Michael Rasmussen breitet bei der Zieleinfahrt jubelnd die Arme aus
Am Teufelslappen, einen Kilometer vor dem Ziel, entscheidet sich der Zweikampf. Rasmussen beschleunigt noch einmal, hängt Contador ab. Es wirkt, als müsse nur der Spanier bergauf treten; Rasmussen radelt ohne erkennbare Qualen nach oben. Als der Däne den weißen Strich überquert, reißt er befreit die Arme hoch. Als habe es all die Verdächtigungen und Skandale der vergangenen Wochen nicht gegeben.
Tatsächlich ist die Tour der France vier Tage vor ihrem Abschluss nur noch eine Farce. Großes hatte man sich vorgenommen. Nach den Geständnissen von ehemaligen Profis wie Bert Dietz, Rolf Aldag, Erik Zabel oder Bjarne Riis sollte die diesjährige Rundfahrt einen Neuanfang markieren. Die Teilnehmer unterschrieben Ehrenerklärungen, die Kontrollen sollten besser, die Tour sauberer werden. Doch kein Eigenschaftswort wird an dem Ereignis stärker haften bleiben als "dopingverseucht". Der Deutsche Patrik Sinkewitz, der Kasache Alexander Winokurow, zuletzt der Italiener Cristian Moreni werden positiv getestet und ausgeschlossen. Rasmussen wird während der Tour aus der dänischen Nationalmannschaft verbannt. Sponsoren und Sender steigen aus. Es ist ein Desaster.
Verdrängungstaktik
Bereits beim Start in London vor drei Wochen ist abzusehen, dass die Rundfahrt die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen kann. Tourchef Christian Prudhomme beschwört die Kraft der Tour de France, ihren Mythos und ihre Schönheit. Doch Fahrer und Teammanager üben sich zu Beginn vor allem in Verdrängung: "Nur Fragen zum Sport" ist einer der am häufigsten geäußerten Sätze in diesen Tagen - als würde sich das Problem Doping einfach in Luft auflösen, wenn man es nur verschweigt. Andere, wie der Deutsche Andreas Klöden, ziehen einfach die Mütze tief ins Gesicht und schweigen.