Zweikampf im DFB-Pokalspiel der Frankfurter gegen den SC Pfullendorf
Das Büro von Thomas Pröckl liegt in der Nähe der Logen, der Eintracht-Finanzvorstand kann von seinem Schreibtisch auf die Fankurve rüberblicken und runter auf den Rasen, auf dem seine Mannschaft an diesem Sonntag gegen Hertha BSC ihr erstes Saisonspiel austrägt. Pröckl erzählt, dass er als Student "ein Faible für Lean Management" hatte, seine Dissertation handelte vom brasilianischen Steuerrecht, er war in der Automobilbranche tätig und hat die Bilanzabteilung von Heidelberger Druck geleitet. Nun also arbeitet Pröckl im Fußballstadion. Zu den Zeiten, da dem Klub regelmäßig der Konkurs drohte, sagt er: "Es hat sich hier einiges geändert seitdem."
Die Eintracht und das Geld - das war nicht immer eine reibungslose Beziehung. Im Frühjahr 1999 etwa, beim 100. Geburtstag, war der Klub dermaßen klamm, dass er seine Vermarktungsrechte für 20 Mio. DM an die Sportagentur ISPR verscherbelte. Mit dem frischen Geld ging man erst mal shoppen. Aus Dortmund kam der Stürmer Salou (7 Mio. DM), aus Karlsruhe das Talent Guié-Mien (5 Mio. DM), aus München der Spielmacher Heldt (3 Mio. DM). Die Euphorie war groß, das meiste Geld wieder weg.
Und so stand der Klub im Jahr darauf erneut vor der Pleite. Wieder fand sich ein Retter, eine US-Gesellschaft namens Octagon, die mit 50 Mio. DM einstieg. Das müsste doch jetzt reichen, dachte man in Frankfurt, doch auch dieses Geld war bald versickert. Als 2002 abermals der Lizenzentzug drohte, zogen die Amerikaner ab. Und Dr. Pröckl kam.