Die Zahl beeindruckt zunächst. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nimmt 276 Mrd. Dollar in die Hand, um die amerikanische Konjunktur zu stützen. Doch bei genauerem Hinsehen wird klar, dass Fed-Chef Ben Bernanke und seine Kollegen im Offenmarktausschuss in Wirklichkeit eine Abwartehaltung einnehmen. Mit ihrer Verlängerung der sogenannte Operation Twist verhindern sie lediglich, dass vorhandene Liquidität aus dem Finanzsystem abgezogen wird, ohne aber die Bilanz der Zentralbank weiter auszudehnen.
Denn die Fed hat am Mittwochabend nur beschlossen, das Programm zu Laufzeitenverlängerung ihrer Wertpapierportfolios bis zum Jahresende zu verlängern. Bereits im September 2011 hatte die Washingtoner Notenbank erstmals entschieden, Staatsanleihen mit einer Laufzeit von unter drei Jahren im Volumen von 400 Mrd. Dollar in Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu 30 Jahren zu tauschen. Nach der Entscheidung von Dienstagabend kommen nun noch weitere Anleihen im Volumen von 267 Mrd. Dollar hinzu. Damit dürfte die Fed ihren gesamten Bestand an Anleihen, die bis Ende 2015 fällig werden, in die "Operation Twist" einbezogen haben. Außerdem beließen die US-Währungshüter ihren Leitzins bei de facto Null Prozent und bekräftigten ihre Ansage, dass er auf diesem Niedrigniveau bis mindestens Ende 2014 verharren dürfte.
Die Entscheidung, aber auch die Äußerungen der Notenbank in der schriftlichen Stellungnahme und Bernankes Aussagen in der Pressekonferenz nach der Fed-Sitzung deuten darauf hin, dass Amerikas Geldpolitiker zwar die US-Konjunktur pessimistischer einschätzen als noch vor Kurzem. So haben die Mitglieder des Offenmarkausschusses ihre Wachstumserwartungen nach unten geschraubt während sie eine etwas höhere Arbeitslosenrate erwarten. Beide Daten sind entscheidend für geldpolitische Beschlüsse der Fed, da sie - anders als die Europäische Zentralbank - einem Doppelmandat unterliegt und stabile Preise ebenso wie einen möglichst hohen Beschäftigungsstand anstreben muss.
Die Fed-Entscheidung zeigt: Ben Bernanke will als aktiver Stützer der US-Konjunktur erscheinen. In Wirklichkeit aber wartet Amerikas Notenbankchef auf eine Bestätigung seines pessimistischen Konjunkturausblicks, ehe er die US-Volkswirtschaft mit einer dritten Runde milliardenschwerer Anleihekäufe stützt.
Doch obwohl die US-Notenbank das Beschäftigungsziel derzeit klar verfehlt, will Bernanke warten, ehe er die US-Volkswirtschaft über eine dritte Runde "mengenmäßiger Lockerungen" ("Quantitative Easing 3" oder "QE3") mit zusätzlicher Liquidität flutet und zu hohen Milliardenbeträgen zusätzliche Anleihen aller Art kauft. Diesen weitreichenden Schritt will der Fed-Vorsitzende nur machen, wenn in den kommenden Wochen neue Daten den pessimistischen Fed-Ausblick bestätigen oder die europäische Banken- und Staatsschuldenkrise die amerikanische Konjunktur noch stärker als schon jetzt belastet. Denn Bernanke weiß, dass "QE3" mit einer erneuten deutlichen Ausdehnung scharfe politische Debatten in den USA über die Macht der Fed und die Gefahren ihrer Politik provozieren wird. Gleichzeitig ist es alles andere als sicher, dass eine weitere Lockerung der amerikanischen Volkswirtschaft wirklich noch viel helfen wird.
Ben weiß (mindestens mittlerweile), daß Liquditätserleichterung nichts bringt für das Land außer noch höhere Verschuldung. Die paar Goldmänner mögen zwar ihren Reichtum weiter mehren können, das Volk jedoch hungert zunehmend. Wirtschaftswachstum liegt weiterhin um Null .Zu mehr reichte auch all die Manipulation nicht. Diese Erkenntnis beherrscht nun auch den Congress, den Arbeitgeber von Bernanke sozusagen. Man gibt ihm dort nicht nur bei den nun häufigeren Anhörungen jedes Mal zu verstehen, er solle in Dreiteufelsnamen seine ungelenken Griffel vom Gelddrucker lassen - sonst setzt es was, etwa im geplanten Gesetz zur Neuregelung der Fed, was aktuell im Werden ist.
Ben hat die Hosen derart voll, daß er sich zu nichts weiter als der kümmerlichen Prolongierungdes Twisting bereit fand.
Mehr wird kaum folgen - eher weniger.