Nicht nur in Frankfurt wird heiß über Notenbank-Interventionen diskutiert - auch in Zürich. Hintergrund: das von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vergangenen Spätsommer etablierte Wechselkursziel für den Franken . Knapp ein Jahr später fällt die Bilanz gemischt aus. Die Notenbanker mussten zuletzt doch wieder intervenieren, insgesamt kommen sie nach Einschätzung einiger Ökonomen aber günstiger weg als ohne festes Ziel.
Die SNB hatte vergangenen September das Kursziel von 1,20 gegenüber dem Euro bekannt gegeben. Ab diesem Ziel würde sie intervenieren, um den Schweizer Franken zu verteidigen. Im Zuge der Euro-Krise hatte sich der Schweizer Franken für viele Anleger zu einem "sicheren Hafen" entwickelt. Das ließ die Währung deutlich aufwerten - zum Unmut der Schweizer Notenbanker. Denn die Alpenwirtschaft ist abhängig von Exporten. Ein zu starker Franken ist Gift für die Schweizer Firmen, weil er ihre Produkte relativ teurer am Weltmarkt macht. Zudem erlitten Schweizer Einzelhändler Umsatzverluste, da viele Kunden in grenznahen Gebieten den starken Franken für Käufe im EU-Ausland nutzten.
Daher intervenierte die Notenbank wiederholt am Devisenmarkt, um den Wechselkurs zu stabilisieren - bis sie schließlich das Wechselkursziel ausgab. Die Aktionen der SNB haben vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um Zielgrenzen für Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) besondere Bedeutung. Die Interventionen bleiben in der Schweiz sehr umstritten, ähnlich wie bei der Diskussion um die EZB.
Die Hoffnung einiger Ökonomen, dass dank der Ausgabe des Zinsziels die Notenbank überhaupt nicht mehr intervenieren muss, hat sich nicht erfüllt. "Nachdem es anfangs so aussah, als ließe sich die Wechselkursuntergrenze ohne Devisenkäufe der SNB halten, hat die Verschärfung der Krise im Euro-Raum dazu geführt, dass die SNB mittlerweile massiv am Devisenmarkt intervenieren muss", sagte Jochen Hartwig, Volkswirt beim KOF-Institut in Zürich.
Nach Ansicht einiger Ökonomen war allerdings nicht nur die Euro-Krise schuld: Im Januar 2012 musste der damalige SNB-Präsident Philipp Hildebrand wegen des Verdachts auf Beteiligung an Insidergeschäften zurücktreten. "Die politischen Attacken haben dazu beigetragen, die Glaubwürdigkeit der Schweizer Zentralbank zu schwächen - was ein Grund gewesen sein dürfte, warum sie in diesem Jahr dann doch intervenieren musste", sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank.
Die Entwicklung zeigt sich bei Betrachtung der sogenannten Zentralbankgeldmenge M0 (siehe Grafik). Darunter versteht man die Menge des Geldes, das von der Zentralbank ausgeben wurde, und die sich nicht im Kassenbestand der Geschäftsbanken befindet. Diese steigt in der Schweiz, weil die Notenbank Franken ausgibt, um Devisen zu kaufen.
Dabei gab es einen rasanten Anstieg vor der Bekanntgabe der Zielgrenze im September 2011 - von 77,8 auf 254 Mrd. Schweizer Franken. "Genauso wie das bisherige Staatsanleihe-Aufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank hat auch die erste Interventionswelle der SNB 2009 nicht durchgeschlagen", sagte Alexander Koch, Schweiz-Experte der Großbank Unicredit. "Damals wurde bei einem noch deutlich höheren Euro-Franken-Kurs ohne konkrete Ziele interveniert." Die öffentliche Festlegung auf eine Zielansage zeigte dagegen zunächst Wirkung. Erst ab dem Frühjahr musste wieder interveniert werden. Doch in der Summe kam die Notenbank dabei günstiger weg: "Zwischen Juli und September 2011 musste die SNB rund 30 Prozent vom BIP ausgeben. Nach Bekanntgabe des Zieles konnten zwischenzeitlich sieben Prozent wieder zurückgenommen werden", so Schulz. Das zeige, dass es viel billiger für eine Zentralbank sei, ein klares Ziel zu setzen, als offenzulassen, wann und wie eine Intervention erfolgt.
| Vorbild Schweiz |
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| Kontra Ökonomen streiten darüber, inwieweit die Schweizer Erfahrungen übertragbar sind auf die aktuelle Debatte um Zinsziele der Europäischen Zentralbank (EZB) für Staatsanleihen. Einige Experten halten die Unterschiede schlicht für zu groß, um irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen. Für die Schweiz als kleine, offene Volkswirtschaft sei eine Zielbindung zur Abwehr von Wechselkursunsicherheiten empfehlenswerter als für große, geschlossenere, sagt Ansgar Belke, Professor an der Uni Duisburg-Essen. |
| Pro Andere Ökonomen sehen Unterschiede, die eher für eine Festlegung von Zinszielen durch die EZB sprechen. "Während die SNB die Wurzel ihrer Probleme, nämlich die Euro-Krise, nicht angehen kann, würde die EZB dies tun können, indem sie durch Zinsziele die Marktpanik beseitigt", sagt Berenberg-Ökonom Christian Schulz. Hinzu komme, dass an Anleihemärkten die Verteidigung eines Zinsziels einfacher sei als an Währungsmärkten. |