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Merken   Drucken   30.01.2012, 18:40 Schriftgröße: AAA

Fußball-Bundesliga: Gladbach steuert auf Meisterschaftskampf zu

Der Club feiert eine Siegesserie und freundet sich langsam mit dem Gedanken an, dass es diese Saison auch für höhere Weihen reichen könnte. Das Ziel: der Nichtabstieg. Die Hoffnung: Die Meisterschaft.
© Bild: 2012 AFP/THOMAS KIENZLE
Der Club feiert eine Siegesserie und freundet sich langsam mit dem Gedanken an, dass es diese Saison auch für höhere Weihen reichen könnte. Das Ziel: der Nichtabstieg. Die Hoffnung: Die Meisterschaft. von Frank Hellmann, Stuttgart
Mitunter sind es kleine Gesten, die für große Dinge stehen. Etwa der erhobene Daumen, den Lucien Favren hochreckte, als sein Himmelsstürmer Marco Reus am Sonntag zum vorentscheidenden 2:0 vollstreckt hatte. Mehr Überschwang bricht bei dem Schweizer Didaktiker nicht heraus, obwohl dieser 3:0-Auswärtssieg sicherlich dazu angetan gewesen wäre. Die Gladbacher Gala, durch Mike Hanke, Reus und Igor de Camargo im Grunde noch unzureichend gekrönt, mag im Umfeld dieses Traditionsvereins Gelüste und Sehnsüchte schüren - bei Favre spielt das keine Rolle.
"Die 39 Punkte haben wir uns verdient, wir waren besser", konstatierte der 54-Jährige im Buchhalterstil nach seinem 50. Sieg als Bundesligatrainer, er möchte sich trotzdem noch daran machen, "ein paar Details zu verbessern". Schließlich spiele sein Team am Samstag in der Liga beim VfL Wolfsburg und dann gleich darauf im Pokal bei seinem Ex-Klub Hertha BSC, "alles nicht einfach".
Nationalspieler Marco Reus (l.) jubelt mit dem 1:0-Torschützen ...   Nationalspieler Marco Reus (l.) jubelt mit dem 1:0-Torschützen Mike Hanke gegen Stuttgart
Dass es trotzdem so lässig und locker aussieht, wie Reus beschrieb ("Wir spielen unseren Stiefel runter"), hat Methode in Gladbach. Favre schiebt unter der Woche nicht nur Plastikdummys über die Trainingsflächen, sondern überprüft am Wochenende auch persönlich, ob ein Platz Originalmaße hat. Schritt für Schritt ging der Cheftrainer am Neckar nun das Grün bis zur Gegengeraden ab, "es kam mir erst zu breit vor". Wer sich so akribisch ans Werk macht, erntet den Erfolg fast zwangsläufig.
Es mehren sich die Indizien, dass diese Mönchengladbacher im Meisterschaftskampf mitmischen. Mit weniger Dominanz und Ballbesitz als die Bayern, mit weniger Sturm und Drang als Dortmund, mit weniger Individualität und Investitionen als Schalke. Und doch kommt der Gladbacher Konter- und Konzeptfußball als erstklassige Bewerbung im Vierkampf daher. Sportchef Max Eberl sprach von einer "Augenweide". Ihn hatte am meisten beeindruckt, "wie wir als Mannschaft zusammen agiert haben". Wer die Grundlagen ergründen will, warum diese Borussia beim VfB Stuttgart in titelverdächtiger Souveränität auftrat - nach einer 0:7-Demütigung in der Vorsaison -, der musste nur Favre zuhören, als der die Wandlung im Schnelldurchgang erläuterte. Erste Etappe sei bei Amtsantritt im Februar 2011 gewesen, die Abwehr besser zu machen, als zweite Etappe wollte er ab Oktober, November im Angriff "mehr Torchancen kreieren", nun im Januar 2012 sprach Favre fast schon von Zielerreichung: "Es wird schwer, besser zu spielen."
Spitze ist die Borussia darin, das eigene Tor zu verriegeln. Bei Favres Amtsantritt waren es 2,7 Gegentore pro Spiel, nun sind es aktuell zwölf Gegentreffer nach 19 Durchgängen - 0,6 pro Partie. Hinter der sicheren Abwehr steht mit Marc-André ter Stegen der wohl konstanteste Keeper der Liga zwischen den Pfosten.
Wo die Nationaltorhüter im neuen Jahr fatal abschlagen (Manuel Neuer) oder Löcher in die Luft fausten (Tim Wiese), leistet sich der 19-Jährige einfach keine Aussetzer. Seine Ausstrahlung überträgt sich auf die Vorderleute. Wie den unerschrockenen Patrick Herrmann: Der 19-Jährige vom rechten Flügel hat den zwei Toren gegen die Bayern nun zwei Vorlagen in Stuttgart folgen lassen und keck verkündet: "Unser Ziel ist der Nichtabstieg, unser Traum ist die Meisterschaft." Vereinsikone Günter Netzer bestätigt: "Die anderen müssen die Gladbacher nun zunehmend ernster nehmen. Am Ende könnten sie Meister werden."
  • Aus der FTD vom 31.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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