Die Bayern können's noch - allen voran Franck Ribéry: Mit neuem Wir-Gefühl und dem kleinen Franzosen in Galaform hat der deutsche Fußball-Rekordmeister den ersten Akt der Krisenbewältigung geschafft.
Beim eindrucksvollen 2:0 (1:0)-Heimsieg in einem rasanten Verfolgerduell gegen den FC Schalke 04 funktionierte das Münchner Kollektiv wie in besten Zeiten und schwang sich mit Sturm und Drang zum ersten Dortmund-Jäger auf. Mann des Tages vor 69.000 Zuschauern war Superstar Ribéry, der das intensive und temporeiche Spitzenspiel mit seinen Saisontoren neun und zehn (36./55. Minute) im Alleingang entschied.
Die heimstarken Bayern rückten auf Platz zwei vor. Das Münchner Starensemble setzte die "Einer-für-alle"-Forderung von Chef Karl-Heinz Rummenigge nach der Champions-League-Niederlage in Basel erfolgreich um. Die vom Kräfteverschleiß in der Europa League gezeichneten Schalker verpassten im Titel-Vierkampf vorerst den Anschluss nach oben.
Das Bemühen der Bayern, wieder als Mannschaft aufzutreten, war von Beginn an zu merken. Schnell, aggressiv, engagiert und vor allem variabel in der Offensive - die Münchener zeigten alles, was sie zuletzt vermissen ließen. Besonders der Angriff mit Ribéry, Thomas Müller und Arjen Robben zeigte sich so spielfreudig wie lange nicht mehr.
Schon in der sechsten Minute verhinderte Schalkes neue Nummer eins, Timo Hildebrand, mit zwei Paraden gegen Müller und Robben die Bayern-Führung. Eine Minute entschärfte er einen tückischen Schuss von Robben. Es war der Auftakt zu einer starken Bayern-Vorstellung.
Die Schalker hielten nur in der Anfangsphase mit, als noch die Kraft reichte. Immerhin hatten sie vor der Pause zwei gute Möglichkeiten durch Christoph Metzelders Kopfball (35.) unmittelbar vor der Bayern-Führung und einen Gewaltschuss von Christian Fuchs (44.).
Doch die Gastgeber ließen sich diesmal nicht beeindrucken. Die Bayern dominierten mehr und mehr - und kamen zur verdienten Führung: Luiz Gustavo eroberte sich durch robusten Einsatz den Ball gegen Marco Höger und spielte ihn nach vorn auf Ribéry. Der Franzose hob die Kugel über den unnötig herauslaufenden Hildebrand und schob sie ins leere Tor. Anschließend lief er zu seinem Trainer Heynckes und klatschte ihn demonstrativ ab. Noch in den Tagen zuvor hatte es wegen seines verweigerten Handschlags bei der Auswechslung in Basel Diskussionen gegeben.
Nach dem Wechsel spielten beide Teams mit offenem Visier - mit dem besseren Ende für die Münchener. Sekunden nach Wiederanpfiff traf Bayerns Nationalspieler Holger Badstuber nach einem Eckball nur die Latte. Knapp eine halbe Minute später vergab Joel Matip freistehend vor seinem ehemaligen Schalker Teamkollegen und Nationaltorwart Manuel Neuer. Münchens Torjäger Mario Gomez (48.) ließ dann die beste Chance der Bayern aus, Robben setzte eine Minute später einen Kopfball über die Latte.
Dreh- und Angelpunkt des Bayern-Spiels: Ribéry. Der Franzose, am Mittwoch in Bremen Gegner der deutschen Nationalmannschaft, war an fast allen gefährlichen Aktionen seines Teams beteiligt. Folgerichtig, dass er auch das 2:0 markierte mit einem abgefälschten Schuss. Er machte sein fünftes Doppelpack in der Bundesliga perfekt.
Danach schienen die Schalker sich ihrem Schicksal hinzugeben. Im Angriff brachten sie nichts zustande. Bezeichnend: Hildebrand war bester Mann der Gäste. Von Klaas-Jan Huntelaar und Raúl war nichts zu sehen. Die Bayern vergaben leichtfertig weitere Chancen für einen noch höheren Sieg. Bezeichnend.
Nach dem Spiel betrieb Bayern-Präsident Uli Hoeneß Medienschelte. Die Journalisten sollten aufhören mit "dieser Hetzjagd auf den einen oder anderen" Spieler, sagte Hoeneß am Sonntag: "Wenn wir die nicht gehabt hätten die letzten Wochen, dann hätte Arjen Robben heute sicherlich zwei, drei Tore gemacht."
Die "ewige Scheiß-Diskussion um Alleinunterhalter und Egoist", so Hoeneß, habe bei dem niederländischen Nationalspieler dazu geführt, "dass er jetzt in vielen Situationen den Ball abspielt, wo er eigentlich alleine gehen müsste". Mit der Leistung der Mannschaft gegen Schalke war der Präsident dagegen "von A bis Z zufrieden". Hoeneß schlussfolgerte: "Wenn wir so spielen, brauchen wir uns keine Sorgen zu machen."