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Merken   Drucken   03.09.2012, 19:21 Schriftgröße: AAA

Höhepunkt der US-Open: Nächtlicher Matchball bringt Kohlschreiber Rekord

Matchball um 2.26 Uhr: Kohlschreiber besiegt die Nummer eins der USA und kommt ins Geschichtsbuch.
© Bild: 2012 AFP/EMMANUEL DUNAND
Matchball um 2.26 Uhr: Kohlschreiber besiegt die Nummer eins der USA und kommt ins Geschichtsbuch.
von Doris Henkel, New York

Der Weg aus dem Corona Park in Flushing Meadows hinüber nach Manhattan kann tagsüber, wenn die Autos Stoßstange an Stoßstange stehen, schon mal eine Stunde dauern. Nachts ist die Sache einfacher, zumal bei einem bevorstehenden Feiertag. Breit und leer lag der Queens Midtown Expressway vor dem Fahrer, der Philipp Kohlschreiber in den frühen Morgenstunden nach seinem Sieg gegen John Isner ins Hotel fuhr. Und in Manhattan waren um diese Zeit ohnehin nur noch Taxis unterwegs; alle gelb, die Spuren ohne Warnung wechselnd wie Autoscooter auf dem Rummelplatz.

Viel später als Kohlschreiber kam noch nie ein Spieler von der Arbeit bei den US Open zurück. Um 2.26 Uhr war der letzte Return seines Gegners zum 6:4, 3:6, 4:6, 6:3, 6:4 im Netz gelandet, und damit steht die Partie ab sofort in den Rekordlisten des Turniers. Nur einmal in der Geschichte der Night-Sessions bei den US Open war ein Spiel auf die Minute gleich spät beendet worden, eine Partie der zweiten Runde anno 1993 zwischen den Schweden Mats Wilander und Mikael Pernfors. Angesichts des engen, fast zwanghaften Verhältnisses der Amerikaner zu Statistiken und Zahlen ist damit klar, dass der Name Kohlschreiber in den Büchern des Turniers noch lange, lange auftauchen wird.

Aber es gab Wesentlicheres in dieser feuchten, fast klammen Nacht. Dreimal hatte Kohlschreiber zuvor gegen den langen Amerikaner gespielt, jedes Mal hatte er in drei Sätzen verloren, zuletzt erst vor ein paar Wochen beim Turnier in Toronto. Aber diesmal hatte er eine gute Taktik, und er zog sie durch. "Ich wollte ihn bewegen, zermürben", sagte er hinterher in einem tiefgekühlten, kleinen Interviewraum, "das sah vielleicht nicht immer schön aus, aber es hat funktioniert."

Dankenswerter Weise trug Isner einen Teil zu Gelingen dieses Planes bei. In den Sätzen eins und fünf landeten nur rund 50 Prozent seiner gefürchteten ersten Aufschläge im Feld, und für ein solches Entgegenkommen kann man sich als Gegner nur bedanken. Aber der entscheidende Fakt war ein anderer. Während es spät und später wurde, war Kohlschreiber in den entscheidenden Momenten mit größter Konzentration bei der Sache. Drei Breakbälle boten sich ihm in den fast dreieinhalb Stunden der Partie: Mitte des ersten Satzes, zu Beginn des vierten und Mitte des fünften. Der strategisch wichtigste war vielleicht jener im vierten Satz, den Isner mit einem Doppelfehler auflegte, sich dann über einen Fußfehler aufregte und dann für ein paar Minuten die Fassung verlor.

Alle drei Chancen nutzte Kohlschreiber - und besser, effektiver kann man das nicht machen. Isners Bilanz bei Breakchancen sah dagegen so aus: Nur zwei von elf konnte er verwerten. Auch deshalb, weil Kohlschreiber selbst in gefährlichen Momenten bisweilen atemberaubende Bälle spielte, die auch von seinem Coach Stefan Eriksson auf der Tribüne sichtlich bewundert wurden.

Während andere Leute längst im Bett lagen - zu Beginn des vierten Satzes bedankte sich Altmeister Jimmy Connors auf Twitter bei seiner Frau für die Geburtstagsparty zu seinem 60. und wünschte allseits eine gute Nacht -, hielten von den anfangs 15.000 Zuschauern immerhin rund 3000 bis zum Ende der Partie engagiert durch. Sie hatten die Hoffnung, ihr Mann würde die Sache noch irgendwie hinkriegen. Aber daraus wurde nichts, und Kohlschreiber freute sich. Dieses Nachtspiel gegen die Nummer eins der USA gewonnen zu haben mache ihn überglücklich, sagte er, schließlich sei er damit ja auch zum ersten Mal in seiner Karriere in der zweiten Woche der US Open gelandet.

Sieht so aus, als sei dies die Zeit der Meilensteine, nachdem er in diesem Sommer bereits in Wimbledon bereits zum ersten Mal im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers aufgetaucht war. Die Bilanz bei den großen vier Turnieren hatte bisher nie zu seinem spielerischen Fähigkeiten gepasst, aber noch ist es ja nicht zu spät. Er ist ja erst 28 Jahre alt.

Die Aufgabe in der nächsten Runde ist logischerweise nicht leicht - aber sie könnte auch schwerer sein. Nach der Nummer neun der Welt wird er am Dienstag gegen die Nummer acht spielen, den Serben Janko Tipsarevic. "Ich glaube, das wird ein gutes Spiel", meinte Kohlschreiber in der Kühlkammer, "meine Chancen werden kommen, und die gilt es zu nutzen. Er wird mich sicher nicht vom Platz schießen." Mehr Gedanken mochte er sich mitten in der Nacht zu diesem Thema nicht machen, aber das war schon in Ordnung. Er war ja nicht der einzige, der noch rüber nach Manhattan musste.

  • Aus der FTD vom 04.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Die Ergebnisse
der 1. Bundesliga
Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
Bor. Mönchengladbach-FSV Mainz 05-:-
Hannover 96-Bayer Leverkusen-:-
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