FTD.de » Sport » Bundesliga öffnet sich nur für langfristige Investoren

Merken   Drucken   31.08.2011, 10:00 Schriftgröße: AAA

50+1-Regel: Bundesliga öffnet sich nur für langfristige Investoren

Vorerst keine Scheichs in der Bundesliga: Aber die jetzt veränderte 50+1-Regel ermöglicht es Investoren, nach 20 Jahren die Stimmenmehrheit zu übernehmen. von Christian Otto, Hannover
Der Sekt blieb unter Verschluss. "Ich verspüre keine Genugtuung. Ich bin einfach nur erleichtert, dass es zu einem Ende gekommen ist", sagte Martin Kind. In der Geschäftspost des Präsidenten von Hannover 96 lag am Dienstag ein Brief, der die Spielregeln im deutschen Profifußball verändert. Seit fast fünf Jahren hatte Kind im Alleingang und gegen massiven Widerstand der 50+1-Regel den Kampf angesagt: Sie erschwert die Einflussnahme von Investoren auf deutsche Profiklubs. Das ständige Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen, das sich um die Belange der Ersten und Zweiten Bundesliga kümmert, hat seinen Änderungsantrag angenommen. Künftig darf nur ein Gesellschafter oder Sponsor, der mehr als 20 Jahre durchgängig einen Profiklub unterstützt hat, auch dessen Kapital- oder Stimmenmehrheit übernehmen.
Vorerst keine Scheichs in der Bundesliga: Was sich so herrlich populistisch zusammenfassen lässt, ist vor allem für die Erste Bundesliga von elementarer Bedeutung. "Im deutschen Profifußball werden Investoren weiterhin nur im Ausnahmefall und sehr eingeschränkt die Stimmenmehrheit bei einzelnen Klubs übernehmen können", sagt Ligaboss Reinhard Rauball über die neue Rechtsgrundlage.
Siegt für fast alle nach einsamem Kampf: Martin Kind, Boss von ...   Siegt für fast alle nach einsamem Kampf: Martin Kind, Boss von Hannover 96
Kind war es als Präsident und Hauptgesellschafter von Hannover 96 vor allem darum gegangen, seinem Klub national wie international gleiche Chancen zu ermöglichen. Die Niedersachsen suchen seit geraumer Zeit Kapitalgeber, denen Kind auch mehrheitlichen Einfluss zugestehen möchte. Das ist beim VfL Wolfsburg und bei Bayer Leverkusen erlaubt, war aber Vereinen wie Hannover 96 verboten. Jetzt hat Kind Rechts- und Planungssicherheit auch für andere Klubs erzielt. "Aber es handelt sich ja nicht um eine Lex 96. Das ist ein Urteil für die Bundesliga. Ich gehe davon aus, dass sich damit jetzt auch andere Klubs auseinandersetzen und auf uns oder unsere Anwälte zukommen werden", sagte er.
"Wir in Hannover suchen keine Investoren, sondern partnerschaftlich agierende Gesellschafter", betont der Chef eines weltweit erfolgreichen Hörgeräteherstellers. Keiner der bisherigen Gesellschafter des aufstrebenden, aber finanziell eher minderbemittelten Klubs, zu denen unter anderem ein Immobilienkrösus, eine Verlagsgesellschaft und Kind selbst zählen, will Hannover 96 mithilfe von viel Geld und Macht revolutionieren.
Dank der 1999 aufgesetzten und am Dienstag aufgeweichten 50+1-Regel wird es den Bundesligavereinen vorerst erspart bleiben, sich wie so viele Klubs der englischen Premier League von externen und fußballfremden Geldgebern dominieren zu lassen. Aber sollte beispielsweise der Reisekonzern TUI , der Hannover 96 seit Jahren als Trikotsponsor mitfinanziert, Interesse an aktiver Vereinspolitik anmelden, dann wäre eine direkte Einflussnahme nach 20 Jahren als zahlender Partner künftig möglich.
Während Hannover 96 nun zahlungskräftigere Geldgeber finden will, muss sich die bundesweite Konkurrenz erst noch mit den Auswirkungen des gestrigen Urteils beschäftigen. Zwar ist bei Volkswagen  und Bayer  der Status quo endgültig legitimiert. Aber im Konstrukt der TSG Hoffenheim wird sich etwas ändern. "Ich gehe davon aus, dass Herr Hopp die Voraussetzungen in vollem Umfang erfüllt", sagt Kind über seinen Kollegen. Der frühere SAP -Chef Dietmar Hopp  ist Hoffenheims Hauptgeldgeber - aber angeblich nicht ihr Hauptentscheider. Der wohlhabende Mäzen ist jedoch so stark in die Belange seines Vereins verwickelt, dass die Rechtmäßigkeit durchaus hinterfragt werden darf.
  • Aus der FTD vom 31.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
Schlagzeilen
FUSSBALL

mehr Fussball

RADSPORT

mehr Radsport

TENNIS

mehr Tennis

SPORTMIX

mehr Sportmix

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote