Am Montag war alles schon wieder käuflich in dem weitläufigen Discountmarkt, der nur einen Torwartabstoß von der Gelsenkirchener Arena auf Schalke entfernt ist. In einem abgetrennten Areal aber, das die Kunden nur betrachten durften, ging es mittags um das Geschäft mit der sportlichen Ehre. Vier funkelnde Gürtel beherrschten weite Teile des Podiums, an dem die nachgesagt besten Schwergewichtler des Planeten mit ihren Betreuern Platz nahmen. Darunter kauerten Dutzende von Fotografen, die von den protzigen Insignien der Macht im Profiboxen am wenigsten begeistert waren: Wann immer sie aus ihrer Froschperspektive auf Wladimir Klitschko und Ruslan Tschagajew scharf stellten, waren die bunt bespickten Exponate allzu deutlich im Vordergrund.
Die Köpfe von zwei selbstsicher dreinblickenden Preisboxern, die geradewegs aus Gürteln zu lugen scheinen, werden in diesen Tagen vielleicht weniger Beachtung finden, als der Rummel vermuten lässt. Wie man den ganzen Tand rund um den WM-Kampf im Revier im Grunde gar nicht mehr gebraucht hätte. Mittlerweile hat es sich nämlich auch so herumgesprochen, dass der "Knock-out auf Schalke", so das offizielle Motto, plötzlich zwei der drei am höchsten gehandelten Profis aus der unabhängigen Weltrangliste zusammenführt.
Ein wunderbarer Unfall, der den Boxfans nach der verletzungsbedingten Absage des ursprünglichen Klitschko-Herausforderer David Haye ein Traummatch serviert. Was sollen da noch Gürtel, deren Güte der arglose Endverbraucher ohnehin kaum einschätzen kann?
Klitschko hatte sich ursprünglich mit dem lautesten Herausforderer aus der Weltelite messen wollen, der in diesen Tagen zur Verfügung steht. Einem unerschrockenen Emporkömmling aus Londons rauem Süden, der als dreifacher Titelhalter im Cruisergewicht kürzlich in die Königsklasse aufgestiegen ist. Bekommen hat Klitschko, der 33-jährige Titelträger von IBF, WBO und der wenig beachteten IBO, nun den sportlich vielleicht riskantesten. "Ich werde gegen den besten Mann im Schwergewicht boxen, den es neben meinem Bruder gibt", ahnt der ehemalige Olympiasieger. "Er ist ungeschlagen und er ist Weltmeister. Und er hat niemals Angst gehabt, vor den großen Jungs im Ring zu stehen."