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Merken   Drucken   12.08.2008, 19:06 Schriftgröße: AAA

Agenda: Bundesliga-Mittelmaß schützt vor Reichtum nicht

Dossier Vor wenigen Jahren stand die Bundesliga vor dem finanziellen Kollaps – doch vor dem Start der neuen Saison geht es den Vereinen besser als je zuvor: Wie das Wunder von Frankfurt die Eintracht ereilte. von Heinz-Roger Dohms (Frankfurt)
Gäbe es mehr Türme und weniger Tore, man könnte das Stadion von Eintracht Frankfurt mit dem Finanzviertel verwechseln. In Loge 2.23 zum Beispiel residiert die Deutsche Bank, zwei Türen weiter das Geldhaus Metzler, daneben der Firmenkäufer Cerberus - und überhaupt ist die Branche von Deka bis DWS, von Sal. Oppenheim bis Schroders, von BHF bis Blackrock fast vollständig vertreten. Brauchte es einen Beweis, dass Fußball und Finanzen zueinandergefunden haben, das "Commerzbank-Arena" getaufte Stadion liefert ihn.
Wie in Hessen sieht es in vielen Bundesliga-Stadien aus. Die Sponsoren stehen Schlange. Ab Freitag strömen die Zuschauer wieder in die Arenen, der Fußball boomt - doch das ist nicht das Verblüffende. Das Verblüffende ist, wie die Vereine mit dem neuen Reichtum umgehen. Noch vor wenigen Jahren rechtfertigte bei Klubs wie Frankfurt, Dortmund oder Kaiserslautern die bloße Aussicht auf Erfolge jedes finanzielle Risiko. Bezeichnend war ein Bonmot, das Bernd Hoffmann zugeschrieben wird, dem Vorstandschef des Hamburger SV: Ziel im Fußball sei "der größtmögliche sportliche Erfolg bei Vermeidung der Insolvenz".
Und heute? Schreiben alle Erstligisten schwarze Zahlen. Der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zufolge läuft kein einziger Klub Gefahr, auf absehbare Zeit seine Solvenz zu verlieren. Die Branche, so scheint es, hat aus dem Spiel mit dem Ball ein beinahe krisensicheres Geschäft gemacht.
Zweikampf im DFB-Pokalspiel der Frankfurter gegen den SC Pfullendorf   Zweikampf im DFB-Pokalspiel der Frankfurter gegen den SC Pfullendorf
Das Büro von Thomas Pröckl liegt in der Nähe der Logen, der Eintracht-Finanzvorstand kann von seinem Schreibtisch auf die Fankurve rüberblicken und runter auf den Rasen, auf dem seine Mannschaft an diesem Sonntag gegen Hertha BSC ihr erstes Saisonspiel austrägt. Pröckl erzählt, dass er als Student "ein Faible für Lean Management" hatte, seine Dissertation handelte vom brasilianischen Steuerrecht, er war in der Automobilbranche tätig und hat die Bilanzabteilung von Heidelberger Druck geleitet. Nun also arbeitet Pröckl im Fußballstadion. Zu den Zeiten, da dem Klub regelmäßig der Konkurs drohte, sagt er: "Es hat sich hier einiges geändert seitdem."
Die Eintracht und das Geld - das war nicht immer eine reibungslose Beziehung. Im Frühjahr 1999 etwa, beim 100. Geburtstag, war der Klub dermaßen klamm, dass er seine Vermarktungsrechte für 20 Mio. DM an die Sportagentur ISPR verscherbelte. Mit dem frischen Geld ging man erst mal shoppen. Aus Dortmund kam der Stürmer Salou (7 Mio. DM), aus Karlsruhe das Talent Guié-Mien (5 Mio. DM), aus München der Spielmacher Heldt (3 Mio. DM). Die Euphorie war groß, das meiste Geld wieder weg.
Und so stand der Klub im Jahr darauf erneut vor der Pleite. Wieder fand sich ein Retter, eine US-Gesellschaft namens Octagon, die mit 50 Mio. DM einstieg. Das müsste doch jetzt reichen, dachte man in Frankfurt, doch auch dieses Geld war bald versickert. Als 2002 abermals der Lizenzentzug drohte, zogen die Amerikaner ab. Und Dr. Pröckl kam.

Teil 2: Sehr solide Eigenkapitalquote

  • Aus der FTD vom 13.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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