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Merken   Drucken   25.04.2012, 23:08 Schriftgröße: AAA

Champions League: Neuer rettet Bayerns Traum vom Finale im eigenen Stadion

Unglaubliche Spannung bis ganz zum Schluss: Erst im Elfmeterschießen sicherte sich Bayern München den Einzug ins Endspiel um die Krone des europäischen Fußballs. Dabei hatten sie bereits nach zwanzig Minuten 2:0 hinten gelegen.
© Bild: 2012 AFP/DANI POZO
Unglaubliche Spannung bis ganz zum Schluss: Erst im Elfmeterschießen sicherte sich Bayern München den Einzug ins Endspiel um die Krone des europäischen Fußballs. Dabei hatten sie bereits nach zwanzig Minuten 2:0 hinten gelegen.

Der Fußball hat schon so ziemlich alles gesehen, aber dass eine Mannschaft das Finale der Champions League im eigenen Stadion austrägt, das ist eine Premiere. Dem FC Bayern ist dies gelungen - und dafür wurde niemand Geringeres als Real Madrid aus dem Weg geräumt. Die Bayern mussten allerdings durchhalten bis zum Elfmeterschießen, weil es noch nach der Verlängerung 2:1 gestanden hatte. Aber dann behielten sie die Nerven und entschieden den Schlussakkord mit 3:1 für sich.

Dem Starensemble um Cristiano Ronaldo und Mesut Özil ist es Mittwochabend im Estadio Santiago Bernabéu also nicht gelungen, die 1:2-Hinspielniederlage der vorigen Woche wettzumachen. Wieder einmal musste sich Real der "Bestia Negra" beugen, der schwarzen Bestie, wie sie ihren deutschen Angstgegner in Madrid ehrfurchtsvoll nennen.

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Egal, wie das Finale gegen den FC Chelsea am 19. Mai ausgeht, die Saison ist trotz der verpassten Meisterschaft für die Bayern doch noch gut ausgegangen. Und sie kann noch besser werden: Die Chancen gegen die über nicht viel mehr als eine Betonabwehr verfügenden Engländer stehen gut. Allerdings werden die Bayern auf einige Stars im Finale verzichten müssen: Sieben ihrer Spieler waren "gelbbelastet" nach Madrid gereist, drei von ihnen hat es tatsächlich erwischt: David Alaba, Holger Badstuber und Luiz Gustavo.

Dabei hatte der sonst so schüchterne Mesut Özil vergangene Woche in München für seine Verhältnisse großspurig angekündigt: "Wir sehen uns in München wieder." Jetzt aber müssen er und seine "Königlichen" sich mit der faktisch errungenen spanischen Meisterschaft begnügen.

Orientierungsprobleme dürfte es nicht gegeben haben, beide Mannschaften liefen in der fast exakt gleichen Formation auf wie im Hinspiel. Real-Trainer José Mourinho tauschte lediglich Marcelo für Fábio Coentrão ein. Der Portugiese war vergangene Woche der Schwachpunkt der Königlichen. Und ähnlich wie im Hinspiel machte auch am Mittwoch erst einmal Real Madrid Druck. Darauf hatten die Bayern sich eingestellt: "Am Anfang ist es sehr laut in diesem Stadion", sagte Bastian Schweinsteiger vor dem Anpfiff, "da müssen wir defensiv konzentriert arbeiten."

Die Frage war, ob es der Bayern-Defensive um Kapitän Philipp Lahm erneut gelingen könnte, Cristiano Ronaldo aus dem Spiel zu nehmen. Schon in der sechsten Minute konnte ihnen das nicht gelingen - denn da trat der Portugiese zu einem Elfmeter an, den David Alaba wegen eines Handspiels verursacht hatte. Ronaldo bewies Nervenstärke und traf zum 1:0. Alaba, gelbbelastet, wurde erneut verwarnt. Für ihn ist das Finale nun so oder so gelaufen.

Aber der junge und in den letzten Monaten so bärenstarke Österreicher war nur eine Minute später drauf und dran, seinen Fehler auszubügeln. Mit dem Ball am Fuß zog er auf dem linken Flügel unwiderstehlich an Gegner Pepe vorbei, flankte auf den allein stehenden Arjen Robben - und der Niederländer schaffte es wie im Bundesligaspiel gegen Dortmund, den Ball aus kürzester Distanz über das Tor von Iker Casillas zu heben. Kurz darauf vergab Franck Ribéry die Chance, einen Ball, den Casillas abprallen ließ, im Netz zu versenken.

Das Spiel erlangte schnell eine Klasse und Dramatik, als wollten die 22 Akteure ihre Kollegen vom Vortag noch übertreffen. Gelungen ist es vor allem Real: Eine Kombination von Khedira und Özil war zu schnell für die Bayern-Abwehr, der klug freigespielte Ronaldo schob den Ball zum 2:0 ein (14.). Nach einer Viertelstunde war eine Erkenntnis sicher: Ronaldo abzumelden, das hat an diesem Abend nicht geklappt.

Um ins Finale einzuziehen, reichte das noch nicht. Reals Raubein Pepe jedenfalls brachte die Bayern wieder ins Spiel. Er rang Mario Gomez im Strafraum nieder, eigentlich unnötig - den fälligen Elfmeter verwandelte Robben mit etwas Glück zum Anschlusstreffer (27.). Der Kampf ums Finale war wieder offen.

Es blieb ein aufregendes Spiel, bei dem die Zuschauer sich nur fragten, warum zwei Mannschaften dieser Klasse über so wackelige Abwehrreihen verfügen. "Beide Mannschaften haben Probleme in der Defensive, wenn es schnell wird", erkannte Bundestrainer Joachim Löw zur Halbzeit. Für neutrale Betrachter war es die reine Freude: Eine Torchance folgte der anderen. Für die jeweiligen Fans aber wurde dieser Abend zu einer nervenzerreißenden Angelegenheit.

In Halbzeit zwei erst mal für die Real-Anhänger: Bayern agierte druckvoll, überlegt, kam zu Chancen. Real agierte zaghaft, wirkte ratlos. Madrid zog ein völlig anderes Spiel auf: Plötzlich gingen die Pässe häufiger zurück als in die Spitzen, die Ballverluste häuften sich - ging den Spaniern nach dem kräftezehrenden Clásico am Samstag in Barcelona die Kraft aus? Die Bayern hatten ihr A-Team in Bremen ja pausieren lassen.

Erst nach einer Stunde regte sich Real wieder, versuchte, die Dominanz der Bayern zu brechen. Mourinho brachte Kaká für Ángel Di Maria, um den Druck zu verstärken. Währenddessen wartete Thomas Müller draußen auf seinen Einsatz, obwohl Schweinsteiger zunehmend die Kraft verließ. Beinahe hätte sich die Geduld gelohnt: Eine von Schweinsteiger eingeleitete Aktion hätte Gomez zum Ausgleich abschließen können, ja müssen. Aber er verstolperte den Ball in aussichtsreicher Position.

Es sollte die letzte Großchance in der regulären Spielzeit bleiben. Die Ansage "90 Minuten in Bernabéu können sehr lang werden", die die Sporttageszeitung "Marca" auf Deutsch auf ihre Titelseite gedruckt hatte, wurde auf dramatische Weise bestätigt: 120 Minuten mussten nun gespielt werden. Eine Frage der Kraft also. Die Bayern wirkten frischer. Und sie hatten ja noch Müller - der dann für Ribéry kam (95.). Viel passierte dananch aber auch nicht, wenn man davon absieht, dass Gustavo nach zahlreichen Fouls verwarnt wurde - und im Finale von München ebenso nicht dabei sein wird, so oder so. Badstuber erwischte es dann auch noch - die Bayern-Defensive dünnte sich mit Blick auf ein mögliches Finale weiter aus.

Am dann fälligen Elfmeterschießen nahmen Madrids Offensivspieler Karim Benzema und Özil nicht mehr teil, sie wurden durch Gonzalo Higuaín und Esteban Granero ersetzt.

Keiner von ihnen trat zum Elfmeterschießen an - vielleicht hätten sie es tun sollen. Denn sowohl Ronaldo als auch Kaká und Sergio Ramos scheiterten an Neuer beziehungsweise verschossen. Und für Bayern trafen Alaba, Gomez und zuletzt Schweinsteiger. Es hatte also doch einen Sinn, dass der gerade wieder Genesene bis zum Schluss auf dem Platz stand. Bis zur allerletzten Minute.

  • FTD.de, 25.04.2012
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Die Ergebnisse
der 1. Bundesliga
Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
Bor. Mönchengladbach-FSV Mainz 05-:-
Hannover 96-Bayer Leverkusen-:-
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