Markus Babbel soll 1899 Hoffenheim aus der Krise führen, hat für seine erste Bewährungsprobe aber kaum mehr als 24 Stunden Zeit. Der 39 Jahre alte Ex-Trainer von Hertha BSC wurde als Nachfolger von Holger Stanislawski beim nordbadischen Fußball-Bundesligisten vorgestellt.
Hoffenheim-Manager Ernst Tanner (l) begrüßt den neuen Trainer Markus Babbel. Foto: Uwe Anspach
«Für uns geht es neu los, wir wollen die Mannschaft wieder auf Kurs bringen und kurzfristig beeinflussen, damit sie morgen eine gute Leistung zeigt», sagte Babbel vor der Partie des Tabellenachten am Samstag bei Werder Bremen.
Babbel erhält einen Vertrag bis zum 30. Juni 2014, den er in er Hektik am Freitag gar nicht mehr vor der Pressekonferenz und dem «Abschlusstraining» vor dem Werder-Spiel unterschreiben konnte. In Jeans, schwarzem Pulli und braunen Stiefeln und zusammen mit seinem bisherigen und künftigen Co-Trainer Rainer Widmayer erschien Babbel im Trainingszentrum in Zuzenhausen.
«Er wird in erster Linie psychologisch tätig sein müssen», sagte Manager Ernst Tanner. Die Mannschaft sei nach den Misserfolgen der vergangenen Wochen verunsichert, in den letzten zehn Spielen gab es nur einen Sieg. Tanner räumte ein, es habe auch Verbindungen zu anderen Trainern gegeben, persönlichen Kontakt aber nur zu Babbel. Er hatte Stanislawski noch am Sonntagabend in einer TV-Sendung den Rücken gestärkt. Am Montag und damit zwei Tage vor dem für Stanislawski verhängnisvollen Pokal-Aus gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth, so bestätigte es Babbel, hatte Hoffenheim aber bereits Kontakt zu ihm aufgenommen.
In den Fanforen hat Stanislawskis Entlassung für viel Unmut gesorgt. Dass Mäzen Dietmar Hopp diese massiv vorangetrieben hatte, ist auch Babbel nicht verborgen geblieben. «Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn wir einen regelmäßigen Austausch hinkriegen», sagte der neue Coach über seinen künftigen Umgang mit dem mächtigen Milliardär. Hopp wiederum teilte in einer Erklärung mit: «Ich hoffe, dass der neue Trainer das Ruder wieder herumreißen kann und die Köpfe der Spieler frei kriegt, damit die TSG wieder in ein ruhigeres Fahrwasser kommt.»
Nicht nur sportlich steckt der Club in seinem vierten Bundesliga-Jahr in der Krise: Auch die Zuschauerzahlen gehen zurück. Der von Hopp angeordnete Sparkurs hat den Emporkömmling in Schwierigkeiten gebracht und viele Anhänger sind sauer über die Außendarstellung. Auch Tanner ist der Meinung, dass es für Babbel zunächst «sehr schwer sein wird» die Sympathien von Stanislawski zu erringen. «Aber wir müssen in erster Linie um Punkte kämpfen und nicht um Sympathien.»
Für den Manager bleibt ein einstelliger Tabellenplatz das Saisonziel, obwohl das Team von Kapitän Andreas Beck zuletzt wie ein Absteiger auftrat. «Wichtig ist, erstmal wieder Erfolgserlebnisse zu haben», sagte Babbel. «Es ist ein negativer Trend da, den gilt zu stoppen. Die Spieler haben unheimlich viel Qualität, sind alles hervorragende Fußballer.»
Sechs Punkte trennen Hoffenheim derzeit vom Relegationsplatz und Tabellen-16. 1. FC Kaiserslautern. Stanislawski hatte zuletzt von «Abstiegskampf pur» gesprochen, doch mit dem Gedanken wollen sich die Verantwortlichen um Tanner nicht anfreunden. Falls der Herbstmeister von 2008 allerdings auch unter Babbel weiter abstürzt, könnte es am letzten Spieltag zu einer reizvollen Begegnung kommen: Hertha BSC gegen 1899 Hoffenheim. Bei den Berlinern war Babbel am 18. Dezember rausgeflogen - einen Tag nach dem 1:1 von Hertha in Hoffenheim. Ob er sein Hertha-Tattoo am Oberarm noch habe? «Natürlich, da kommt kein Balken drüber», sagte der frühere Profi des FC Bayern München und FC Liverpool.
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