Jürgen Klinsmann will sein Erfolgsmodell von der Fußball-Nationalmannschaft auf den FC Bayern München übertragen. An seinem Noch-Wohnsitz in Kalifornien arbeitet er nun im Stillen am Masterplan für den "FC Bayern 2008/09".
Ganz oben auf der Agenda des mächtigsten und kostspieligsten Trainers in der ruhmreichen Bundesliga-Geschichte des deutschen Rekordmeisters steht dabei die Zusammenstellung eines neuen Betreuerstabes, mit dem er ab dem 1. Juli das Münchner Star-Ensemble an Europas Spitze führen will.
Jürgen Klinsmann ist bei der Präsentation sehr gut gelaunt.
"Ich habe ein paar Monate Zeit, um alles richtig durchzuplanen", erklärte Klinsmann. Es wird im Sommer an der Säbener Straße keine Ein-Mann-Schau geben, sondern wie während seiner erfolgreichen Arbeit mit der Nationalmannschaft möchte der ehemalige Bundestrainer auf einen hochkarätigen Expertenstab zurückgreifen können. "Ich werde ein Team aufbauen, das besetzt sein wird mit internationalen Leuten, teilweise Amerikanern, aber auch aus anderen Ländern." Dieses soll "ein Energiefeld aufbauen", so Klinsmann, das den Spielern "sehr viel Spaß machen", sie aber vor allem zu Höchstleistungen antreiben soll. "Ich habe gelernt, wie man mit Spezialisten arbeitet, um das Maximum aus den Spielern herauszukitzeln", sagte Klinsmann selbstbewusst.
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Er habe schon "Personen im Kopf", Namen verriet er aber nicht. Besonders spannend dürfte sein, wer die Schlüsselposition des Co-Trainers übernimmt. Ehemalige Weggefährten aus Spielerzeiten wie Guido Buchwald oder der Österreicher Andreas Herzog wurden bereits in Medien gehandelt. Klinsmann dürfte sich in seinem Vertrag, an dem noch bis kurz vor der Unterschrift gefeilt worden war, durch seinen Berater und Anwalt André Gross großen Spielraum ausbedungen haben. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge bestätigte, dass der Coach "mit einem Team von Co-Trainern und Spezialisten antreten" darf.
Keine Zukunft in München hat Ottmar Hitzfelds Co-Trainer Michael Henke. Aber auch ein Torwartcoach wie Walter Junghans und andere Betreuer müssen sich Sorgen machen. Der Machtmensch Klinsmann hatte auch bei der Nationalelf personell radikal aufgeräumt. Gespannt sein darf man, wie sehr er auch den Verein FC Bayern reformieren kann, darf und will. "Ich sehe das sicherlich nicht als Reformprojekt", bemerkte Klinsmann mit dem ihm eigenen, angriffslustigen Lächeln.
Der dreiköpfige Clubvorstand, der "einstimmig" für den "absoluten Wunschkandidaten" Klinsmann votiert hatte, wollte das Wagnis mit dem "Querdenker" unbedingt eingehen. Die Trainerwahl bezeichnete Manager Uli Hoeneß als logische Fortsetzung der neuen Vereinspolitik. "Wir haben schon mit der Entscheidung, groß in die Mannschaft zu investieren, bewiesen, dass wir bereit sind, neue Wege zu gehen." Es sei darum "ein Herzensbedürfnis" gewesen, "einen unkonventionellen Trainer zu holen", so Hoeneß: "Nach dem Motto: Tue das Unerwartete." Das ist gelungen - aber seinen Preis hat die Wahl auch. Auf bis zu 8 Mio. Euro wird Klinsmanns jährliches Salär beim Bundesliga-Krösus taxiert - das wäre Rekord im deutschen Fußball.
Dass sich die Bayern-Bosse und Klinsmann in der Vergangenheit oft stritten, soll Schnee von gestern sein. "Da wurde in der Öffentlichkeit vieles kolportiert, was in der Praxis anders aussah", beschwichtigte Hoeneß. Es gehöre zu einer "gesunden Streitkultur", dass man sich "zwischendurch mal die Meinung sagt". Reibereien gehörten zum Geschäft dazu, meinte auch Klinsmann unaufgeregt.
Wichtiger erscheint die Antwort auf die Frage von Franz Beckenbauer, ob Klinsmann auch ein Vereinstrainer sei? "Die Arbeit bei der Nationalmannschaft ist sicherlich konträr zu der als Vereinstrainer", räumte Klinsmann ein. Aber er habe in den zwei Jahren beim DFB viel gelernt. "Und ich habe Erfahrungen auf allerhöchstem stressigen Niveau gemacht mit der WM", betonte der 43-Jährige. Als Vereinscoach, glaubt Klinsmann, habe man sogar "mehr Möglichkeiten, Einfluss auf die Entwicklung der Spieler zu nehmen".
Einmischen in die aktuelle Arbeit von Hitzfeld will sich der künftige starke Mann des FC Bayern nicht. "Ich werde mich bis zum Amtsantritt zurückhalten", versicherte Klinsmann. Hitzfeld soll bis zum Saisonende freie Hand behalten, betonte auch Hoeneß: "Ottmar braucht keine Abstimmung mit Jürgen." Er erwartet, "dass die zwei kollegial miteinander umgehen" und sich "zu gegebener Zeit" besprechen werden. "Ottmar kann dem Jürgen den ein oder anderen Hinweis geben, weil er die Mannschaft aus dem Effeff kennt."
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