Noch nie hat ein Fußballer eine solche Welle der Empathie ausgelöst wie Robert Enke nach seinem Tod. Es ist eine überwältigende Anteilnahme, und sie überrascht angesichts des bisher vermuteten Stellenwerts dieses Sportlers in der Öffentlichkeit. Enke ist kein Superstar. Er spielt bei Hannover 96, einer eher grauen Maus der Bundesliga. Er hat erst acht Länderspiele absolviert - was ist das schon im Vergleich zu Torhüterlegenden wie Sepp Maier, Toni Schumacher oder Oliver Kahn?
Enke hat, und das macht den Unterschied - eine andere Geschichte, eine gebrochene. Während andere Karrieren linear nach oben verlaufen, ist Enkes Lebensweg ein Auf und Ab, sportlich wie privat, mit extremen Schwankungen und existentiellen Tiefen, die man niemandem wünscht. Bewundernd beobachtete die Öffentlichkeit, wie sich Enke aus all den (bekannten) Krisen wieder herausarbeitete. Still, beharrlich, freundlich. Enke war damit so etwas wie ein Gegenentwurf zu Alphatieren wie seinen Vorgängern im Tor der Nationalelf, Kahn oder Jens Lehmann - Egomanen mit einem Hang zu Arroganz und Brutalität. Enke hat stets nur seine Leistung sprechen lassen - und das kommt an in einem Land, das von Lautsprechern und Aufschneidern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft genug gepeinigt worden ist.