Daum wirkt hilflos. In Frankfurter Medien wurde der Trainer zuletzt als "Dampfplauderer" und "selbst ernannter Spitzenpsychologe" verhöhnt. Das hat ihn geärgert, doch viele Argumente für sich hat er nicht gesammelt - prekärer als nach dem Debakel in Mainz war die Lage nie. Im Endspurt fehlen wichtige Spieler wie Chris, Maik Franz und Georgios Tzavellas verletzt - und seit Samstag auch der junge Hoffnungsträger Sebastian Rode, der wegen einer Notbremse gegen den Mainzer Florian Heller die Rote Karte gesehen hatte. Stürmer Theofanis Gekas schießt keine Tore mehr und schadet der Mannschaft mehr, als er ihr hilft. Spieler, die die gute Vorrunde geprägt hatten - Pirmin Schwegler, Patrick Ochs oder Alexander Meier - haben ihr Selbstvertrauen verloren. Sie alle wirken, als könnten sie nicht glauben, was mit ihnen geschieht. Im nächsten Heimspiel erwartet die Eintracht den 1. FC Köln. Ausgerechnet. Daum, der stets den Eindruck erweckt, zu Höherem berufen zu sein, hatte den FC ja verlassen, weil er dort keine Chance sah, Titel zu holen. Jetzt kämpft er mit Frankfurt um den Klassenerhalt.
Daum erklärte zu seinem Amtsantritt, er sei kein Feuerwehrmann, sondern ein Konzepttrainer. Zumindest Ersteres hat sich bislang bestätigt. Er hofft, der Auftritt in Mainz könne wie ein "heilsamer Schock" wirken. Kleinlaut gab er zu, dass seine Mannschaft an die Wand gespielt worden sei. "Purer Überlebenskampf" sei nun angesagt und "intern harte Worte". Ob sich beide Parteien - Christoph Daum und Eintracht Frankfurt - mit ihrer Liaison einen Gefallen getan haben? Die Stimmung ist äußerst gereizt: Eintracht Frankfurt hat nach den Ausschreitungen im Anschluss an das Derby in Mainz die für Sonntag und Montag angesetzten Trainingseinheiten aus Sicherheitsgründen abgesagt. "Die Polizei und unser Sicherheitsdienst haben empfohlen, kein Training durchzuführen", sagte Eintracht-Sprecher Carsten Knoop. Daum hat akzeptiert und sucht jetzt nach Ausweichplätzen, irgendwo.