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Merken   Drucken   02.09.2010, 16:19 Schriftgröße: AAA

US-Konjunktur: Obamas größter Fehler  

Der US-Präsident hat im Kampf gegen die Rezession den richtigen Weg eingeschlagen, war dabei aber zu zaghaft. Das rächt sich nun. Seine Vorsicht wird für ihn zur politischen Gefahr.
© Bild: 2010 Bloomberg
Kommentar Der US-Präsident hat im Kampf gegen die Rezession den richtigen Weg eingeschlagen, war dabei aber zu zaghaft. Das rächt sich nun. Seine Vorsicht wird für ihn zur politischen Gefahr. von Martin Wolf
Nehmen wir einmal an, die US-Präsidentenwahl hätte nicht 1932, sondern 1930 stattgefunden, während der Anfangsphase der Großen Depression. Und gehen wir einmal davon aus, Franklin D. Roosevelt hätte diese Wahl gewonnen, allerdings nicht mit einem Erdrutschsieg. Wie anders wäre wohl alles gekommen. Der Präsident hätte möglicherweise hilflos mit angesehen, wie Produktion und Beschäftigung einbrechen. Die Jahrzehnte demokratischer Vorherrschaft hätte es wohl nie gegeben.
Geschichte wiederholt sich. Nur diesmal war es anders: Die Krise brachte Barack Obama an die Macht, als der Wirtschaftsabschwung gerade erst anfing. Wie einige andere war auch ich damals der Ansicht, dass aggressive Maßnahmen erforderlich seien. Dass zu wenig zu tun heute viel riskanter ist, als zu viel zu tun. Das war richtig.
Mangelnde Glaubwürdigkeit
Die Richtung, die die Politik eingeschlagen hat, war nicht falsch: Die Entscheidungsträger hatten viel aus der Situation der 30er-Jahre gelernt. Vernünftige Menschen wussten, dass eine expansive Geld- und Fiskalpolitik vonnöten war, einhergehend mit dem Wiederaufbau des Finanzsektors. Doch wie Obamas Chefvolkswirt Larry Summers so schön sagte: "Wenn Märkte übers Ziel hinausschießen, müssen auch Entscheider übers Ziel hinausschießen." Leider ist die US-Regierung diesem ausgezeichneten Rat nicht gefolgt. Damit hat sie den Gegnern ermöglicht zu behaupten, die Politik sei nicht effektiv, obwohl sie bloß unzureichend war.

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Kommentare
  • 04.09.2010 19:32:46 Uhr   Wolfgang Lutz: Mangelnde Glaubwürdigkeit

    Leider ist gegen die inzwischen weltumspannende Krake der alles aufsaugenden und alle wichtigen Schlüsselpositionen durchseuchenden Finanzlobby nicht mal mehr ein US-Präsident mit der ganzen Macht der USA gewachsen.

    Die weit verzögerte und nun bei weitem unzureichende (im Endresultat echte) Regulierung der Finanz- und Rohstoffmärkte ist für die zukünftig friedliche Koexistenz der ganzen Welt und auch der amerikanischen Nation höchst fatal.

    Auch die Verweigerung einer globalen Transaktionssteuer zur Kompensation (und Vorsorge) der unvorstellbaren summierten aktuellen und vor allem in die Zukunft verschobenen Krisenkosten durch Steuerzahler wird bald zur endgültigen Zahlungsunfähigkeit der USA, der fast ganzen EU, des UK und JP, u.v.m. führen, mit den dann absehbaren Unruhen der hunderten Millionen der weltweit Sozialentrechteten.

    Hinzu kommt die in den USA die seit B.Clinton in den 90'ern fahrlässig eingeläutete komplette Öffnung der USA für die breite Fertigungsverlagerung samt dem kompletten Fertigungs- und Forschungswissen nach China, so dass nun keine Basis mehr in den USA überhaupt für eine die Massenarbeitslosigkeit beseitigende Dauerkonjunktur besteht.

    Dieser Ausverkauf wird bisher auch seit langen Jahren fahrlässig in der ganzen EU, vor allem aber in Deutschland, analog zu den USA fortgesetzt, wobei bisher der reale volkswirtschaftliche Wert dieser Entwicklung entgegen anderen Verlautbarungen völlig vernachlässigbar war.

    So hat Deutschland, bis auf die aktuelle von China in der Krise zur Verhinderung des absehbar befürchteten Marktprotektionismus der EU gezielt aufgelegte vorübergehende hohe Nachfrage im Automobilbereich, nach China und Indien zusammen pro Jahr weniger exportiert als nach Belgien!

    Dabei bestand durchgehend ein Großteil der so immer desinformativ hochlöblich besungenen Exportmarktchancen in China exklusiv nur im Bereich (Sonder-)Maschinenbau und (Groß-)Anlagenbau, sowie im Automobilbereich.

    Alle diese drei Bereiche haben für die einzelnen Exportunternehmen eine für sie mikroökonomisch erstrebenswerte, aber nur max. ein paar Jahre andauernde Gewinnsteigerung bedeutet, für unsere Volkswirtschaften bedeutet dies makroökonomisch die nun überall sichtbare und komplett unumkehrbare Vernichtung ganzer Industriebranchen, so z.B. die der Textilindustrie, oder nun der Solarbranche.

    Die durch die den Chinesen auf grüne Wiese hingestellten Solarfertigungen produzieren nun dreimal so billig wie deutsche Hersteller.

    Dabei hat der Steuerzahler ohne einen Mittelrückfluss in die Solarsubventionen seit 30 Jahren bereits 85 Mrd. EUR reingesteckt, weitere 100 Mrd. sind für die nächsten Jahre eingeplant und die Solarabdeckung in DE beträgt immer noch unter 1% der Energieversorgung (Atom: 30 Mrd. EUR Subventionen, 25% Abdeckung der Versorgung)!

    Lt. Olaf Henkel, fallen inzwischen 44% der deutschen Exportwertschöpfung im Ausland an!

  • 03.09.2010 14:11:39 Uhr   Toni: Guter Artikel
  • 03.09.2010 09:30:54 Uhr   Thomas Müller: @no. 7
  • 03.09.2010 00:33:15 Uhr   no.7: Nicht nur öberflächlich betrachten.
  • 02.09.2010 20:31:13 Uhr   Frank Albrecht: Politischer Oportunismus
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