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Merken   Drucken   07.02.2011, 19:07 Schriftgröße: AAA

Entlassung in Wolfsburg: Schluss für den netten McClaren

Die personellen Unstimmigkeiten der Niedersachsen führten zuletzt dazu, dass Mittelfelddirigent Diego sich über die Anweisungen des Trainers hinwegsetzte. Der Verein zieht Konsequenzen und ersetzt McClaren durch Littbarski.
Sein Untergang endete mit den üblichen tröstenden Worten. "Wir haben es gemeinsam bis zum letzten Tag versucht", sagte Dieter Hoeneß mit betretener Stimme und meinte den Rauswurf jenes Trainers, den der Manager erst im vergangenen Sommer zum VfL Wolfsburg geholt hat. Die Entlassung von Steve McClaren, am trainingsfreien Montag eines schon seit Monaten kriselnden Fußballbundesligisten vollzogen, soll eine Trendwende einleiten. Und mit Pierre Littbarski, bisher eine Art Assistent und Dolmetscher an der Seite des Briten, wird von heute an ein Mann für den Übergang sein Glück versuchen.
Steven McClaren muss sich nach einem neuen Job umsehen   Steven McClaren muss sich nach einem neuen Job umsehen
Die Antwort auf die Frage, wie der freie Fall einer sündhaften teuren Mannschaft in der Tabelle gestoppt werden soll, gehört wohl zu den derzeit schwierigsten der Liga. McClaren hatte die Wolfsburger Verantwortlichen in seiner Not mehrfach aufgefordert, den ohnehin prominent besetzten VfL-Kader weiter zu verstärken. Aber die jüngste Einkaufstour mit sechs Neuzugängen für 15 Mio. Euro kam für ihn zu spät und brachte aus Sicht des Briten eine ganz bittere Quittung mit sich. Der letzte verzweifelte Versuch von McClaren, einer verunsicherten Mannschaft durch den Einsatz von Neuzugängen wie Jan Polak, Tuncay Sanli und Patrick Helmes mehr Stabilität zu verleihen, endete am Samstag mit einer weiteren Niederlage. Und beim 0:1 gegen Hannover 96, als Diego eigenmächtig einen Elfmeter ausführte und verschoss, war offensichtlich geworden, mit wie wenig Respekt die Spieler ihrem Trainer noch begegnet sind.
Mit Littbarski übernimmt ein international erfahrener, aber im Grunde auch noch recht erfolgloser Trainer die Position des Cheftrainers. Trotzdem muss Hoeneß zu dem Schluss gekommen sein, dass der langjährige Nationalspieler zumindest für das Erreichen der kurzfristigen Ziele der richtige Mann ist. "Unser Ziel kann vorerst nur sein, den Abstand zu den Abstiegsrängen zu bewahren", gesteht Hoeneß, der vor einem Jahr seinen Job am Ufer des Mittellandkanals angetreten hat, um den VfL Wolfsburg auf Dauer in den internationalen Fußball zu führen.
Wolfsburgs neuer Interimscoach Pierre Littbarski   Wolfsburgs neuer Interimscoach Pierre Littbarski
Bisher musste auf diesem Weg ein ganz erstaunlicher Umweg eingeschlagen werden, wofür auf der Trainerbank im vergangenen Jahr Armin Veh und jetzt eben McClaren verantwortlich gemacht wurden. Den Kardinalfehler der sportlichen Leitung, mit der Abgabe von Zvjezdan Misimovic einer erfolgreichen Mannschaft das spielerische Herz zu nehmen, war das Unheil eingeleitet worden. Mit dem Verkauf von Edin Dzeko an Manchester City während der Winterpause vergrößerte es sich. Zuletzt wurde panisch nachgekauft - in der Hoffnung, dass die neuen Spieler genügend Qualität mitbringen, um den Abstieg vermeiden zu können.
McClaren sind wohl nur wenige, aber elementare Vorwürfe zu machen. "Ich bin wütend und enttäuscht", hatte der Brite am Samstag angesichts der Aktion von Spielmacher Diego noch gesagt. Das Dumme war nur: McClaren ist nie so aufgetreten, wie das ein wütender und enttäuschter Trainer wohl hätte tun müssen. Am Ende war er, der in der vergangenen Saison mit Twente Enschede noch holländischer Meister geworden ist, einfach zu nett für eine Mannschaft, die es sich nach ihrem überraschenden Meisterschaftsgewinn im Sommer 2009 zu bequem gemacht hat. Zudem hat McClaren zu lange an seiner Vorstellung von schönem Fußball festgehalten, für die er kaum die richtigen Spieler hatte. Einen Stürmer wie Grafite, dem derzeit auch die einfachsten Dinge misslingen, bietet man besser nicht als einzige Spitze auf.
Der Rauswurf von McClaren, mit dem wegen seines bis 2012 gültigen Arbeitsvertrags über eine stattliche Abfindung zu sprechen sein wird, setzt eine unrühmliche Wolfsburger Fußballgeschichte fort. Seit dem Abschied von Felix Magath vor anderthalb Jahren finden die Verantwortlichen des VfL keine Antwort darauf, wie die hinterlassene Lücke auf den Positionen des Trainers, Sportdirektors und Geschäftsführer sinnvoll geschlossen wird. Veh war an der Dreifachaufgabe gescheitert, McClaren wurde nicht einmal mit der Trainerrolle glücklich. Zum Ende der Winterpause, als der VfL im Achtelfinale des DFB-Pokals mit einer peinlichen Vorstellung an Zweitligist Energie Cottbus gescheitert war, hatten ihm die Entscheider eine letzte Schonfrist gewährt und zu mehr Härte im Umgang mit den Spielern aufgefordert. Wirklich durchgegriffen hat am Ende dann Dieter Hoeneß.
  • Aus der FTD vom 08.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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