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Merken   Drucken   03.02.2011, 10:00 Schriftgröße: AAA

Ian Thorpe vor Comeback: James Bond, Rockstar - oder Olympia

Schwimmstar kehrt zurück. Ian Thorpe will den erfolgreichen Anzugträgern in London zeigen, wie schnell der Wassermann mit Schuhgröße 51 immer noch ist. von Andreas Morbach, Köln
Der Oberkörper - insgesamt eine Spur zu massig, mit überschaubar herausgearbeiteten Muskelpartien - ist zwar noch nicht ganz Olympia-like, aber ansonsten sieht Ian Thorpe blendend aus. Tiefengebräunt ist der Schwimmheld der Australier - das Ergebnis der vielen Trainingseinheiten, die der 28-Jährige zuletzt in Sydneys Andrew Boy Charlton Pool vor den Linsen aufmerksamer Fotografen absolviert hat. Viel zu lachen hatte Thorpe außerdem bei der aufsehenerregenden Pressekonferenz, bei der er gestern sein Comeback bekannt gab. Mit offensichtlicher Freude, vor allem über sein gelungenes Versteckspiel mit den Medien.
Da guckst du: Ian Thorpe freut sich über sein gelungenes ...   Da guckst du: Ian Thorpe freut sich über sein gelungenes Versteckspiel
In 18 Monaten will der fünfmalige Olympiasieger in London wieder an den Start gehen - eine mittlere Sensation, die er fünf Monate vor der Öffentlichkeit geheim hielt. "Im September habe ich die Entscheidung getroffen, wieder wettkampfmäßig zu schwimmen", erklärte Thorpe bei seinem live im Fernsehen übertragenen Auftritt in Sydney. Sogar seine Familie erfuhr erst im Januar von seinen Comebackplänen, und alle Freunde, die eingeweiht waren, bat er, "geschickt zu lügen". Denn: "Ich brauchte diesen Raum, um die richtige Entscheidung zu treffen."
Schon im November 2006 hatte Thorpe einen viel beachteten Entschluss gefasst, als der gerade mal 24-Jährige seinen Rücktritt erklärte. Schwindende Motivation gab der Freistilspezialist damals als Grund an. Vier Monate später aber berichtete die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" von erhöhten Testosteron- und Wachstumshormonwerten bei Thorpe im Rahmen einer Trainingskontrolle im Mai 2006. Die Asada, die Anti-Doping-Agentur seines Heimatlands, hatte daraufhin ein Verfahren gegen den elfmaligen Weltmeister eingeleitet. Zwar wurde Thorpe von jeglichem Verdacht freigesprochen, doch seinen Ruf sah er nachhaltig geschädigt. "Mein Name wird für immer befleckt sein", schäumte Thorpe.
Nun will er diesen Namen wieder ein wenig aufpolieren. Die Konkurrenz nahm die Nachricht wohlwollend auf. "Er ist einer der wirklich Großen, es wird spaßig sein, ihn in London wieder dabei zu haben", ließ Bob Bowman, Coach des 14-maligen Olympiasiegers Michael Phelps, aus den USA ausrichten.
Im zum "Rennen des Jahrhunderts" hochgejazzten Olympiafinale über 200 Meter Freistil hatte Thorpe 2004 neben dem Holländer Pieter van den Hoogenband auch Phelps besiegt. Die Zeit des deutschen Vorzeigeschwimmers Paul Biedermann dagegen kam erst, als Thorpe sich bereits aus dem Pool verabschiedet hatte. Als Biedermann - im Hightech-Anzug - dem Australier bei der WM 2009 dessen Fabelweltrekord über 400 Meter Freistil entrissen hatte, schickte Thorpe sportpolitisch korrekt eine Glückwunsch-SMS nach Rom. Bundestrainer Dirk Lange meinte am Mittwoch jedoch: "Man darf nicht vergessen: Thorpes Rekorde sind in den letzten Jahren nur durch die Superanzüge geknackt worden."
Da kann der australische Wassermann mit der phänomenalen Schuhgröße 51 im nächsten Jahr einiges gerade rücken. "Es gibt noch Dinge, die ich im Schwimmen nicht erreicht habe und die ich gerne schaffen möchte", erklärte Thorpe, der sich in Abu Dhabi und Europa auf die Spiele vorbereiten will, nun: "Bevor ich 30 bin, noch einmal bei Olympia zu schwimmen, das stand auf meiner Wunschliste - neben einer Rolle als James Bond, der Gründung einer Rockband oder einer Pilotenlaufbahn. Und das mit dem Schwimmen erschien mir realistischer."
  • Aus der FTD vom 03.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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