Monatlicher Brutto-Mindestlohn in Griechenland
Ursprünglicher Plan der Verhandlungspartner in Athen war es, mit dem neuen Maßnahmenpaket die Wachstumskräfte und Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu stärken. Bis Donnerstagabend hatten die griechische Übergangsregierung und die Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) die großen Linien des 3 Mrd. Euro schweren Programms weitgehend ausgearbeitet. Allein über Rentenkürzungen in Höhe von 300 Mio. Euro wurde bis zuletzt gestritten.
Klar ist, dass Athen bis Ostern rund 15.000 Stellen im öffentlichen Dienst zusätzlich streichen will. Weitere 135.000 Arbeitsplätze sollen bis 2015 wegfallen. "Der Fokus liegt noch immer sehr stark auf fiskalischen Einsparungen", sagte Citi-Chefökonom Michels. Auch im Gesundheitswesen will Athen 1,1 Mrd. Euro kürzen. "Das wird wohl die Bürger treffen, die in Zukunft mehr für Medikamente zahlen müssen", sagte Christian Schulz, Ökonom bei der Berenberg Bank.
Als zusätzliche Belastung für Griechenlands Beschäftigte könnten sich insbesondere die angekündigten Einschnitte beim Mindestlohn erweisen. Die Lohnuntergrenze liegt laut dem Statistikamt Eurostat derzeit bei 876 Euro, jeder vierte Arbeitnehmer verdient nur den Mindestlohn.
Der neue Plan sieht Kürzungen von 22 Prozent auf 683 Euro vor. Zum Vergleich: In Spanien werden monatlich mindestens 748 Euro bezahlt, in Portugal 566 Euro. Für junge griechische Beschäftigte soll der Mindestlohn gar um 30 Prozent sinken. "Kurzfristig dürften die Maßnahmen, vor allem die Einschnitte beim Mindestlohn, dazu führen, dass das verfügbare Einkommen der Griechen weiter sinkt", sagte Michels.