Kriminelle Sportwetten:Neuer Verdacht auf Schiebereien in der Bundesliga
Der neuerliche Verdacht von möglichen Manipulationen im deutschen Profi-Fußball hat die beiden Dachverbände DFB und DFL umgehend auf den Plan gerufen.
Ronaldinho (l) und Stephen Appiah tauschen nach dem WM-Spiel die Trikots.
Nachdem das Nachrichten-Magazin «Spiegel» auf seiner Homepage von Auffälligkeiten und Wetteinsätzen von mehreren Millionen beim Erstligaspiel zwischen Hannover 96 - 1. FC Kaiserslautern vom 26. November 2005 und dem Zweitliga-Match zwischen dem Karlsruher SC - Sportfreunde Siegen vom 7. August 2005 berichtet hatte, leiteten der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) die ersten Schritte zu einer eingehenden Untersuchung ein.
Dreieinhalb Jahre nach dem damaligen Bekanntwerden des Skandals um den ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer, in den allerdings keine Partie der ersten Liga verwickelt war, bekräftigten Ligaverbands- Präsident Reinhard Rauball und DFB-Chef Theo Zwanziger, dass beide Verbände eine umfassende Aufklärung der Angelegenheit anstreben. Die Täter würden bei nachweisbaren Verfehlungen konsequent nach allen Möglichkeiten bestraft, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von DFL und DFB. Das Unternehmen Sportradar sei bereits mit einer Analyse der genannten Begegnungen beauftragt worden.
Während ein kanadischer Journalist im «Spiegel» auch Verdächtigungen bezüglich des WM-Achtelfinalsiegs (3:0) von Rekordweltmeister Brasilien über Ghana äußerte und Verwicklungen eines asiatischen Wettsyndikats vermutete, fand das Magazin eigenen Recherchen zufolge die Auffälligkeiten bei den beiden deutschen Profi-Partien. Im Mittelpunkt möglicher Manipulationen soll ein Malaysier stehen, der bereits im Juni vergangenen Jahres vom Frankfurter Landgericht wegen versuchter Manipulation von Spielen in der deutschen Regionalliga und der österreichischen ersten Liga zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt wurde.
Die nun vom «Spiegel» erwähnten Partien waren nicht Gegenstand des damaligen Prozesses. So soll der vermeintliche Wettpate bei asiatischen Buchmachern auf eine Niederlage des FCK in Hannover 2,8 Millionen Euro gesetzt und durch den 5:1-Sieg der Niedersachsen rund 2,2 Millionen Euro gewonnen haben.
Vor dem Match KSC - Siegen soll er annähernd vier Millionen Euro auf einen Heimsieg gewettet haben. Karlsruhe gewann 2:0. Alle Spieler, deren Verbindungen zu dem Wettpaten der «Spiegel» offenlegt, beteuern ihre Unschuld, heißt es in dem Bericht. Der Asiate indes soll im Ausland untergetaucht sein, nachdem er gegen Kaution freigelassen wurde. Gegen ihn soll in Deutschland seit Mitte Januar ein Haftbefehl bestehen.
«Ich bin bereits von der DFL informiert worden, die sind genauso wie wir von dem Bericht auf Spiegel-Online überrascht worden», sagte KSC-Manager Rolf Dohmen der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Aber ich sage Ihnen, wenn einer beim Spiel Karlsruhe gegen Siegen auf Karlsruhe setzt, dann hat er, denke ich, einfach Ahnung.» Die DFL habe den Club nicht aufgefordert, etwas zu tun, da der Ligaverband selbst auch noch keine genauen Informationen habe.
Ligaverband und DFB hatten bislang keine Anhaltspunkte, dass die genannten Begegnungen manipuliert worden sein sollen, hieß es in der Erklärung von DFL und DFB. In den aktuellen Fällen werde zeitnah alles, was an belegbaren Fakten zusammen getragen werden kann, gewissenhaft von Ligaverband und DFB überprüft. Falls es erforderlich sein sollte, würden die DFB-Rechtsgremien sofort Ermittlungen einleiten und ihre Entscheidungen treffen, teilten die Dachverbände mit.
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