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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   07.12.2010, 08:16 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: Rogoff - Jetzt kommt die zweite Halbzeit der Euro-Krise

EU und Internationaler Währungsfonds haben Irland gerettet, aber das Problem damit nicht aus dem Weg geräumt, sondern lediglich aufgeschoben. Dabei ließen sich die europäischen Schulden eigentlich bewältigen - mit etwas mehr Ehrlichkeit.
© Bild: 2010 Bloomberg
Kommentar EU und Internationaler Währungsfonds haben Irland gerettet, aber das Problem damit nicht aus dem Weg geräumt, sondern lediglich aufgeschoben. Dabei ließen sich die europäischen Schulden eigentlich bewältigen - mit etwas mehr Ehrlichkeit. von Kenneth Rogoff
Kenneth Rogoff ist Wirtschaftsprofessor an der Harvard-Uni und ehemaliger Chefökonom des IWF
Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds haben 67,5 Mrd. Euro für die Rettung der notleidenden irischen Banken bereitgestellt - nähert sich die Schuldenkrise der Euro-Zone nun endlich ihrem Ende? Leider nicht. Tatsächlich sind wir wahrscheinlich erst in der Mitte angekommen. Sicher könnte ein gewaltiger, anhaltender Wachstumsschub immer noch alle Schuldenprobleme Europas kurieren - wie die aller anderen auch. Doch erscheint dieses glückliche Szenario immer unwahrscheinlicher. Das Endspiel wird höchstwahrscheinlich eine Welle von Schuldenabschreibungen mit sich bringen - ähnlich denen, die die lateinamerikanische Schuldenkrise in den 80er-Jahren beendeten.
Kenneth Rogoff   Kenneth Rogoff
Zunächst wird es weitere Rettungspakete geben, wobei Portugal ganz oben auf der Liste steht. Bei einer durchschnittlichen Wachstumsrate von unter einem Prozent im Laufe des letzten Jahrzehnts und dem wohl am stärksten stagnierenden Arbeitsmarkt in Europa ist schwer vorstellbar, wie Portugal seiner massiven Schuldenlast entkommen kann.
Diese Schulden umfassen sowohl die Staatsverschuldung, für die die Regierung in der Kreide steht, als auch die Auslandsverschuldung, die das Land als Ganzes Ausländern schuldet. Die Portugiesen argumentieren zu Recht, ihre Lage sei nicht so aussichtslos wie die Griechenlands, das sich bereits in dem ökonomischen Äquivalent der Intensivpflege befindet. Doch sind Portugals Schuldenstände an historischen Bezugspunkten gemessen immer noch höchst problematisch. Bei einem Ausgangsszenario mit Rezession oder trägem Wachstum neben jahrelangen Haushaltskürzungen wird sich Portugal wahrscheinlich eher heute als morgen Hilfe holen.
Welcher Euro-Staat fällt als nächster?

 

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Spanien stellt einen schwierigeren Fall dar. Die Zentralregierung ist zwar solvent, doch scheint ein bedeutender Teil der Bankschulden von Städten und Provinzen höher zu sein als ihr Gegenwert. Die große Frage in Spanien lautet, ob sich die Zentralregierung wie in Irland dazu gängeln lassen wird, private (und auch städtische) Schulden zu übernehmen. Auch hier gibt die Geschichte keinen Anlass zum Optimismus. Es ist sehr schwer für eine Zentralregierung, sich im Hintergrund zu halten, wenn die Hauptakteure der Wirtschaft am Rande des Zusammenbruchs stehen.
Doch handelt es sich bei Rettungspaketen für Portugal und Spanien lediglich um die nächste - und nicht unbedingt letzte - Phase der Krise. Letzten Endes wird wahrscheinlich eine beträchtliche Umschuldung der privaten und/oder staatlichen Schulden in allen notleidenden Euro-Ländern erforderlich sein. Im Grunde sind die Rettungspakete der EU und des IWF lediglich eine verzögernde Maßnahme: Selbst Kredite von wohlgesinnter Seite müssen schließlich zurückgezahlt werden.
Die sogenannten Pigs-Staaten Portugal, Irland, Griechenland und Spanien, die bereits vor den Sparmaßnahmen mit trägem Wachstum kämpften, können sich auf ein verlorenes Jahrzehnt gefasst machen, ähnlich wie Lateinamerika in den 80er-Jahren. Lateinamerikas Wiedergeburt und moderne Wachstumsdynamik entfalteten sich erst wirklich, nachdem der Brady-Plan 1987 massive Schuldenabschreibungen in der gesamten Region organisierte. Eine ähnliche Umschuldung ist in Europa das plausibelste Szenario.

Teil 2: Privatschuldenproblem wird zum Staatsschuldenproblem

  • FTD.de, 07.12.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 09.12.2010 16:42:47 Uhr   Karl-Heinz Andresen: Der (regelrechte) Haircut, den Rogoff anspric...

    ist schließlich die geeignete und rechtskonforme Maßnahme, welche den überaus hilfreichen Vorzug aufweist, dem betreffenden Staat/Institution einen baldigen Neuanfang zu ermöglichgen und so das Wachstum zu generieren, welches zur nachhaltigen Erholung führen sollte. Sodann lassen sich die prolongierten Schulden, Nebenleistungen und Neuverschuldungen leicht zurückführen.
    Ohne Haircut kann es geschehen, daß sich manch (Groß-)Gläubiger zwar freuen darf, jedoch dennoch recht lange auf Bezahlung und vor allem auf Neugeschäft warten muß, ebenso wie die Ökonomien geschäftlich verbundener Länder. Der Ruf ist ohnehin ruiniert - dann lebe man bittesehr auch ungeniert in der Abwicklung historischer Fehler.

  • 08.12.2010 08:22:25 Uhr   nichtgleichermeinung: Referendumsrecht in der EU?
  • 08.12.2010 01:46:30 Uhr   Pommes: Halbzeit der Euro-Krise
  • 07.12.2010 16:56:34 Uhr   Lofitoo: Die Schuld trägt die Politik
  • 07.12.2010 12:46:49 Uhr   Werner: Jetzt kommt die zweite Halbzeit der Euro-Kris...
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