtschaft wieder ins Plus drehen. "Das dürfte aber nicht ausreichen, um die angeschlagene Konjunktur nachhaltig zu beleben", warnt Hydeskov.

mit Reuters

  • FTD.de, 12.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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