Allein schon das Wort Inflation elektrisiert viele Deutsche. Der Satz "Inflation steigt unerwartet", mit dem sich die jüngsten Erhebungen des Statistischen Bundesamts kurz und knapp zusammenfassen lassen, löst bei manchen Ängste aus. Doch das ist unbegründet.
Der Anstieg der Jahresteuerung von 1,7 Prozent im Juli auf 2,0 Prozent im August ist auf höhere Preise für Benzin und Heizöl zurückzuführen. Dagegen liegt die Kerninflationsrate - ohne Berücksichtigung von Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln - mit 1,1 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit gut eineinhalb Jahren. Nichts, aber auch gar nichts hat die gestiegene Inflation deshalb mit der Euro-Krise und der lockereren Geldpolitik der Notenbanken zu tun.
Trotz dieser gestiegenen Teuerung sind die Preise hierzulande immer noch so stabil wie zu Zeiten der D-Mark. Außerdem kann sich die deutsche Volkswirtschaft derzeit eine gemäßigte Inflation leisten. Während andere europäische Länder mit Rezession zu kämpfen haben, ist die Konjunktur in Deutschland bisher recht robust. Die Frühindikatoren zeichnen für die Zukunft zwar ein schlechteres Bild. Aber Lohnerhöhungen mit Augenmaß und Rentenanhebungen sind möglich, auch wenn sie Preissteigerungen zur Folge haben.
Zwei Prozent Inflation sind im grünen Bereich. Damit liegt Deutschland exakt auf der Zielmarke, die die Europäische Zentralbank für die Euro-Zone vorgegeben hat. Selbst wenn die deutsche Jahresteuerung vorübergehend sogar weiter steigen sollte, auf 2,5 oder 2,8 Prozent, wäre das noch kein Grund zur Panik. Für die Euro-Zone könnte das sogar heilsam sein. Denn die südeuropäischen Krisenstaaten, die ihre Preise an die niedrigere Produktivität anpassen, würden wettbewerbsfähiger werden. Am Ende kann daraus eine Win-win-Situation entstehen - solange die Preise in Deutschland nicht explodieren.