Das ist eine bittere Erkenntnis für die stolze Fußballstadt, und sicher auch für den Trainer. Der lokale "Express" will erfahren haben, dass Solbakken nach dieser Geschichte "fuchsteufelswild" gewesen sei, und "Bild" fragt mit bedrohlichem Unterton: "Wie lange tut sich Solbakken das noch an?"
Finke räumt gewisse Meinungsverschiedenheiten sogar ein. "Es geht ja immer um Vorstellungen, die man davon hat, wie Menschen in einem Profiverein zusammen leben", sagt er und fragt: "Soll das eine harmonische Wir-sind-immer-einer-Meinung-Familie sein?" Seine Antwort lautet: Nein. "Es geht um eine sachliche Arbeit und nicht um Verhältnisse zwischen Menschen", beharrt der einst langjährige Coach des SC Freiburg.
Bereits im vorigen Sommer hat Finke Solbakken als einen Trainer vorgestellt, mit dem er streiten könne, und angesichts der schwierigen Umstände mit 30 Mio. Euro Schulden und einer menschlich hoch komplizierten Mannschaft leisten beide grundsätzlich auch ganz gute Arbeit. Solbakken hält Podolski am Laufen, tüftelt akribisch an fußballerischen Inhalten und hat eine passable Hinrunde vorzuweisen. Und auf der anderen Seite hat Finke fast ohne Geld Leistungsträger wie Ammar Jemal und Sascha Riether nach Köln geholt und den zuvor nur ausgeliehen Mato Jajalo unter Vertrag genommen. Außerdem hat er Solbakken verpflichtet und den maßlos aufgeblähten Kader ausgedünnt. Vielleicht hat Finke sogar recht, wenn er sagt, dass der Tae-se-Transfer "angesichts der Möglichkeiten des 1. FC Köln etwas sehr Gutes" ist.
Das sind die Dinge, die der Sportdirektor viel lieber in der Zeitung lesen möchte als "Geschichten, die nichts mit dem Spiel zu tun haben". Ihm gehe es "um die Sache, um Fußball, aber das ist nicht so leicht hier." Denn dem Kölner Fußballanhang geht es um mehr, um Emotionen etwa. Dazu gehört auch, dass die Wut über den jüngsten sportlichen Misserfolg an einem Sündenbock abgeladen werden kann. Es sieht schwer danach aus, als sei diese Rolle vorerst für Volker Finke reserviert. Zumindest bis Jong Tae-se beginnt, Tore zu schießen.