Die Zeit der wohltuenden Stille ist vorbei. Für ein paar Monate waren die endlosen Quengeleien amerikanischer Abgeordneter, die Chinesen sollten endlich ihre Währung aufwerten, verstummt. Das war im Frühjahr 2009, die Weltwirtschaftskrise hatte voll zugeschlagen. Damals ging die Angst um, man würde sich verschanzen und eine Welle des Protektionismus die Welt in eine tiefe Rezession reißen. Die US-Abgeordneten hielten still.
Doch nun läuft Chinas Wirtschaft wieder rund. Unterdessen klettert die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten nach oben, zuletzt auf 9,7 Prozent. Jetzt geht das Geschrei wieder los. Beobachter erwarten, dass Washington schon bald die Chinesen offiziell der Währungsmanipulation bezichtigen könnte - eine Anschuldigung, die das ohnehin schon angespannte Verhältnis zwischen Amerikanern und Chinesen weiter strapazieren könnte.
Seit Juli 2008 ist der Renminbi de facto an den Dollar gekoppelt. Und seitdem werden die Amerikaner nicht müde, auf die Chinesen einzureden. Dabei wären sie besser beraten stillzuhalten. Solange sich Peking in die Ecke gedrängt fühlt, ist kein Einlenken zu erwarten. Denn China verfolgt seine eigenen Interessen und sieht zudem in seiner Wechselkurspolitik seinen "Beitrag zur Stabilisierung der Weltwirtschaft", wie Zentralbankchef Zhou Xiaochuan kürzlich erklärte.
Dabei ist es nicht so, dass man in China nicht auch um die Vorteile einer solchen Aufwertung weiß. Ein stärkerer und flexiblerer Renminbi würde einige von Chinas Problemen lösen. Beispielsweise die steigende Inflation, die im Februar auf den höchsten Stand seit 16 Monaten kletterte.
Die hohen Lebensmittelpreise bergen einen enormen Sprengstoff in einem Land, in dem immer noch viele Menschen in ärmlichen Verhältnissen leben. Eine stärkere Währung verliehe ihnen mehr Kaufkraft. Gleichzeitig würden die Gewinne der Exportunternehmen sinken, übertriebene Investitionen würden zurückgehen. Unter dem Strich würde Chinas Binnennachfrage durch eine Aufwertung gestärkt werden - das erklärte Ziel der chinesischen Führung. Und ganz nebenbei erntete China das Wohlwollen der westlichen Welt.
Liest sich wie ein von der chinesischen Staatsmacht lanciertes Pamphlet, selbst wenn viel Wahres enthalten ist.