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Merken   Drucken   10.05.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Bundesliga-Relegation: Düsseldorf will der Hertha so richtig wehtun

Düsseldorf muss nicht unbedingt aufsteigen. Und die Fortuna weiß: Berlin darf nicht absteigen.
© Bild: 2012 DPA/Marius Becker
Düsseldorf muss nicht unbedingt aufsteigen. Und die Fortuna weiß: Berlin darf nicht absteigen.
von Andreas Morbach, Düsseldorf

Den ersten Erfolg auf dem Weg zum erhofften Bundesliga-Aufstieg konnte Norbert Meier bereits am Mittwoch verbuchen. Kurz nach drei startete Fortunas Cheftrainer mit seiner Mannschaft vom Düsseldorfer Flughafen Richtung Berlin - mit dabei war die Gewissheit, die Nacht vor dem ersten Relegationsspiel nicht irgendwo verbringen zu müssen. Kurzfristig ein Hotel in der Hauptstadt zu finden, sei wegen des Pokalfinales am Samstag gar nicht so leicht, hatte Meier am Sonntag noch geunkt. Doch nun fand sein Klub sogar eine akzeptable Unterkunft mitten in Berlin.

Den Namen des Hotels hielt der Klub geheim - passend zur Düsseldorfer Taktik, beim Kampf ums letzte Bundesligaticket den Gegner über die eigenen Fähigkeiten im Ungewissen zu lassen. Ein wenig Leidenshaltung hier, ein paar Muskelspiele dort - so wollen die Fortunen die "Sensation" (Kapitän Andreas Lambertz) schaffen. "Wir haben nichts zu verlieren, Berlin ist klarer Favorit", gibt Sascha Rösler die komfortable Grundhaltung beim Zweitligisten wieder. Doch insgeheim peilt der 34-jährige Aufstiegsexperte pünktlich zum nahenden Karriereende den nächsten großen Coup an.

Rösler kennt das ja. Drei Mal ist der Mann bereits in die Bundesliga aufgestiegen - mit Ulm, Aachen und Mönchengladbach. Nun will der Profi, der bei der Fortuna ab Sommer einen Job abseits des Rasens übernehmen wird, seine persönliche Serie gegen die Hertha ausbauen. "Wir werden uns garantiert nichts gefallen lassen, wir brauchen ein gutes Hinspielresultat", sagt Rösler

Der Trainer hört so etwas natürlich gern. Sein Team, sagt Meier, habe immer am eigenen Limit spielen müssen, um überhaupt in den Genuss der beiden Duelle mit Otto Rehhagels Berlinern zu kommen. "Wir sind es gewohnt, dass es bei Düsseldorf immer ein bisschen schwerer ist als schwer", sagt Fortunas Coach. Und die Mühsal, mit der sich Düsseldorf in die Relegation ackerte, ist auch Herthas Verantwortlichen nicht entgangen.

Beim 2:2 der Meier-Elf gegen Duisburg saßen Trainer Rehhagel und Manager Michael Preetz, beide spielten einst selbst bei der Fortuna, in Düsseldorf auf der Tribüne. "Das wird eine harte Nummer", weiß Rehhagel seit Sonntag. Unterstützt von Preetz, der ahnt: "Da wartet ein unangenehmer Gegner auf uns."

Zumal dieser unangenehme Gegner seine große Chance, nach 15-jähriger Abstinenz wieder im Oberhaus mitzumischen, in einem sehr angenehmen Augenblick bekommt: Der ungeliebte Nachbar Köln ist vor fünf Tagen abgestiegen, muss künftig mit 30 Prozent weniger Geld auskommen - während Düsseldorf gerade frisch einen neuen zahlungskräftigen Hauptsponsor aus der Mobilfunkbranche aufgetan hat. Bahnt sich da ein Epochenwechsel in den Karnevalshochburgen an?

Das wäre natürlich ganz im Sinne der Fortunen, wie ein gut gelaunter Vorstandsvorsitzender nach der Verkündung des Abschlusses am Dienstag bestätigte. "Wir freuen uns und sind stolz. So kann es im 48-Stunden-Rhythmus weitergehen", frohlockte Peter Frymuth vor dem ersten Kräftemessen mit den Berlinern und malte das aktuelle Lebensgefühl bei den Rot-Weißen in den schönsten Farben aus. So erzählte Frymuth von einer "Begeisterung, die in der ganzen Stadt zu spüren ist, auch an vielen Stellen, die ich mit Fußball gar nicht in Verbindung bringe". Mächtig ins Schwärmen gekommen ließ er sich gar zu der Behauptung verleiten: "Da ist zuletzt eine richtige Fortuna-Familie entstanden." Das kannten sie in Düsseldorf schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Manager Wolf Werner nimmt den Hinweis auf den neuen Gemeinschaftssinn im Wirtschafts- und Finanzstandort Düsseldorf umgehend auf. "Die Fortuna hat Düsseldorf wieder zu einer Fußballstadt gemacht. Hätte mir jemand die Entwicklung des Vereins bei meinem Amtsantritt 2007 vorhergesagt, ich hätte ihn ins Irrenhaus geschickt", sagt er. Das aktuelle Hochgefühl wollen die Rheinländer nun geschickt auf die Spitze treiben, und so drängt auch Mittelfeldmann Andreas "Lumpi" Lambertz die Rehhagel-Elf in die - von Hertha ungeliebte - Favoritenrolle. "Für uns wär's das Sahnehäubchen, wenn wir es schaffen", meint der 27-Jährige. Und fügt hinzu: "Doch für die Berliner wäre der Abstieg richtig bitter."

Die Düsseldorfer wollen der Hertha also ernsthaft wehtun, haben sich in ihrer Rolle als bissiger Underdog aber fein eingerichtet. Über ihren Trainer Norbert Meier lassen sie den Gegner aus Berlin für die 90 Minuten heute Abend immerhin ausrichten: "Wir werden nicht auflaufen, um nur kein Tor zu kassieren."

  • Aus der FTD vom 10.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Die Ergebnisse
der 1. Bundesliga
Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
Bor. Mönchengladbach-FSV Mainz 05-:-
Hannover 96-Bayer Leverkusen-:-
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