Der Film von Dominic Egizzi und Gerold Hofmann läuft am Donnerstag um 22.45 Uhr in der ARD, direkt nach den "Tagesthemen". Fifa-kritische Dokus der jüngeren Vergangenheit waren bei Minderheiten-Sendern zu sehen, unter schlechten Rahmenbedingungen: "Der Unberührbare", ein Film des schwedischen Fernsehens, in dem Sportredakteur Jens Weinreich Fifa-Präsident Joseph Blatter porträtiert, wurde von einer unauffälligen Pressearbeit begleitet, als 3sat ihn 2005 ausstrahlte. Und Andrew Jennings' "Der schöne Schein - Die Fifa und das Geld", von der BBC Anfang Juni 2006 als Einstimmung auf die WM gezeigt, lief auf Arte mit siebenmonatiger Verspätung.
Während der investigative Journalist Jennings die Fifa-Oberen in Michael-Moore-Manier in Verlegenheit brachte, haben Egizzi und Hofmann eine klassische Dokumentation produziert. Ein großer Teil der Recherchen galt einem Skandal, der für die Fifa weiterhin von fundamentaler Bedeutung ist. Seinen Anfang nahm er 2001, als die Agentur ISL, die für den Weltverband lange die WM-TV-Übertragungsrechte vermarktete, Konkurs ging und einen Schaden von 3 Mrd. Euro hinterließ.
Die Affäre beschäftigt seitdem die Schweizer Justiz, die in dieser Sache im November 2005 eine spektakuläre Razzia in den Räumen der Fifa in Zürich durchführte. Hintergrund: Im Zuge der ISL-Insolvenz wurden Schmiergeldzahlungen an hochrangige Funktionäre aufgedeckt, die ein Insider im Film auf 50 Mio. Franken beziffert. Bei der Durchsuchung ging es vor allem um einen von Schweizer Experten sogenannten Korruptionsverdunkelungsvertrag.
Krimi-Flair kommt auf, wenn die Filmemacher Szenen der Razzia nachstellen. Im Verdacht, Bestechungsgelder erhalten zu haben, steht Nicolás Léoz, der Präsident des südamerikanischen Fußballverbands Conmebol. Er war nicht bereit, ein Interview zu geben. Sepp Blatter dagegen stand zur Verfügung, aber seine Redseligkeit wirkt sich, man kennt das aus "Der Unberührbare", nicht unbedingt zu seinem Vorteil aus.
Viel Platz räumen die Autoren auch dem Mastercard-Visa-Skandal ein, er kommt zum ersten Mal in einem TV-Beitrag ausführlich zur Sprache. Die Fifa hatte ignoriert, dass Mastercard eine Option auf die Verlängerung eines Sponsorenvertrags hatte, und den langjährigen Partner zugunsten des Wettbewerbers ausgebootet. 90 Mio. $ musste die Fifa im Rahmen eines Vergleichs an Mastercard zahlen. Egizzi sagt, die Affäre zeige "sinnbildlich, wie groß die Diskrepanz zwischen der hehren Fair-Play-Rhetorik der Fifa und ihren Taten" sei. Im Film zitieren die Autoren aus gerichtsbekannten Mails, aus denen hervorgeht, dass Blatter keineswegs uninformiert war über den Deal.
Anhand der Affäre lässt sich auch bestens illustrieren, dass der Fußballweltverband nach sehr eigenen Gesetzen funktioniert. Der im Dezember 2006 als Hauptschuldiger gefeuerte Marketingmann Jérome Valcke arbeitet mittlerweile wieder für die Fifa und fiel beim Comeback sogar die Karriereleiter hoch: Er firmiert jetzt als Generalsekretär.
Die Fifa - Macht und Machenschaften im Weltfußball ARD, Donnerstag 22.45 Uhr