Die Chancen für den Anhang von Borussia Dortmund, am Borsigplatz demnächst die Statue des Heiligen Jürgen aufzustellen, stehen nicht so schlecht - genau genommen kann Jürgen Klopp der Kanonisierung gar nicht mehr entkommen: Wer in aller Welt soll denn Deutschlands Titelträger aufhalten auf dem Weg zum Titel-Tripel? Die Bayern? Schalke? Gladbach? Kaum denkbar, ja, eigentlich ausgeschlossen. Neuzugang Marco Reus wird sicher einschlagen wie die sprichwörtliche Granate, und Julian Schieber wird den ihm zugedachten Platz auf der Bank bestimmt zur Zufriedenheit aller einnehmen. Schiedlich, friedlich. Deshalb: Platz eins - der BVB wird Deutscher Meister.
Man soll ja nicht zu viel auf Statistiken geben, aber: In den Spielzeiten nach Welt- oder Europameisterschaften wird der FC Bayern nur selten Meister. Weil aber auch in den beiden vorangegangenen Spielzeiten nichts gewonnen wurde und man nicht weiter Vize-Bayern sein will, versucht sich der einstige FC Immerallesgewinnen unverdrossen in der Neuerfindung seiner selbst. Mal wieder. Nach Projekttrainer Klinsmann und dem nach Eigeneinschätzung (mindestens) göttlichen van Gaal kommt jetzt Matthias Sammer - wenn auch nicht als Trainer, sondern als Sportdirektor. Soll für Schwung sorgen - und der reicht zum zweiten Mal für: Platz zweil!
Offenbar kann diese Mannschaft so oft spielen, wie sie will: Die Kraft lässt nicht nach. Bundesliga, Europacup, Pokal, egal. Und weil wir nicht davon ausgehen wollen, dass sie bei Hannover 96 gedopt sind, darf Trainer Mirko Slomka diesen Erfolg für sich verbuchen. Wie auch den der erfrischenden Konterüberfalltaktik. Hannover ist so cool, da entlassen sie sogar ihren Sportdirektor während der Transferphase in ein Sabbatical. Jörg Schmadtke, Manager mit der zuletzt besten Nase auf dem Spielermarkt und Entdecker einer Fußballerschatzkiste namens Norwegen, regelt erstmal familiäre Dinge. 96 kommt überraschend aber verdient auf: Platz drei.
Nachdem der große Raúl mit seinem Abgang ein wenig Glanz vom Kollektiv des FC Schalke 04 genommen hat, ist es an der Zeit, sich auf die wesentlichen Werte des Gelsenkirchener Fußballs zu besinnen. Und die verkörpert niemand besser als Huub Stevens, der "Knurrer aus Kerkrade", der im persönlichen Gespräch aber Wert darauf legt, dass er aus Sittard kommt. Als Trainer ist Stevens ein Pragmatiker, der nichts dagegen hat, wenn es in kleinen Schritten voran geht. Dennoch wird es ohne Raúl nichts mit der direkten Qualifikation für die Champions League - es geht keinen Schritt vor, sondern einen zurück: Schalke wird Vierter.
Na gut, Marco Reus ist nach Dortmund gegangen, Dante zog es nach München, aber jammern wollte man bei Borussia Mönchengladbach nicht lange. Statt die Einnahmen zu horten und ein Festgeldkonto anzulegen, hat Gladbachs Manager Max Eberl eingekauft: Mit Luuk de Jong, der das Tor nicht nur vom Hörensagen kennt, wurde ein Mittelstürmer geholt, dazu soll Álvaro Domínguez das Dante-Vakuum schließen. Und der Schweizer Granit Xhaka soll im Mittelfeld richtig was los machen. Das hat Geld gekostet. Und dennoch reicht es im kommenden Jahr ebenso nicht für die Champions League wie wohl schon in diesem. Aber in Europa wird man Gladbach wieder sehen: Platz fünf.
Der Saisonstart - Pokal-Aus bei einem Drittligisten - war typisch. Scheint für Werder Bremen eine Art Tradition zu sein wie der Fehlgriff bei den Trikotsponsoren. Kik, Citibank und jetzt der umstrittene Geflügelzüchter - so eine Serie schafft auch nicht jeder Klub. Aber die total sanierte Mannschaft ist ein heißes Ding: Mit Eljero Elia und Kevin de Bruyne (vorne) sowie Theodor Gebreselassie und dem nun fest angestellten Sokratis (hinten) lässt sich der Weggang von Altstars wie Tim Wiese und Claudio Pizarro mehr als kompensieren. Befreit von Belastungen aus Europacup und, tja, DFB-Pokal kommt Werder auf: Platz sechs.
Bruno Labbadia ist allem Anschein nach ein Mann mit großem Lernvermögen. Das ist allein schon aus dem Umstand zu erkennen, dass er noch immer den VfB Stuttgart trainiert. Er hat eine komplette Saison ausgehalten, nachdem er zuvor den Klub vor dem Abstieg gerettet hatte. Und die Saison, die auf jene als Notretter folgte, war nicht schlecht, besser, als es beinahe alle erwartet hatten. Und vielleicht liegt darin das Problem. Labbadia hat die Erwartungen übertroffen - und jetzt sind sie höher. Bedauerlicherweise aber gibt das der Kader der Stuttgarter nicht her. Aber weil Labbadia ein Mann ist, der ständig lernt, holt er auch diese Saison alles heraus - und wird am Ende: Siebter.
Geld spielt so was von keine Rolle beim Volkswagenklub VfL Wolfsburg, dass viel Geld zuletzt auch keinen Erfolg gebracht hat. Die Konsequenz daraus lautet für Trainer Felix Magath: noch mehr Spieler einkaufen. Irgendwer verlässt den Klub natürlich auch, aber man kommt bei den Wechseln kaum noch nach; der Verein am Mittellandkanal hat was von einer Drehtür. Rein-, raus- und wieder reingekommen ist dabei Diego, einer der besten Fußballer, die die Bundesliga in den vergangenen Jahren gesehen hat. Vom Hero zum Zero und wieder zurück, für Magath ist da nur eine neue Laune nötig. Zum Erreichen größerer Ziele reicht das nicht: Platz acht.
Das mit Vizekusen hat sich ja schon eine ganze Weile erübrigt, diese Position haben an Stelle von Bayer Leverkusen längst die Vizebayern eingenommen. Der Werksklub vom Rhein probiert sich diese Saison mehr als Ausbildungsverein. Da wurden Talente geholt, von Real Madrid (zweite Mannschaft) und aus Chile - auf dass sie im Erfolgsfall nach München oder sonst wohin verkauft werden. So ist der Lauf der Dinge in Leverkusen. Er ist ein bisschen ermüdend und führt auf: Platz neun.
In der Bundesliga sind die Mainzer mittlerweile Monopolisten. Der andere Karnevalsverein, der aus Köln, ist schließlich abgestiegen, deswegen herrscht jetzt allein in der Helau-Hochburg dufte Atmosphäre. Das hat natürlich auch mit Thomas Tuchel und Christian Heidel zu tun, dem Trainer und dem Manager von Mainz 05 - zwei Männern, die gut miteinander auskommen und stets gelassen bleiben. Nahezu unverändert geht man in die neue Saison, die Mannschaft kennt sich, und der Trainer weiß, auf wen er sich verlassen kann. Das ist nicht mehr so aufregend wie zu jenen Zeiten, als Mainz sich einen Namen als Bayern-Schreck machte. Aber es reicht für: Platz zehn.
Falls der SC Freiburg so weitermacht wie in der Rückrunde der vergangenen Saison, dann müsste er in dieser Prognose viel weiter vorne auftauchen. Die große Frage also ist: Schafft es Trainer Christian Streich wieder, die No-Name-Truppe so zusammenzuschweißen und zu motivieren, dass sie die Liga noch einmal überrascht? Die Antwort ist ein entschiedenes Jain. Im Breisgauer Biotop lassen sich, von der Sonne verwöhnt und vom Gegner unterschätzt, garantiert weitere Siege feiern. Der Abstieg, angesichts des Mini-Etats eigentlich zwangsläufig, ist kein Thema. Hoch hinaus schafft's der sympathische Klub aber auch nicht. Egal, in Freiburg ist man auch zufrieden mit: Platz elf.
Neulich, nachdem Markus Babbel im Pokal bei Berliner Quasi-Amateuren richtig was auf die Jacke bekommen hatte, da sagte der Trainer des Traditionsvereins 1899 Hoffenheim, dass ihm Berlin mittlerweile richtig unsympathisch werde. Klar, dort wurde er bei der Hertha vom Hof gejagt, danach ging es bergab für die Berliner, aber Babbel sollte es nicht zu arg nehmen. War ja nur Pokal, und wenigstens hat er jetzt keine Illusionen mehr, was sein Dietmar-Hopp-Gedächtnis-Ensemble da zu leisten imstande ist. Dabei haben sie doch so viel vor: Vor allem im Sturm wurde investiert: mit Eren Derdiyok aus Leverkusen. Und Joselu ließen sie sich 6,5 Mio. Euro kosten, der kommt aus Spaniens zweiter Liga. Mäzen Hopp will nicht absteigen und braucht keinen Europacup. Voilà: Platz zwölf.
Die zweite Saison ist für einen Aufsteiger immer die schwerste, heißt es, und für klamme Klubs wie den FC Augsburg gilt das bestimmt erst recht. Ohne Geld muss man findig sein auf dem Transfermarkt, und Augsburg hat einen Kracher gefunden: Aristide Bancé! Der Mann aus Burkina Faso hat einst für Mainz 05 getroffen, wie er wollte - aber dann wollte er viel Geld verdienen und tingelte durch die Fußballszene am Persischen Golf. Jetzt ist er wieder in der Bundesliga, lässt die gefärbten Rastalocken wippen und ballert die Augsburger auf: Platz 13.
Im Prinzip ist das Spielchen ja immer das gleiche. Rauf und runter, das ist der Rhythmus von Eintracht Frankfurt. Damit es bloß keinem langweilig wird, damit bloß keiner auf die Idee kommt, man könnte zum zweiten Hoffenheim werden. Oder zum neuen Mainz. Und falls der Fußball zwischendurch doch mal ein bisschen, nun ja, langweilig ist, dann ist ja das Panikorchester auf den Rängen da. Die Ultras machen was los, was den Vorteil hat, dass am Ende keiner mehr über den lauen Kick redet. Aus diesem Grund ist Frankfurt trotz mediokrer Truppe und eines Trainers, dessen Interviews unter das Betäubungsmittelgesetz fallen müssten, eine Bereicherung für die Liga. Am Ende wird es: Platz 14.
Es gibt Vereine, bei denen fragt man sich jedes Jahr aufs Neue, wie die den Abstieg verhindert haben. Der 1. FC Nürnberg gehört dazu. Okay, manchmal ist der "Klub" tatsächlich abgestiegen. Aber seit Dieter Hecking ihn trainiert, kam das nicht mehr vor. Dabei muss auch dieser Coach Jahr für Jahr seine besten Spieler abgeben. Aus dem, was bleibt oder nachwächst, formt Hecking dann keine gute, aber eine die Klasse erhaltende Mannschaft. Diese Saison wird es: Platz 15.
Manche behaupten, das Bemerkenswerte an der SpVgg Greuther Fürth sei ihr prominentester Fan: Ex-US-Außenminister Henry Kissinger. Der war häufig im Stadion, bevor er zur Immigration gezwungen wurde. "I used to have a Stehplatz", sagte Kissinger, der gern zu einem der ersten Spiele kommen möchte. Klassefußball dürfte er wohl kaum sehen. Denn Fürth hat mit seinem Kader wenig mehr Perspektiven als den Abstiegskampf - da kann prominenter Beistand nicht schaden. Mit einem Trainer wie Mike Büskens muss man sich da aber keine Sorgen machen. Der war Eurofighter auf Schalke - und kennt alle Härten des Geschäfts. Es reicht für: Platz 16.
Die Bundesliga geht in ihre 50. Spielzeit, und nur ein Verein war immer dabei: der Hamburger SV. Ins Jubiläumsjahr startet der Traditionsklub nun jedoch mit einem Kader, der streng nach Abstieg riecht. Er wird geführt von einem Trainer, der beim Beinahe-Abstieg der vergangenen Saison lange die "Qualität der Mannschaft" lobte, obwohl da längst keine mehr war. Unter dem kein Spieler besser wurde, und einige schlechter. Das letzte bisschen Qualität - die Stürmer Mladen Petric und Paolo Guerrero - ist jetzt auch weg. Bundesligatauglich sind: Torwart Adler, Abwehrkraft Westermann, Mittelfeldmann Jansen und (an guten Tagen) Verteidiger Aogo. Das reicht nicht. Bye, bye, Dino: Platz 17.
Vermutlich wird Trainer Norbert Meier sagen, dass sich Fortuna Düsseldorf erst finden muss. Wenn es zu Beginn schiefgeht, und es wird ziemlich sicher schiefgehen. Und wenn es dann so kommt, ist Meier kein Vorwurf zu machen. Er hat ja recht. Die Mannschaft wird sich vermutlich erst zur Rückrunde gefunden haben. Denn 19 Neuzugänge wollen erst mal integriert werden. Hier und dort wurde zusammengeliehen, weil ja vorher auch Leistungsträger aus anderen Vereinen ausgeliehen waren. Andererseits: Mit 19 Zugängen für 2 Mio. Euro hat man sicher das beste Preis-Leistungsverhältnis in der Bundesliga. Doch den Klassenerhalt gibt es nicht quasi gratis. Deshalb: Platz 18 und Abstieg - als Tabellenletzter.