Fünf Tage vor dem Bundesligaauftakt bei Meister Borussia Dortmund hat Werder Bremen mit dem Erstrundenaus im DFB-Pokal beim Drittligisten Preußen Münster eine bittere Pille schlucken müssen. Clubchef Klaus Allofs war stocksauer. "Das war ein unnötiger Rückschlag. Die Enttäuschung ist riesengroß. Man kann bei einer guten Mannschaft ausscheiden, aber diese Niederlage gefällt mir gar nicht", schimpfte Allofs, der vor allem Kampfbereitschaft vermisste. "Ich bin doch Profi. Da will ich doch weiterkommen und muss mich mehr wehren."
Der sechsmalige Cup-Gewinner scheiterte wie im Vorjahr schon an der ersten Pokalhürde, diesmal mit 2:4 (2:2, 1:0) nach Verlängerung. Dabei lief es zunächst gut. Neuzugang Eljero Elia (45. Minute) und der eingewechselte Niclas Füllkrug (67.) hatten Werder in der regulären Spielzeit zweimal in Front gebracht. Doch der Amerikaner Matthew Taylor (54./82.) schoss Münster noch in die Verlängerung, in der Dimitri Nazarow (96.) und erneut Taylor (118.) vor 18.000 Zuschauern im ausverkauften Preußen-Stadion für die Entscheidung sorgten. "Wir haben verloren, weil wir es nicht geschafft haben, unsere klaren Chancen zu nutzen. In der Defensive haben wir zu sorglos agiert", sagte Trainer Thomas Schaaf.
Den Preußen gelang im sechsten Pflichtspielduell mit Bremen seit 1945 nicht nur der erste Sieg, sondern auch der erstmalige Einzug in die zweite Runde seit 1990. Bremens Innenverteidiger Sokratis (108.) sah noch die Gelb-Rote Karte. "Trotz des 0:1 direkt vor der Pause zu einem psychologisch schlechten Zeitpunkt sind wir noch zweimal zurückgekommen. Das hat die Mannschaft sehr gut gemacht", sagte Preußen-Trainer Pawel Dotschew überglücklich. "In der Halbzeit habe ich der Elf gesagt, dass wir es heute nur über den Willen schaffen."
Anders als der Bundesligist, der im Vorjahr in der ersten Runde in Heidenheim ausgeschieden war, absolvierten die Preußen bereits fünf Spieltage in der dritten Liga. Und dem Tabellenvierten merkte man an, dass er durch den guten Saisonstart Selbstbewusstsein getankt hat.
Bei brütender Hitze war Münster dem Gegner läuferisch und kämpferisch mindestens ebenbürtig. Angesichts der Temperaturen von mehr als 35 Grad boten beide Teams ein ansehnliches Spiel. In der 35. Minute hätten die Offensivbemühungen der Preußen fast zum ersten Mal Erfolg gehabt. Doch Werder-Keeper Sebastian Mielitz hatte zweimal großes Glück, als ein Freistoß des Ex-Bremers Amaury Bischoff und ein Knaller von Kevin Schöneberg am Aluminium landeten. Auf der Gegenseite parierte Masuch zunächst glänzend gegen Theodor Gebre Selassie (43.). Bei Elias Schuss in den Winkel war er aber machtlos.
Nach dem Wechsel drängte der Drittligist auf den Ausgleich. Taylor setzte sich nicht nur gegen Sokratis, sondern auch gegen Torhüter Mielitz durch und schob zum verdienten 1:1 ein. Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung brachte Füllkrug Werder wieder auf die Siegerstraße, doch Taylor (83.) egalisierte erneut - Verlängerung. Dann sorgten Nazarow und Taylor endgültig für das bittere Bremer Aus. "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff, aber diese dummen Fehler im Sechzehner sind unverständlich. Wir werden jetzt ein, zwei Tage traurig sein. Dann müssen wir wieder nach vorne schauen Richtung BVB", kritisierte Bremens Spielmacher Aaron Hunt.
Laut Allofs könnte wegen der fehlenden Mindereinnahmen nun sogar der geplante Transfer des nigerianischen Stürmers Joseph Akpala vom FC Brügge in Gefahr geraten. Dabei sind die Gespräche schon weit. Nun müsse man "neu diskutieren", weil die finanziellen Mittel eigentlich fehlen, räumte Allofs ein. Die Belgier verlangen für den 25 Jahre alten Profi eine Ablöse von rund 1,2 Mio. Euro.