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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   27.06.2010, 09:00 Schriftgröße: AAA

WM-Gegner im Wirtschaftstest: Deutschland - England 5:4

Vor den Spielen von Jogis Elf checkt die FTD, wie stark unsere Gegner sind - zumindest wirtschaftlich. In dieser Hinsicht kann Deutschland froh sein, dass der Gegner England heißt. von Martin Kaelble und Mathias Ohanian, Berlin
Zumindest auf dem Papier ist das Traditionsduell zwischen Deutschland und England schon entschieden. Die ökonomischen Kennzahlen sprechen gegen das Fußball-Mutterland - nicht zuletzt durch einen Mann in den Reihen der Briten: David Cameron. Großbritanniens neuer Premierminister hat diese Woche seinen neuen Budgetplan vorgestellt - mit radikalen Sparzielen. Das ist zwar kein Eigentor, sondern im Gegenteil mittelfristig gut für die britische Wirtschaft. Doch kurzfristig wird es Wachstum kosten. Deutschland steht somit deutlich besser da. Und wird daher gewinnen, wie der Londoner Fußball-Ökonom Stefan Szymanski bereits vor der WM für die Zeitschrift Capital berechnet hat.
WM-Achtelfinale Deutschlands Duell mit dem "alten Feind" England
Die Briten waren zuletzt zunehmend unter den Druck der Märkte geraten. Ratingagenturen wie Fitch hatten angemahnt, endlich etwas gegen das gigantische Haushaltsloch zu tun. Mit voraussichtlich 11,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt, wie die OECD im Mai schätzte, ist das Defizit höher als in Griechenland - wenngleich die Briten dank langer Fälligkeitsfristen und einer eigenen Währung einen Vertrauensvorschuss haben. Dennoch: Die Regierung von Premier Cameron hat Ernst gemacht und will nun die Neuverschuldung bis 2016 von 10,1 Prozent auf 1,1 Prozent drücken. Müssen im laufenden Fiskaljahr noch neue Schulden im Umfang von 149 Mrd. Pfund aufgenommen werden, sollen es in fünf Jahren nur noch 20 Mrd. Pfund sein.
Ambitionierte Pläne - die harte Konsolidierungsmaßnahmen erfordern. So soll unter anderem die Mehrwertsteuer von 17,5 Prozent auf 20 Prozent erhöht werden. Die Löhne im öffentlichen Dienst sollen eingefroren, die Staatsausgaben innerhalb von vier Jahren um 25 Prozent gesenkt werden.
Das hat Konsequenzen für das Wachstum. Nur um 1,2 Prozent wird die Wirtschaftsleistung nach Schätzung der Regierung in diesem Jahr wachsen. Für das kommende Jahr rechnet Schatzkanzler George Osborne mit 2,3 Prozent. "Es könnte aber auch schlechter ausfallen, es gibt erhebliche Risiken in beide Richtungen", sagte George Buckley, Chefvolkswirt für Großbritannien bei der Deutschen Bank.
So mancher Volkswirt glaubt gar, dass die Negativfolgen erst später eintreten. Gerade durch die harten Kürzungen im öffentlichen Sektor - einem zentralen Jobgenerator der britischen Wirtschaft - könne es mittelfristig zu einer Stagnation beim Beschäftigungsaufbau kommen, sagte Peter Dixon, Volkswirt der Commerzbank in der Londoner City. "Die Ratingagenturen und Märkte mögen heute von der fiskalischen Härte beeindruckt sein, doch sie dürften die Auswirkungen auf das Wachstum noch bereuen."
Großes Spezial zur Fußball-WM
Andere Ökonomen fordern hingegen eine Steigerung der Konsolidierung zu einem späteren Zeitpunkt, wie beispielsweise das National Institute of Economic and Social Research (NIESR) in London.
Was für die britische Wirtschaft von Nachteil ist, könnte für das Team von Jogi Löw von Vorteil sein. Folgt man den ökonomischen Modellen von Fußballforscher Szymanski oder der Danske Bank, gibt es einen Zusammenhang zwischen den wirtschaftlichen Indikatoren und dem fußballerischen Erfolg. Folgt man den bisherigen Spielen dieser WM, dürfte die deutsche Mannschaft aber vor allem eines brauchen: viel Glück - oder einfach Elfmeterschießen. Denn hier hätte Deutschland nicht nur aus Ökonomensicht einen klaren Vorteil.
  • FTD.de, 27.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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