Kopf des Tages:Mohammed bin Hamad Al Thani - der Wüstenstürmer
Die Fußball-WM 2022 findet in Katar statt. Der Mann, der die Spiele ins Emirat geholt hat, war selbst nie ein begnadeter Fußballer. Dafür hat er Geld genug.
von Claus HeckingBrüssel und Martin Scheele, Hamburg
Für einen Moment schien er sein Glück kaum fassen zu können. Scheich Mohammed Bin Hamad Al Thani schlug seine Hände vors Gesicht, als sein Land am Donnerstag von der Fifa den Zuschlag für die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 2022 erhielt. Der Bewerbungschef des Emirats hatte zuvor noch gebetet um diesen Erfolg. Immer in seiner Nähe: Mutter Scheicha Mosa und Vater Emir Hamad Bin Chalifa Al Thani.
Der Sohn bedankte sich flugs bei den Fifa-Funktionären: "Danke für Ihre Unterstützung und die Expansion des Spiels. Sie werden stolz auf uns und stolz auf den Nahen Osten sein", sagte er in Zürich. Nur wenige Hunderttausend Einwohner hat sein Land - und doch hat es die USA, Japan, Südkorea und Australien ausgestochen.
Katars Bewerbungschef Scheich Mohammed bin Hamad Al Thani mit dem WM-Pokal
Sport wird ganz groß geschrieben in Katar, und Prinz Mohammed ist der Vorzeigeathlet der Herrscherfamilie. Der Pferdenarr und mehrfache Teilnehmer an Weltmeisterschaften im Ausdauerreiten war schon an der Bewerbung um die Asienspiele 2006 beteiligt. Als das Turnier dann im schmucken Stadion der Hauptstadt Doha eröffnet wurde, durfte Mohammed die Flamme entzünden - hoch zu Ross, versteht sich. Als das Pferd ins Straucheln kam, wäre der Prinz beinahe im Sand gelandet, doch er hielt sich mit einer akrobatischen Verrenkung oben. Da applaudierte sogar sein Vater, der Emir.
Ihre Leidenschaft für Fußball haben die Wüstensöhne längst bewiesen. Sage und schreibe 2,4 Mio. Dollar hat Mohammed Bin Hamad Al Thani 2006 hingeblättert für die Original-Endspielkugel der Weltmeisterschaft in Deutschland. Vier Jahre später begnügt sich der Prinz aus Katar nicht mehr mit Devotionalien: Er hat gleich das gesamte überübernächste Turnier in seine Heimat geholt. Dazu musste er die Fifa-Funktionäre überzeugen, das Turnier in einem Land zu veranstalten, wo es im Sommer locker 50 Grad heiß werden kann.
Mohammeds Plan: Von den Backofentemperaturen draußen werden die Sportler und Zuschauer drinnen nicht viel merken. Komplett klimatisiert sollen die Stadien sein, so lautet die Idee, die angeblich von ihm höchstpersönlich stammen soll. Dass der ganze Spaß Millionen von Dollar und Unmengen von Energie verschlingen wird, ist dem Prinzen egal.
Katar hat reichlich von beidem: Das winzige Katar mit wenigen Hunderttausenden Einwohnern sitzt auf dem größten Erdgasvorkommen der Welt: dem North Field. Und als Mohammeds Vater vor 15 Jahren begann, den damaligen Badestrand über dem Feld in den größten Flüssiggashafen der Welt zu verwandeln, bescherte er seinem Clan und vielen Untertanen damit einen märchenhaften Reichtum. Aufgemotzte Geländewagen und Ferrari liefern sich auf den mehrspurigen Stadtautobahnen Wettrennen, an den Handgelenken ihrer Fahrer funkeln diamantbesetzte Uhren.
Mohammed ist der gute Geist hinter der Aspire Academy, der größten Sportschule des Nahen Ostens, die einmal zur größten der Welt werden soll. Hunderte Jugendliche aus dem Land werden hier ausgebildet - zu Spitzensportlern, aber auch zu Sportlehrern. Ein besonders begabter Fußballer war Mohammed nie. Während seines Studiums in den USA kickte er ein bisschen mit im Universitätsteam.
Doch sein Enthusiasmus als Chef des Bewerbungskomitees kannte keine Grenzen. "Wir werden keinen Stein auf dem anderen lassen", versprach er schon vor einem Jahr. Mit dem Hubschrauber hat er die Fifa-Leute über seinen Wüstenstaat geflogen, sie in einem Luxushotel verwöhnen lassen. Und so fiel gar nicht mehr auf, dass Katar nur aus einer einzigen größeren Stadt besteht: der Hauptstadt Doha.
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