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Merken   Drucken   19.09.2012, 16:05 Schriftgröße: AAA

Champions League: Trainernovize mit Bayern-Trauma

Mauricio Pellegrino hat nie zuvor einen Profiklub trainiert. Mit dem FC Valencia fordert er jetzt Bayern München heraus.
von Ralf Itzel, Valencia

Dieser Elfmeter hat ihn lange verfolgt. Um 23.33 Uhr war er an der Reihe an jenem 23. Mai 2001 im Giuseppe-Meazza-Stadion von Mailand. Oliver Kahn hatte schon zwei Strafstöße pariert. Dann kam Mauricio Pellegrino. Er schoss mit dem linken Fuß in die linke Ecke, schlecht platziert, halbhoch, der Ball drehte sich zum Torwart. Kahn hielt und war fortan ein Titan, die Bayern feierten endlich wieder und zum bisher letzten Mal den Gewinn der Champions League. Der FC Valencia betrauerte die zweite Finalniederlage in Folge. Pellegrino, 1,93 Meter groß, Spitzname "el Flaco", der Dünne, vergrub sein Gesicht im hochgezogenen Trikot.

"Das war mir die größte Lehre meines Lebens", sagt der Argentinier heute. "Ich habe immer an meinen Stärken und Schwächen gearbeitet, aber nie daran, Elfmeter zu schießen. Ich habe mir lange vorgeworfen, mich nicht vorbereitet zu haben. Man darf nie etwas unterschätzen."

Es wird für Mauricio Pellegrino das erste Champions-League-Spiel ...   Es wird für Mauricio Pellegrino das erste Champions-League-Spiel als Cheftrainer. Und ausgerechnet gegen den FC Bayern

An diesem Mittwoch geht es wieder gegen die Münchner (20.45 Uhr, ZDF, Sky). Pellegrino, 40, ist nun der Trainer des Valencia Club de Fútbol. Als Spieler gewann er mit den Valencianos nach der Enttäuschung von Mailand noch zweimal den Meistertitel in Spanien, dazu 2004 den Uefa-Pokal und Europas Supercup. Der Madrilene Rafa Benítez war damals der Erfolgscoach, Pellegrino sein Musterschüler. Dem Lehrmeister folgte der Innenverteidiger mit italienischen Wurzeln und italienischem Pass auch zum FC Liverpool - erst als Spieler, später als Assistent. 2005 erlebte er von der Seitenlinie den Triumph in der Champions League, als die Engländer einen 0:3-Rückstand gegen den AC Mailand wettmachten. Auch zu Inter Mailand begleitete er den Meistertrainer. So wichtig ist der Mentor, dass Pellegrino nach einem Interview schon mal beanstandete, nicht auf Benítez angesprochen worden zu sein.

Unter diesem Fußballlehrer war der FC Valencia am erfolgreichsten, deshalb wird Benítez vergöttert in der mit Palmen geschmückten Stadt am Mittelmeer, einem Zentrum der spanischen Finanzkrise. Und deshalb hat Pellegrino trotz des verschossenen Elfmeters jetzt Rückenwind. Die Anhänger wollen in ihm den neuen Benítez sehen. Das Vorbild selbst setzt natürlich ebenfalls auf den Ziehsohn: "Als Fußballer und in der Zusammenarbeit mit mir hat er sein Niveau und seine Kapazität bewiesen", sagt der.

Doch Skeptiker bezweifeln, dass der Novize aus Córdoba das Team wieder hinter den Superschwergewichten Real Madrid und FC Barcelona auf Rang drei des spanischen Vereinsfußballs führen kann, wie es der bei den anspruchsvollen Fans unbeliebte Vorgänger Unai Emery sogar dreimal schaffte.

Bayern-Keeper Oliver Kahn hält im Champions-League-Finale 2001 den ...   Bayern-Keeper Oliver Kahn hält im Champions-League-Finale 2001 den entscheidenden Elfmeter von Mauricio Pellegrino

Was für eine Aufgabe für einen wie Pellegrino. Der ist schließlich ungeprüft, nie zuvor war er Chefcoach eines Profiklubs. Er ist auch eine Billiglösung, erfahrene Kandidaten wollten ein höheres Gehalt. Der FC Valencia ist klamm, den Verein drücken etwa 350 Mio. Euro Schulden. Der Verkauf des alten Mestalla-Stadions im teuren Zentrum und der Bau einer Arena am billigeren Stadtrand stecken in der Wirtschaftskrise fest: Das neue Stadion ist nur halb fertig und es fehlt das Geld, die Arbeiten fortzusetzen. Seit Jahren schon.

Nach und nach hat der Verein seine besten spanischen Fußballer abgeben müssen: David Villa und Jordi Alba an Barcelona, David Silva an Manchester City, Juan Mata an den FC Chelsea - ein unglaublicher Abfluss an Weltstars. Sie wurden durch Ausländer ersetzt. Pellegrino befehligt heute Nationalspieler aus acht Ländern. Der einzige aktuelle spanische Auswahlakteur ist Roberto Soldado, ein gebürtiger Valenciano aus dem Nachwuchs von Real Madrid. Bei der Europameisterschaft im vergangenen Sommer war der 27-Jährige noch nicht dabei, aber neulich glänzte Soldado als Schütze des Siegtors für die Spanier in Georgien zum Auftakt der WM-Qualifikation.

Mit den Erfolgserlebnissen mit der Nationalmannschaft muss Soldado sich in dieser Saison bisher begnügen, denn in der Primera División läuft der Ball derzeit anders. Mit Valencia hat Soldado am vergangenen Samstag nach drei Spielen ohne Sieg endlich den ersten Erfolg feiern können, 2:1 siegte der FC im Heimspiel gegen Celta Vigo. Überzeugen kann die Mannschaft bisher trotzdem nicht. Der FC Bayern, mit dem man sich einst auf Augenhöhe im Endspiel duellierte, dürfte derzeit eine Nummer zu groß sein für Valencia.

"Ich habe einen ausgeglichenen Kader und bin zufrieden mit den Spielern, die ich habe", sagt Pellegrino dennoch, "die Zeit wird weisen, wie weit wir kommen."

Die Zeit, sie hat auch die Wunden nach dem verschossenen Elfmeter geheilt. Drei Strafstöße trat Pellegrino insgesamt in seiner Karriere - nur diesen einen vergab er.


Bayern meistens dabei
Dauergast Kein deutscher Fußballklub war in der Champions League so oft dabei wie der FC Bayern. Der Verein gehört in der 21. Saison zum 16. Mal zu den Teilnehmern. Viermal standen die Bayern im Finale - nur einmal konnten sie es gewinnen, 2001 gegen den FC Valencia im Elfmeterschießen.
Voraussichtliche Aufstellungen FC Bayern: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber - Martínez, Schweinsteiger - Müller, Kroos, Ribéry - Mandzukic; FC Valencia: Diego Alves - João Pereira, Rami, Víctor Ruiz, Cissokho - Parejo, Tino Costa - Feghouli, Jonas, Guardado - Soldado
  • Aus der FTD vom 20.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Die Ergebnisse
der 1. Bundesliga
Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
Bor. Mönchengladbach-FSV Mainz 05-:-
Hannover 96-Bayer Leverkusen-:-
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