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Merken   Drucken   19.02.2012, 12:45 Schriftgröße: AAA

Bayern-Pleite in Freiburg: Mir san Dritter

Ohne Mut, ohne Ideen, ohne Leidenschaft: Nach dem 0:0 beim Schlusslicht Freiburg ist der FC Bayern alarmiert. Der Titel ist ernsthaft in Gefahr und die Stimmung im Team nicht sonderlich harmonisch.
© Bild: 2012 Reuters/Alex Domanski
Ohne Mut, ohne Ideen, ohne Leidenschaft: Nach dem 0:0 beim Schlusslicht Freiburg ist der FC Bayern alarmiert. Der Titel ist ernsthaft in Gefahr und die Stimmung im Team nicht sonderlich harmonisch. von Arne Leyenberg
Beim FC Bayern München geht die Angst vor einer weiteren Saison ohne Meistertitel um. Das matte 0:0 bei Schlusslicht SC Freiburg machte allen Beteiligten deutlich, dass die nach den jüngsten Siegen überwunden geglaubte spielerische Krise beim selbst ernannten Favoriten noch nicht ausgestanden ist.
"Spätestens jetzt schrillen die Alarmglocken. Wenn sich nicht ganz schnell ganz viele Dinge ändern, wird das eine enttäuschende Saison für den FC Bayern", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger nach dem blutleeren Auftritt des Rekordmeisters im Breisgau. "Das war eine Leistung, die nicht akzeptabel ist. Es wirkt, als wenn einige nicht verstanden hätten, worum es geht."
Bayerns Holger Badstuber ärgert sich über eine vergebene Chance   Bayerns Holger Badstuber ärgert sich über eine vergebene Chance
Es geht um alles: Weil sich die Konkurrenz im Titelkampf keine Blöße gibt, haben die Bayern bereits vier Punkte Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund - und mussten sogar Borussia Mönchengladbach passieren lassen. "Natürlich fahren wir da jetzt nicht mit dem größten Selbstbewusstsein hin", sagte Kapitän Philipp Lahm angesichts des bevorstehenden Achtelfinal-Hinspiels in der Champions League beim FC Basel.
Dort kann es jedoch eigentlich nur besser werden, denn gegen die leidenschaftlich kämpfenden Freiburger waren die Münchner mut- und ideenlos wie selten in dieser Saison zu Werke gegangen. "So darf man nicht auftreten. Es gibt viel Gesprächsbedarf", sagte Lahm. Ihn hatte die Angriffslust jedoch erst nach dem Spiel gepackt. Warum die Bayern, die nach dem missglückten Start in die Rückrunde wieder gefestigt schienen, eklatante Schwächen offenbarten, konnte Lahm nicht erklären. "Ich habe keine Ahnung, warum."
"Deutscher Meister wird nur der BVB"
Vielleicht, weil Arjen Robben wieder einmal zunächst nur auf der Ersatzbank Platz nehmen musste. Erst als der Niederländer zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, besserte sich das Spiel der Bayern. Robben hatte prompt die beste Chance zum Treffer des Tages, den jedoch der starke Freiburger Torwart Oliver Baumann verhinderte. "Ich bin enttäuscht. Wir müssen jetzt analysieren und dann wieder aufstehen", sagte Robben, der nach einer Attacke von Jonathan Schmid in der 52. Spielminute vergeblich einen Elfmeter forderte.
Trainer Jupp Heynckes läuft mit seinem Verzicht auf den Niederländer in der Startelf Gefahr, das Betriebsklima nachhaltig zu stören. Seine Frustration versucht Robben nicht einmal zu verstecken. Als Holger Badstuber in Freiburg nach rund einer Stunde eine weite Flanke aus der Abwehr misslang, klatschte Robben höhnisch Beifall. Badstuber schüttelte nur den Kopf. "Das war heute nicht der FC Bayern, wie wir ihn uns vorstellen und wie wir uns präsentieren wollen", sagte Nerlinger auch angesichts solcher Szenen.
Sportdirektor wie Kapitän befürchten bereits die Zuschauerrolle bei der Titelvergabe. "Das wird sonst ein Zweikampf zwischen Dortmund und Mönchengladbach", sagte Nerlinger. "Wir haben es nicht mehr selbst in der Hand", sagte auch Lahm.
Die Bayern müssen auf Patzer der Konkurrenten hoffen. Der Trainer gibt sich indes weiter kämpferisch. "Die Meisterschaft wird am letzten Spieltag entschieden. Aber natürlich haben wir heute zwei Punkte verloren, was wir uns nicht leisten können", sagte Heynckes.
Er steht jetzt in der Pflicht. "Der Trainer wird sicher die richtigen Worte und Maßnahmen finden", sagte Sportchef Nerlinger. Immerhin gibt es am Mittwoch die Chance zur Wiedergutmachung. "An Basel sollten wir jetzt noch nicht denken", sagte Kapitän Lahm zunächst die Aufarbeitung des Spiels in Freiburg. Denn nur eines macht ihm Mut: "Das ist ein anderer Wettkampf. Das ist gut." Mehr Anlass zur Hoffnung gibt es seit Samstagabend offenbar nicht. So feierten Freiburger Fans am Samstag nicht nur ihre Mannschaft, sondern sangen während der Partie: "Deutscher Meister wird nur der BVB."
  • dpa, 19.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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