Boxheld in Unterhose: Luan Krasniqi machte vor dem Kampf eine gute Figur
Das Aus für Profi-Boxer Luan Krasniqi nach großem Kampf kam in der neunten Runde durch technischen K.o. "Ich war mir zu sicher. Einmal nicht aufgepasst, und schon war es passiert. Das ist eine Lehre fürs Leben für mich", sagte der 34-Jährige am Mittwochabend in Hamburg.
Anders als erwartet, begann Brewster zurückhaltend. Er versuchte nicht, mit Kampfbeginn Krasniqi unter Druck zu setzen, um eine schnelle Entscheidung zu erzwingen. 28 seiner bis dahin 34 Kämpfe hatte der Amerikaner vorzeitig durch K.o. gewonnen, davon allein 23 in den ersten drei Runden. Krasniqi gelang es, seinen Gegner mit seiner Führhand auf Distanz zu halten und den Kampf zu kontrollieren.
Aufgegeben in der neunten Runde
Je länger der Kampf dauerte, desto stärker schienen sich die konditionellen Vorteile des Herausforderers auszuzahlen. Die Wende zu Gunsten des Titelverteidigers kam kurz vor Ende der achten Runde, als er den Deutschen zu Boden schickte. Krasniqi wurde angezählt und rettete sich in die Pause. "Es war erstaunlich, dass ich überhaupt wieder aufgestanden bin. Das habe ich gar nicht mitbekommen", gestand der Deutsche. Doch in der neunten Runde, als beide Kämpfer am Ende ihrer Kräfte waren, gab der Herausforderer nach einem weiteren Niederschlag auf.
Trotz der vorzeitigen Niederlage hinterließ Krasniqi einen nachhaltigen Eindruck. "Luan war ein harter Gegner, boxerisch der beste, gegen den ich je geboxt habe", sagte der alte und neue Weltmeister Brewster. "Luan war super dicht dran. Brewster hat gewackelt. Er hätte genauso gut umkippen können", sagte Ex-Boxer Axel Schulz, der in den 90er Jahren drei Mal vergeblich um einen WM-Gürtel im Schwergewicht gekämpft hatte. Auch Box-Manager Klaus-Peter Kohl sprach dem enttäuschten Herausforderer Mut zu: "Das ist nur eine Frage der Zeit, wann er eine neue Chance bekommt. Jeder hat gesehen, dass Luan der bessere Boxer war und kein Weichei ist."
Triumph verpasst
Krasniqi hätte vor 13.000 Zuschauern in der Color-Line-Arena den größten Triumph seiner Karriere gefeiert. Der gebürtige Kosovo-Albaner, der 1987 nach Deutschland zog, war als Amateurboxer Olympia-Dritter und Vizeweltmeister. Als Profi eroberte er den EM-Titel, den er für den WM-Kampf gegen Brewster niedergelegt hatte. Krasniqi hat von 31 Kämpfen nur zwei verloren. Der als K.o.-Schläger bekannte Brewster baute seine Bilanz auf 33 Siegen in 35 Kämpfen aus.
Krasniqi wollte der zweite deutsche Schwergewichts-Weltmeister werden. Einziger Champion aus Deutschland bleibt Max Schmeling, der vor 75 Jahren den US-Amerikaner Jack Sharkey bezwang. Der Kampf zwischen Brewster und Krasniqi wurde dem im Februar gestorbenen Box-Idol gewidmet, der am Mittwoch 100 Jahre alt geworden wäre.