Pyrotechnik und Randale: Kritische Fans und Top-Vertretern der Bundesliga treffen sich am Wochenende auf einem Kongress. In Berlin diskutieren sie über die Themen, die die Szene bewegen. von Christoph Ruf, Karlsruhe
Der Claim des bundesweiten Fanzusammenschlusses Pro Fans ist programmatisch, doppeldeutig - und selbstbewusst: "Ohne uns kein Kick", heißt er. Das kann im Umkehrschluss natürlich nur bedeuten, dass ein von Pro Fans organisierter Kongress nur in der spielfreien Zeit stattfinden kann. Am Wochenende werden also in Berlin über 500 Vertreter von so gut wie allen größeren Fan- und Ultragruppierungen über die Themen diskutieren, die die Szene bewegen.
Der "Fankongress" findet erstmals in diesem Jahr als von der Fanszene selbst organisiertes Treffen statt. Er sieht sich als Anschlussveranstaltung an eine bundesweite Fandemo im Oktober 2010, bei der 6000 Menschen für den Erhalt dessen auf die Straße gingen, was sie unter "Fankultur" begreifen. Umso beachtlicher ist es deshalb, dass auch einige Diskutanten nach Berlin kommen, die zu den Alphatieren im Profifußball gehören.
Martin Kind, Präsident von Hanover 96
So werden in Berlin wichtige Exponenten der Fußballverbände DFL und DFB sowie der Bundesligavereine erwartet. Martin Kind, Präsident von Hannover 96 und prominentester Befürworter einer Öffnung der Vereinsstrukturen für mitsprachewillige Investoren, stellt sich der Diskussion mit Fans, die eben dies ablehnen und unbedingt an der sogenannten 50+1-Regel festhalten wollen, die Investoren eine inhaltliche Einflussnahme institutionell verweigert.
Des Weiteren diskutiert Hendrik Große Lefert, der neue Sicherheitsbeauftragte des DFB, über das Thema Stadionverbote - die aus Sicht der Fanszene oft aus nichtigen Anlässen ausgesprochen werden. Der Fanbeauftragte des DFB, Gerald von Gorrissen, ist ebenso vor Ort wie sein DFL-Kollege Thomas Schneider.
Der Ligaverband schickt außerdem seinen Geschäftsführer - Holger Hieronymus diskutiert mit einem Vertreter des Bezahlsenders Sky und einem Fan aus der Lauterer Ultragruppe Frenetic Youth über die Anstoßzeiten. Während die Fanbasis gegen zersplitterte Spieltage ankämpft - für ein Montagsspiel muss ein Anhänger der Auswärtsmannschaft oft zwei Tage Urlaub nehmen - führen die Verbände das Argument ins Feld, dass die üppige Finanzausstattung der Klubs primär dem TV-Geld zu verdanken ist.
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