Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins bei 1,25 Prozent. Das gab die Institution nach ihrer Sitzung in Helsinki bekannt. Erstmals bei einer Ratssitzung dabei war der neue Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der seit Montag im Amt ist. Der Zinsentscheid sei einstimmig gefallen, sagte EZB-Chef Jean-Claude Trichet bei der anschließenden Pressekonferenz. Anlass für den Sitzungsort Helsinki ist das 200-jährige Jubiläum der finnischen Notenbank.
Trichet machte deutlich, dass es wohl auch bei der Sitzung im Juni bei 1,25 Prozent bleiben wird. Er sagte bei der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid: „Wir werden alle Entwicklungen in Bezug auf Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität sehr genau beobachten.“ Dies gilt als Formelsatz dafür, dass die EZB zunächst abwarten wird. Trichet vermied den Begriff „hohe Wachsamkeit“, der als Signal für eine rasche weitere Zinserhöhung gegolten hätte.
In ersten Reaktionen waren sich Beobachter einig, dass es einen nächsten Zinsschritt frühestens im Juli geben wird: "Wahrscheinlich kommt der nächste Schritt im Juli und noch einer Ende des Jahres. Der Erhöhungszyklus wird wohl langsamer ausfallen als in der Vergangenheit. Das ist eine der Kernbotschaften", sagte etwa Norbert Braems von der Deutsche-Bank-Tochter Sal. Oppenheim.
Der
Euro sackte nach den Worten Trichets deutlich ab. Er fiel am Nachmittag bis auf 1,4622 Dollar. Zu Beginn der Pressekonferenz kostete er noch 1,4840 Dollar. Das spricht dafür, dass sich Marktteilnehmer aus der Gemeinschaftswährung zurückziehen, die zuvor auf eine schnelle Ausweitung der Zinsdifferenz zum Dollar-Raum gewettet hatten. Außerdem sei der Verfall durch automatische Verkaufsorders vergrößert worden, hieß es im Markt.
Vor der EZB hatte bereits die Bank of England ihren Leitzins bei 0,5 Prozent bestätigt.
Die Euro-Notenbanker hatten im April zum ersten Mal seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im September 2008 ihren Leitzins auf aktuell 1,25 Prozent angehoben. Angesichts des zunehmenden Inflationsdrucks - in der Euro-Zone lag die Teuerung zuletzt bei 2,8 Prozent und damit deutlich über der Zielmarke der EZB - scheinen weitere Zinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf aber ausgemachte Sache zu sein.