Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.
| Jeffrey Sachs ist Uno-Sonderberater für die Milleniumentwicklungsziele |
Viele der erfolgreichsten Wirtschaftsreformen der Geschichte zeichnen sich durch kluge Länder aus, die aus den politischen Erfolgen anderer gelernt und diese an die lokalen Bedingungen angepasst haben. In der langen Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung lernte das Großbritannien des 18. Jahrhunderts von Holland; Preußen am Anfang des 19. Jahrhunderts lernte von Großbritannien und Frankreich; das Japan der Meiji-Ära Mitte des 19. Jahrhunderts von Deutschland; Europa nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA; und das China von Deng Xiaoping lernte von Japan. Auch heutzutage gibt es großartige Gelegenheiten für diese Form von "Politik-Arbitrage", wenn sich nur mehr Länder die Zeit nehmen würden, aus den Erfolgen anderer Länder zu lernen.
So befinden sich gerade viele Länder in einer Beschäftigungskrise, während es einem Teil der kapitalistischen Welt sehr gut geht: Nordeuropa einschließlich Deutschlands, der Niederlande und Skandinaviens. Die Arbeitslosenquote in Deutschland hat diesen Sommer rund 5,5 Prozent betragen und die Jugendarbeitslosigkeit rund acht Prozent - bemerkenswert niedrig im Vergleich zu vielen anderen Volkswirtschaften mit hohem Einkommen.
Wie machen die Nordeuropäer das? Sie alle setzen auf aktive Arbeitsmarktpolitik, durch flexible Arbeitszeit, die Erleichterung des Übergangs von der Schule ins Erwerbsleben (vor allem Deutschland), eine umfassende Berufsausbildung und die Abstimmung zwischen Ausbildung und adäquater Beschäftigung. In einer Zeit chronischer Haushaltskrisen weisen Deutschland, Schweden und die Schweiz fast ausgeglichene Haushalte auf. Alle drei setzen auf Haushaltsregeln, die einen konjunkturbereinigten Haushaltssaldo vorgeben. Und alle drei haben eine grundlegende Vorkehrung getroffen, um ihre Ausgaben für die Erfüllung von Leistungsansprüchen unter Kontrolle zu halten: ein Renteneintrittsalter von mindestens 65 Jahren. So werden die Kosten wesentlich geringer gehalten als in Frankreich und Griechenland, wo das Rentenalter 60 Jahre oder weniger beträgt und wo die Rentenausgaben infolgedessen in die Höhe schnellen.