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Merken   Drucken   25.04.2012, 15:39 Schriftgröße: AAA

Champions League: Wieder mal ein Schicksalsspiel für die Bayern

Sechs mal verloren, zweimal gewonnen: Im Bernabéu-Stadion von Real Madrid haben die Bayern selten Glück. Ausgerechnet dort entscheidet sich, ob sie ins Champions-League-Finale einziehen - und die Saison zu einem guten Ende bringen.
© Bild: 2012 Reuters/ANDREA COMAS
Sechs mal verloren, zweimal gewonnen: Im Bernabéu-Stadion von Real Madrid haben die Bayern selten Glück. Ausgerechnet dort entscheidet sich, ob sie ins Champions-League-Finale einziehen - und die Saison zu einem guten Ende bringen.
von Thomas Becker, München

Paul Breitner ist derzeit so gefragt wie lange nicht mehr. Finalbotschafter Münchens ist er, für den großen Tag am 19. Mai in der Bayern-Arena und für den etwas kleineren zwei Tage zuvor, wenn Europas beste Fußballerinnen im guten alten Olympiastadion ihr bestes Team küren. Zahlreiche Interviews hat Breitner gegeben, gern erzählt er auch von früher - zuletzt vor allem von seiner Zeit bei Real Madrid. "Mitte der 70er war Real eine Fußballgalaxie, so wie es heute Barcelona ist", sagt Breitner, "Real war damals schon ein Fußballkonzern, eine andere Dimension, es hatte den Stellenwert, den heute die acht Topklubs Europas zusammen haben. Und wenn man Ende der 90er von den 'Galaktischen' gesprochen hat, dann war Real bis Mitte der 70er-Jahre eine Fußballgalaxie für sich, eine Welt, die kaum zu beschreiben ist von der Bedeutung und vom Niveau her."

Na ja. Vor allem war es die Zeit, in der Breitner für die "Königlichen" spielte. International gewonnen hat Real in den 70er-Jahren nichts. Nicht mal den Uefa-Cup. Die Galaktischen dieser Jahre hießen Ajax Amsterdam - und Bayern München. Aber klar ist natürlich, dass das Champions-League-Halbfinalrückspiel seiner Bayern im Estadio Santiago Bernabéu auch für Breitner eine besondere Partie ist.

Paul Breitner bei der Auslosung zum Viertelfinale der UEFA ...   Paul Breitner bei der Auslosung zum Viertelfinale der UEFA Champions League

Allein der Bernabéu, der legendäre Präsident! "Ich habe bei Real den einzigen weisen Menschen getroffen, der mir je in meinem Leben begegnet ist: Santiago Bernabéu. Ich durfte ihn noch drei Jahre erleben. Allein das war es für mich wert, bei Real spielen zu dürfen." So ist er, der Breitner Paul: Hat es nur in ganz großen Scheinen. Aber so geht das seit Wochen, seit feststeht, dass die alten Konkurrenten wieder aufeinandertreffen. Der Boulevard hat bei allen noch verfügbaren Helden Anekdoten zu den Duellen mit Real Madrid abgefragt - nun kann es endlich losgehen, dieses Spiel, das beim FC Bayern darüber entscheidet, ob die Saison gut oder schlecht war.

Es ist eine merkwürdige Spielzeit für den erfolgsverwöhnten Klub. Den Frust über den Titelverlust des Vorjahres schien sich die Mannschaft im vergangenen Herbst flott vom Leibe schießen zu können, war dann ziemlich perplex über die eigene Krise im Winter, berauschte sich danach erneut an einer schönen Siegesserie inklusive Torflut, die dann in Dortmund ein jähes Ende fand - zefix, schon wieder kein Meistertitel! Bleibt also die Champions League, in solchen Zeiten stets der wichtigere Wettbewerb für die Bayern, zumal diesmal ein "Finale dahoam" möglich ist. Erreicht die Mannschaft dieses Endspiel, dürfte die Spielzeit 2011/12 insgesamt wohl als gelungen durchgehen. Fliegt die Heynckes-Truppe in Madrid jedoch raus, bleibt nur noch die Hoffnung auf den 16. Gewinn des DFB-Pokals als mögliche Trophäe. Denn zwei Jahre hintereinander komplett ohne Pott sollte der FC Ruhmreich doch bitte schön nicht dastehen - wie sähe das denn aus?

Mario Gomez erzielte im Hinspiel gegen Madrid den 2:1 Siegtreffer   Mario Gomez erzielte im Hinspiel gegen Madrid den 2:1 Siegtreffer

Es ist nicht nur die Gesamtbilanz der Münchner im Bernabéu-Stadion (zwei Siege, ein Unentschieden, sechs Niederlagen), die die Bayern-Bosse vorab eher kleinlaut klingen lässt. "Mit dem Siegtor in der letzten Minute des Hinspiels gibt es eine kleine Chance für uns. Aber es wird wahnsinnig schwer", ahnt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

Ehrenpräsident Franz Beckenbauer glaubt gar, man müsse sich "mit allen Glücksgöttern des Universums in Verbindung setzen" - das werde man brauchen, so der Kaiser. Klingt furchtbar, aber Franck Ribéry will sich nicht kirre machen lassen. "Wir dürfen keine Angst haben", beschwor der Franzose seine Kollegen. Die haben noch schlechte Erinnerungen an dieses Stadion, wo sie vor zwei Jahren im Champions-League-Finale an Inter Mailand scheiterten.

Dessen Trainer damals: José Mourinho, heute Coach von Real Madrid. Nur gut, dass Bayern-Trainer Jupp Heynckes den Kopf ein bisschen höher trägt. Nach dem erneuten Last-Minute-Sieg in Bremen sagte er: "Es mag banal klingen, aber der Sieg war wichtig für uns - für die Moral. Wir fahren sehr selbstbewusst und zuversichtlich nach Madrid, weil wir auswärts immer in der Lage sind, ein Tor zu erzielen. Ich bin optimistisch für Madrid, und meine Spieler sind es auch."

23 Spieler nimmt Heynckes mit nach Madrid - alle bis auf Breno. Fünf werden auf der Tribüne Platz nehmen müssen, aber von den steilen Rängen hat man ja auch einen prima Blick aufs Geschehen. Gut möglich, dass einer der Tribünengäste in drei Wochen das Finale spielt, denn sieben Kollegen gehen gelbbelastet ins Spiel: Philipp Lahm, Luiz Gustavo, Thomas Müller, Jérôme Boateng, Toni Kroos, Holger Badstuber und David Alaba.

Und womöglich sitzt auch Breitner irgendwo in der Nähe und macht noch mal klar, was für ein Match man da gleich sehen wird: "Dieses Spiel ist einer der ganz großen Höhepunkte im Leben der Bayern-Spieler - und auch in dem der Spieler von Real Madrid. Denn diese Duelle zählen zum Feinsten, zum Besten, zum Wichtigsten, zum Prestigeträchtigsten im Leben eines jeden Fußballers." Beckenbauer würde es schlichter sagen: "Geht's naus, spuit's Fuaßboi!"

  • FTD.de, 25.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Die Ergebnisse
der 1. Bundesliga
Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
Bor. Mönchengladbach-FSV Mainz 05-:-
Hannover 96-Bayer Leverkusen-:-
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