Und 0:4 bei Schalke 04 haben auch andere schon verloren. Otto Rehhagel, der Trainer, sagt nicht mehr "meine Jungs", sondern: "Die Leute haben gekämpft."
Weiter droht der Abstieg, ausgerechnet der einzigen Mannschaft, die beim Meister gewann. Die stolze Boomcity Berlin würde die einzige europäische Hauptstadt ohne Erstligaklub. Eine geopolitische Schmach von den Azoren bis fast zu den Aleuten. Dabei gibt es, ohne eurozentristische Brille, durchaus andere herthanische Metropolen. Die Hauptstadt Canberra des dreifachen WM-Teilnehmers Australien ist auch Fußballprovinz.
Oder Brasilien, der Rekordweltmeister! Dessen kühne Kapitale Brasilia: ein weißer Fleck in der ersten Liga. Wenn das kein Trost ist. Neuseelands Hauptstadtteam, die Wellington Phoenix, spielen mangels passabler heimatlicher Konkurrenz in Australien mit. Zählt man Wales als eigenes Land, gibt es sogar ein europäisches Beispiel. Cardiff ist auch ohne Erstligist, deren FC spielt lieber in der zweiten englischen Liga.
Das könnte dem deutschen Teilstaat Berlin eine Idee geben: Warum versucht man nicht nebenan in Polen in der Ekstraklasa einen kompletten Neuanfang? Eine Ostorientierung könnte auch den Hertha-feindlichen Osten der Hauptstadt ins Boot holen. Oder man wechselt, ähnlich wie der Liechtensteiner FC Vaduz, ins Schweizer Ligasystem. Lucien Favre, der Ex-Berliner, könnte im Bankenland für die Seriosität der alten Schachtel bürgen.
Ersatzweise böte sich San Marino an. Da würde sich Hertha, quasi als tägliche Europa League, mit den Kollegen von Cosmos Serravalle und Virtus Acquaviva in der Liga mit dem schönen Namen Campionato Dilettanti messen. Die Auftritte der letzten Wochen könnten zur Qualifikation reichen.
Noch ist nichts vorbei dank der Dom-Dilettanti aus Köln. "Prüfungen erwarte bis zuletzt", sagte einst Rehhagels Denkerfreund Goethe. Am letzten Spieltag kommt Hoffenheim, von sportlichem Ehrgeiz unbeleckt. Deren Trainer heißt indes Markus Babbel, nach vielfach Händel bei Hertha rausgeekelt im Winter. "Jede Lösung eines Problems ist ein neues Problem", wusste schon der Geheimrat. Auf Neudeutsch: Man begegnet sich im Leben gern zweimal. Babbel glüht schon. Edel sei der Mensch, hilfreich und fies.