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Merken   Drucken   19.01.2012, 11:00 Schriftgröße: AAA

Bundesligarechte: Fußball ins Netz

Leitartikel Es gibt keinen Grund, viele Millionen an Rundfunkgebühren für die Bundesligarecht auszugeben. Profisport kann auch über das Internet gezeigt werden - die "Sportschau" ist nicht mehr zeitgemäß.
Aber ist sie wirklich 100 Mio. Euro pro Jahr an Gebührengeldern wert? Und ist sie noch zeitgemäß in der Ära von Video-on-Demand, Pay-per-View und Onlinemediatheken?
Diese Fragen wird jetzt sich vor allem die Deutsche Fußball Liga (DFL) stellen müssen, wenn sie ab dieser Woche die Ausstrahlungsrechte für die Fußballbundesligarechte ab 2013 vergibt. Erstmals hat sie nicht nur die Wahl zwischen einigen wenigen Bietern. Die Liga muss sich auch entscheiden, ob es zeitnahe Spielberichte nur noch im Pay-TV und im Internet geben wird - statt bei frei empfangbaren Fernsehsendern wie der ARD oder Sat 1.
Es wäre eine so starke wie mutige Zäsur. Sie könnte den Fußball und das Zuschauerverhalten nachhaltig verändern. Schaden dürfte es beiden jedoch kaum.
Für die ARD wäre eine Entscheidung gegen die "Sportschau" und zugunsten des Internets ein herber Verlust. Schließlich laufen ihr schon jetzt die Zuschauer weg. Es ist aber das gute Recht der Liga, die Ausstrahlung an den zu vergeben, der das höchste Gebot einreicht und die beste Verbreitung erzielt. Profifußball ist, bei aller Folklore, ein Produkt, das verkauft werden will - auch, um mit den Einnahmen gegenüber anderen internationalen Ligen konkurrenzfähig zu bleiben. Mit Tradition allein lässt sich Erfolg nicht kaufen. Wenn Google, Yahoo oder auch der US-Sender ESPN vielversprechendere Angebote machen, haben sie eine Chance verdient. Dem Gebührenzahler gegenüber ist eine Zwangsabgabe indes schwer zu rechtfertigen, wenn die vor allem dazu genutzt wird, um teure Sportrechte zu ersteigern.
Die Zuschauer würden es verkraften. Ihr Fußballkonsum hat sich in den letzten 50 Jahren drastisch verändert. Millionen von ihnen verfolgen die Spiele längst direkt im Radio, im Internet oder über Pay-TV. Und sie treffen sich dafür immer häufiger in Kneipen. Die "Sportschau" als Verbreitungskanal für das Produkt Bundesliga hat, allen Quotenerfolgen zum Trotz, nicht mehr die gleiche Bedeutung wie vor Jahren.
Natürlich, die Rechte an Internetanbieter zu vergeben wäre nicht ohne Risiko. Dieser Verbreitungsweg zielt vor allem auf netzaffine Jüngere und geht zulasten älterer Zuschauer. Zudem ist das Internet vor allem in ländlichen Regionen noch zu wenig ausgebaut. Allerdings gibt es dort weiterhin die Möglichkeit von Pay-TV via Satellit.
Ein Produkt wie der Profifußball braucht keine Ausstrahlungen im Free-TV. Das haben Spanien, Italien und England bewiesen - die Hauptkonkurrenten der Bundesliga.
  • Aus der FTD vom 19.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 19.01.2012 13:04:14 Uhr   bege: Rudi Mentär hätte es nicht besser gekonnt

    Meine Meinung: "Hier hat es sich jemand GANZ einfach gemacht. Zu einfach und zu einseitig!"
    1. Man nutze die Googlesuche: " t-home DFB-Fussball live " Und siehe da - Überraschung DFB-Fussballrechte für den Übertragungsweg Internet sind längst vergeben! Auch wenn das in diesem Artikel anscheinend nicht recherchiert, und somit auch dünn dargestellt wurde.

    2. Zum Vergleich mit dem Ausland: Nicht alles was funktioniert ist auch automatisch richtig gut für die Allgemeinheit! Die Masse der Zuschauer wird bei der PAY-TV Vermarktung einfach auf Nullkonsum gesetzt, da die Preise mittlerweile in irre Höhen geklettert sind, und nur den Betreibern Spass machen.

    3. Das die ÖR die Privaten mithilfe der Gebührengelder ausstechen und so die Kosten immer weiter nach oben treiben ist ein trauriger Zustand, speziell weil dadurch die restliche Programmqualität leidet. Von "Freiem Markt" kann da wohl auch kaum die Rede sein!

    4. Es wird zwar richtig beschrieben: "..Internet..Verbreitungsweg zielt vor allem auf netzaffine Jüngere und geht zulasten älterer Zuschauer. ..das Internet vor allem in ländlichen Regionen noch zu wenig ausgebaut. Allerdings ...die Möglichkeit von Pay-TV via Satellit.." Aber der Schluss der daraus gezogen wird ist meiner Meinung nach falsch. Sat-TV mit Pay-Tv sind ein alter Hut, nur kann sie nicht jeder nutzen, auch nicht in der Stadt! Und die Kosten für neue Hardware ist anscheinend auch kein Thema.
    Ältere Zuschauer? Wozu, die werden ja nur jedes Jahr mehr. Und wozu sollte man diesen Zahlern etwas bieten?

    FAKT ist: Fussball ist schon heute nur noch via PAY-TV interessant. Wer sich das nicht leisten kann oder will, der bleibt gleich ganz draussen, bzw. bekommt nur Häppchenkost.

    Der DFB tut sich und dem Sport damit keinen Gefallen, denn mittlerweile ist das Fussballspektakel zum "Zielgruppensport" der PAY-TV Branche mutiert. Neue Fans werden so nur begrenzt gewonnen, was man teilweise sehr gut an den Live-Zuschauerzahlen in den Stadien erkennen kann. Und wer dann zum Spiel geht, der darf sich teilweise mit der Hooligan-Szene auseinandersetzen. Schöne neue Welt...

    Frage zum Schluss: Wenn Pay-TV das Allheilmittel ist, dann frage ich mich warum bei "Grosstunieren wie EM/WM regelmässig das Free-TV die Rechte erhält, obwohl man sie teuer an das PAY-TV verkaufen könnte?!
    KÖNNTE es sein dass ansonsten die Zuschauer auf die Barrikaden gingen?

  • 19.01.2012 12:13:12 Uhr   Frankie Bernankie: Konkurrenten
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