FC Köln
Er nervt mit morbider Wichtigtuerei, fußballerischem Getölpel und gewalttätigen Fans.
Jeder ahnt: Mit einer Stadt, die so redet, wie ihr Bier heißt, kann etwas nicht stimmen. Trinkt Norddeutschland Plattbier? Spricht Düsseldorf altdeutsch, Pilsen pilsisch? Eben. Köln ist eine pfannkuchenplatte Ödnis, aus der nur die beiden Spitzschlote des Katholizismus herausragen. Brauchtumssänger tragen monströse Schnauzbärte, als sei der Rasierschaum noch nicht erfunden. Ökonomisch liegt die Stadt brach, kulturell auch: Das Schauspielhaus wollten sie gleich ganz abreißen.
Dennoch gibt es eine stadtspezifische Arroganz sonder Beispiel. So sagt man zum Rhein Ring, als würde er im Kreis fließen - am besten nur um diese Stadt herum. In Wahrheit teilt er Köln, was den Einheimischen aber egal ist: Bockig wie Hennes I bis VIII ignorieren sie alle Brücken, bleiben stets in ihrer Heimatbronx ("Veedel") und sagen "Schäl Sick" zum Lebensraum der anderen, als wären sie Düsseldorfer. Köln ist indes die ideale Fluchtstadt: Nirgends sonst gibt es so viele so superschnelle Zugverbindungen in die Zivilisation (Aachen, Frankfurt, Paris, London).
Und der 1. FC Köln? Nervt alle mit seiner morbiden Wichtigtuerei, Führungslosigkeit, mit sportlichem Getölpel und der ironiefreien Stadiondurchsage: "Willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands." Die gewalttätigen Fans stehen ohnehin vor lebenslanger Ausbürgerung aus allen Stadien. Im Wappen hat der FC einen Stinkebock und hält ihn in achter Generation als Maskottchen, das bei jedem Spiel neben den Rasen kötteln darf. Über den Ziegenbock Capra aegagrus hircus wusste schon Tierforscher Alfred Brehm, dass er "plump gebaut" ist, in "düsterfarbigem Kleid" herumhoppelt und zu "Unstetheit und Launenhaftigkeit" neigt. Der Kölsche Hennes ist zudem artfremd gehalten: "Die Ziege ist für das Gebirge geschaffen."
Die FC-Spieler können besser Strüssjer (Blumensträuße) im Rosenmontagszug werfen als aufs Tor schießen. Manchmal sind sie besoffen. Dann begehren sie albern gegen Ordnungskräfte auf und übernachten im Knast (Peszko, 2012) oder zertrümmern die Karosserie ihres tiefergelegten Sportwagens im Gleisbett der Straßenbahn (Brecko, 2012). Apropos Kölner Verkehrsbetriebe. Die kennen sich mit Abstiegen aus wie der FC - allerdings statt in Liga zwei in Schicht zwei. Und es zeigte sich: Kölner können nicht mal Löcher graben (U-Bahn), ohne ihre Geschichte (Stadtarchiv) zu fluten.
Köln ist die Wiege der deutschen Korruption, Kölscher Klüngel sagt man dazu: "Mer kennt sisch, un mer hilft sisch", so Ex-OB Konrad Adenauer. Eine andere Unappetitlichkeit gab es Anfang dieses Jahres zu bestaunen: Im anatomischen Institut der Universität wurden zahllose Leichen wochenlang einfach vergessen. Darauf gab es eine mehr - der Institutsleiter brachte sich um.
Selbstverständlich wird der Abstieg des FC über die Relegation erfolgen. Dem Triumph am Samstag über den FC Bayern folgen neuerliche Tagträume von der daraus unmittelbar abgeleiteten Zukunft in der Champions League ("Europa opjepaast: Kölle kütt"). Dann kommen die Entscheidungsspiele gegen Fortuna Düsseldorf.
Von den beiden schmachvollen Niederlagen gegen den Hassnachbarn wird sich Köln nicht mehr erholen. Der Bischof dankt ab, das Festkomitee Kölner Karneval löst sich mangels Dependance im Müngersdorfer Stadion auf. Und in Düsseldorf wird man sich an Karl Julius Weber weiden, der vor 200 Jahren schrieb: "Das heitere Düsseldorf gefällt doppelt, wenn man aus dem finsteren Cöln herkommt."
Bernd Müllender