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Merken   Drucken   11.11.2012, 13:46 Schriftgröße: AAA

Klitschko staunt über Wach und beeindruckt «Rocky»

Wladimir Klitschko musste befürchten, sich beide Hände zu brechen. Wieder und wieder feuerte der ukrainische Boxweltmeister seine Fäuste auf den Kopf des Polen Mariusz Wach ab. Den 2,02-Meter-Riesen schüttelte es zwar durch, aber er blieb stehen.
Wladimir Klitschko (r) ließ sich nach seinem deutlichen Punktsieg ... Wladimir Klitschko (r) ließ sich nach seinem deutlichen Punktsieg feiern. Foto: Marcus Brandt

Egal, welche Wucht der aggressive Klitschko auch in seine Schläge packte, Wach stand. «Eigentlich unmöglich, dass er stehengeblieben ist. Das ist für mich ein Rätsel», meinte Mehrfach-Weltmeister Klitschko ungläubig und räumte ein: «Ich bin nicht ganz zufrieden, dass ich keinen K.o.-Sieg gemacht habe.» Gleichwohl: Der Punktsieg in Hamburg vor 15 000 Zuschauern in der O2-Arena und 11,77 Millionen vor dem TV fiel mit 120:107, 120:107 und 119:109 überdeutlich aus.

Der Kampf zwischen Wladimir Klitschko (l) und seinem Herausforderer ... Der Kampf zwischen Wladimir Klitschko (l) und seinem Herausforderer Mariusz Wach beginnt. Foto: Angelika Warmuth

So hart er gegen sich selbst war, so viel Unerbittlichkeit ließ Wach auch gegenüber seiner Familie walten. Nicht nur, dass Ehefrau und Sohn die Prügel direkt am Ring verfolgen mussten, der 32 Jahre alte Vater schleppte seinen Filius mitten in der Nacht auch noch zur Pressekonferenz und hielt den zweijährigen Oliwier kurz vor zwei Uhr wie bei einer Produktpräsentation auf dem Arm. «Er wird bestimmt nie boxen», meinte der vom Schlaggewitter gut erholte Pole und gestand: «Ich denke erst mal nicht mehr an den WM-Gürtel.»

Wladimir Klitschko (r) landet einen Treffer mitten im Gesicht von ... Wladimir Klitschko (r) landet einen Treffer mitten im Gesicht von Mariusz Wach. Foto: Marcus Brandt

Wach war keineswegs ein wehrloses Opfer. Der zuvor in 27 Kämpfen unbesiegte Schrank von Mann blieb stets gefährlich, wie er in der fünften Runde bewies, als er Klitschko traf und ihn kurzzeitig straucheln ließ. «Da bin ich ausgerutscht», entschuldigte sich der Champion, der an der linken Augenbraue wegen eines Cuts genäht werden musste. Die polnischen Medienvertreter wollten von Wach wissen: Warum hast du denn nicht geschlagen wie sonst? «Man boxt so, wie der Gegner es zulässt», erklärte der Besiegte resigniert.

Wladimir Klitschko (l) trifft immer wieder, aber Mariusz Wach will ... Wladimir Klitschko (l) trifft immer wieder, aber Mariusz Wach will einfach nicht auf die Bretter gehen. Foto: Marcus Brandt

Das ist der Punkt. In dieser beeindruckenden Form vermag kein Herausforderer, Klitschko vom Thron zu stoßen. Nicht Alexander Powetkin, nicht Kubrat Pulew, nicht Tyson Fury, nicht Odlanier Solis nicht Hinz noch Kunz. Der 36-jährige Klitschko demonstrierte von Beginn an das, was sein zwei Wochen zuvor verstorbener Trainer Emanuel Steward immer von ihm gefordert hatte: Nicht allein auf die zerstörerische Linke verlassen, sondern aggressiver, explosiver mit der Rechten agieren. Klitschko war schnell, geschmeidig, technisch versiert und schlagstark: Das, was er vorführte, hatte etwas von Muhammad Ali. «Dr. Steelhammer» ist der kompletteste Schwergewichtler derzeit. Kein Wunder, dass sich Wachs puertoricanischer Trainer Juan De Leon ein Autogramm vom Weltmeister holte.

Wladimir Klitschko (l) treibt mit seinen Schlägen Herausforderer ... Wladimir Klitschko (l) treibt mit seinen Schlägen Herausforderer Mariusz Wach in die Seile. Foto: Angelika Warmuth

Klitschko ließ offen, ob sein ehemaliger Sparringspartner Johnathon Banks, der am kommenden Wochenende in Atlantic City selbst einen Kampf zu bestreiten hat, Interimstrainer bleibt. «John hat einen hervorragenden Job gemacht», urteilte der Champion der großen Verbände WBO, IBF und WBA. «John ist nicht Emanuel Steward. Aber ich schließe nicht aus, dass ich mit ihm weiterarbeite.» Am Montag fliegen die Klitschkos nach Detroit, wo Steward beigesetzt wird.

Wladimir Klitschko jubelt überglücklich nach seinem ... Wladimir Klitschko jubelt überglücklich nach seinem «Arbeitssieg». Foto: Marcus Brandt

Danach geht es sofort retour nach Hamburg. Dort wechseln die Klitschkos die Bühne. Am Sonntag hat das Musical «Rocky» Weltpremiere, das von den Box-Brüdern gemeinsam mit Schauspieler Sylvester Stallone produziert wird. «Ich bin froh, dass Rocky nicht gegen Klitschko boxen musste», fasste der eigens aus Hollywood eingeflogene 66 Jahre alte «Rocky»-Mime seine Eindrücke zusammen. «Das war ein starker Kampf, ein großartiger Sieg.»

  • dpa, 11.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Hamburger SV-1899 Hoffenheim2:0(1:0)
Borussia Dortmund-VfL Wolfsburg2:3(1:2)
VfB Stuttgart-FC Schalke 043:1(2:1)
1. FC Nürnberg-Fortuna Düsseldorf2:0(1:0)
SC Freiburg-SpVgg Greuther Fürth1:0(1:0)
FC Augsburg-Bayern München0:2(0:1)
Eintracht Frankfurt-Werder Bremen4:1(0:0)
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