Nationalspieler Marco Reus (l.) jubelt mit dem 1:0-Torschützen Mike Hanke gegen Stuttgart
Dass es trotzdem so lässig und locker aussieht, wie Reus beschrieb ("Wir spielen unseren Stiefel runter"), hat Methode in Gladbach. Favre schiebt unter der Woche nicht nur Plastikdummys über die Trainingsflächen, sondern überprüft am Wochenende auch persönlich, ob ein Platz Originalmaße hat. Schritt für Schritt ging der Cheftrainer am Neckar nun das Grün bis zur Gegengeraden ab, "es kam mir erst zu breit vor". Wer sich so akribisch ans Werk macht, erntet den Erfolg fast zwangsläufig.
Es mehren sich die Indizien, dass diese Mönchengladbacher im Meisterschaftskampf mitmischen. Mit weniger Dominanz und Ballbesitz als die Bayern, mit weniger Sturm und Drang als Dortmund, mit weniger Individualität und Investitionen als Schalke. Und doch kommt der Gladbacher Konter- und Konzeptfußball als erstklassige Bewerbung im Vierkampf daher. Sportchef Max Eberl sprach von einer "Augenweide". Ihn hatte am meisten beeindruckt, "wie wir als Mannschaft zusammen agiert haben". Wer die Grundlagen ergründen will, warum diese Borussia beim VfB Stuttgart in titelverdächtiger Souveränität auftrat - nach einer 0:7-Demütigung in der Vorsaison -, der musste nur Favre zuhören, als der die Wandlung im Schnelldurchgang erläuterte. Erste Etappe sei bei Amtsantritt im Februar 2011 gewesen, die Abwehr besser zu machen, als zweite Etappe wollte er ab Oktober, November im Angriff "mehr Torchancen kreieren", nun im Januar 2012 sprach Favre fast schon von Zielerreichung: "Es wird schwer, besser zu spielen."