Im FNB Stadion in Soweto, Südafrika, soll 2010 das WM-Finale stattfinden
Michael Palmer braucht nur Sekunden, um vom deutschen Krautsalat beim Transportsystem Südafrikas zu landen. "In einigen Gegenden ist die Infrastruktur sehr fortschrittlich, zum Beispiel am Flughafen in Johannesburg", sagt er optimistisch, während er eilig ein wenig Kraut und geraspelte Möhren auf sein Gabel schiebt. Seine Zeit ist knapp in diesen Tagen, pausenlos hetzt der Manager von Termin zu Termin.
Palmer leitet das Büro des Weltfußballverbands Fifa in Südafrika, dem Gastgeber der Weltmeisterschaft 2010. Seit einem Monat ist er in Deutschland, um sich Fußballstadien, Polizeidienststellen, Fan-Feste oder auch das internationale Medienzentrum in München anzuschauen. "Lernen von den Deutschen", lautet die offizielle Devise. Der gebürtige Australier hat viel gesehen in den letzten Wochen.
"Einiges wird ganz anders sein"
Und nun, während der Kaffeepause eines Workshops in einem Berliner Hotel, zwischen Krautsalat und Transportsystem, zieht er ein erstes diplomatisches Fazit: "Einige Dinge in Südafrika werden ganz anders sein als in Deutschland."
Der Fifa-Manager untertreibt. Wenn am Wochenende in Berlin die Stabübergabe von Deutschland an Südafrika erfolgt, beginnt eine neue Ära im Weltfußball. Erstmals findet eine WM in Afrika statt. Die Fußballwelt signalisiert dem Schwarzen Kontinent: Wir trauen euch das zu.
Ein Blick auf den Gastgeber 2010 lässt dieses Zutrauen allerdings recht optimistisch erscheinen - denn es ist offen, ob das Land am Kap der Guten Hoffnung innerhalb von vier Jahren die Infrastruktur für das globale Sportfest schaffen kann.
Korruption und Streitereien
Da ist zunächst der südafrikanische Fußballverband Safa. Er präsentiert sich vor der WM im eigenen Land geschwächt von Korruption und Streitereien: Erster Unmut kam bereits auf, kurz nachdem im Mai 2004 feststand, dass Südafrika das Sportfest austragen darf. Die Safa-Bosse, die die Bewerbung vorangetrieben hatten - Danny Jordaan, Molefi Oliphant und Irvin Khoza - hatten einen Bonus von rund 1 Mio. Euro eingestrichen, obwohl ihr Verband mehr als sechsmal so hoch verschuldet war.
Es folgte ein Schiedsrichterskandal. Etliche Unparteiische sollen gegen Geld Spiele manipuliert haben. Sie landeteten vorübergehend im Gefängnis. Und das Nationalteam "Bafana Bafana", das die Qualifikation für die Spiele in Deutschland verpasst hat, dümpelt mittlerweile auf Rang 53 der Fifa-Bestenliste im Fußball dahin. "Der Verband befindet sich in einem desaströsen Zustand", sagt der ehemalige Bundestrainer Ernst Middendorp, der derzeit in Johannesburg arbeitet.