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Merken   Drucken   18.07.2006, 13:59 Schriftgröße: AAA

Anti-Doping-Gesetz spaltet die Koalition

Der Fall Jan Ullrich hat bei Politik und Sportverbänden einen Streit über die Notwendigkeit eines eigenständigen Anti-Doping-Gesetzes ausgelöst. SPD-Sportpolitiker sind für ein neues Gesetz. Doch die Chancen dafür stehen schlecht, weil die Union sich sperrt.
von Kai Beller (Berlin)
Jan Ullrich: Der Dopingverdacht gegen ihn löste den Streit über ...   Jan Ullrich: Der Dopingverdacht gegen ihn löste den Streit über ein Anti-Doping-Gesetz aus

Der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Peter Danckert (SPD), gehört zu den Befürwortern eines Gesetzes. "Alle Versuche, das Problem gesetzlich in den Griff zu bekommen, sind bisher fehlgeschlagen. Deshalb brauchen wir ein Anti-Doping-Gesetz", sagte er FTD Online. "Das Zögern einiger Sportfunktionäre und Politiker ist mir unverständlich." Er verwies auf positive Erfahrungen in Ländern wie Italien und Spanien, wo die Behörden schärfer gegen Dopingsünder vorgehen können als in Deutschland.

Die Debatte wurde durch den Dopingverdacht gegen Deutschlands Vorzeige-Radprofi Jan Ullrich ausgelöst. Hier zu Lande ist die Dopingbekämpfung im Arzneimittelgesetz geregelt. Der Handel mit sowie das Verschreiben und Inverkehrbringen von Dopingmitteln ist unter Strafe gestellt. Bei Verstößen droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Die Einnahme eines Dopingmittels ist in Deutschland jedoch nicht strafbar.

An dieser Stelle sieht Danckert eine Lücke. "Der entscheidende Punkt ist, dass man einen gedopten Sportler auch bestrafen kann. Es handelt sich schließlich um Betrug." Vorwürfe, er wolle den gesamten Sport unter Generalverdacht stellen, wies er zurück: "Es geht nicht darum, die Sportler zu kriminalisieren, sondern kriminelle Sportler zu identifizieren."

Auch Scharping für schärfere Gesetze

Der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping ...   Der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping (l.), verlangt schärfere Gesetze

Danckerts Forderungen werden von einem Teil der Sportverbände unterstützt. Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, hatte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Wochenende aufgefordert, eine "effiziente Dopingbekämpfung zu ermöglichen". Auch sein Kollege vom Bund Deutscher Radfahrer, Ex-SPD-Chef Rudolf Scharping, wünscht sich schärfere Gesetze. Die Rechtsgrundlagen seien nicht so, "dass der Staat den Kampf gegen Doping so unterstützt, wie ich mir das wünsche", sagte er im Radiosender RBB Info.

Ein eigenständiges Anti-Doping-Gesetz ist dennoch nicht in Sicht. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, hält ein neues Gesetz für überflüssig. Er will gedopte Sportler auch weiterhin durch die internationalen Sportgerichte sanktionieren.

Auch die Union will von einem Anti-Doping-Gesetz nichts wissen. Ihrem Sportexperten, Klaus Riegert (CDU), reicht die aktuelle Gesetzeslage. "Wir müssen das, was bereits geregelt ist, konsequent anwenden und auf diesem Feld einige neue Stellschrauben festziehen", sagte er. Die Koalition werde daher im Herbst ein Antragspaket in den Bundestag einbringen, um die Strafen gegen gewerbs- und bandenmäßige Aktivitäten im Doping zu verschärfen. Dopingvergehen sollen danach mit bis zu zehn Jahren Haftstrafe geahndet werden können. Außerdem habe sich die Koalition auf die Bildung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften verständigt. Danckert macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über den Kompromiss. "Das was im Herbst in den Bundestag eingebracht wird, ist nur ein Minimalkonsens in der Koalition. Das wird aber nicht ausreichen, es muss weitergehen." Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Bildschirmschoner - aktuelle Nachrichten und Aktienkurse direkt auf den PC.

  • FTD.de, 18.07.2006
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