Manchmal kann eine Analyse kurz sein und dennoch stichhaltig: "Wir haben uns gut bewegt und die Räume effektiv genutzt." Viel mehr brauchte Fabio Capello, Englands italienischer Trainer, auch nicht zu sagen über dieses Spiel gegen die deutsche Mannschaft. Es war auch nicht nötig, denn es war die Wahrheit. Flexibel, exzellent disponiert und gut motiviert gegen den alten Kontrahenten - so präsentierte sich England gegen die deutsche Mannschaft in Berlin. 2:1 siegte das B-Team durch Treffer von Matthew Upson und John Terry - die englische Führung hatte der eingewechselte Leverkusener Patrick Helmes zwischenzeitlich egalisiert.
"Wir waren einfach nicht gut genug." Auch so eine kurze, treffende Analyse. Viel mehr wollte Bastian Schweinsteiger nicht sagen nach diesem Spiel. Sein Statement dürfte einigen große Sorge bereiten. Denn "nicht gut genug" bedeutet, einer Mannschaft nicht gewachsen gewesen zu sein, die mit Ausnahme des schlecht beleumundeten Torhüters David "Calamity" James, dem Kapitän John Terry und Mittelfeldmann Gareth Barry ausschließlich aus Ersatzspielern bestand.
Dabei war Schweinsteiger noch der einzige Deutsche, dessen Körpersprache einen Hauch von Aggressivität verriet. Und Bundestrainer Joachim Löw, der noch vor dem Spiel siegesgewiss wie selten gewirkt hatte, bekannte unumwunden: "Es war heute sicherlich nicht unser Tag."
Die Erkenntnis gilt schon für die Nummer eins. René Adler zeigte sich dem Druck des Prestigeduells nicht gewachsen. Der 23-Jährige, bisher die Fehlerlosigkeit in Person, verschätzte sich bei einem Eckball. Dass er anschließend im Fünfmeterraum angegangen wurde und der gute Referee Massimo Busacca bei strenger Regelauslegung hätte abpfeifen können, wollte auch Löw nicht kritisieren: "Das muss man auf internationaler Ebene nicht unbedingt pfeifen, dem ging ja keine Absicht voraus." Adlers fehlgeschlagener Versuch dokumentierte vor allem eines: Deutschland, das Land der Keeper, hat gegenwärtig zwar das eine oder andere Supertalent, aber keinen Mann von internationaler Klasse.
Das deutsche Dilemma setzte sich in allen Mannschaftsteilen fort. Vor allem das defensive Mittelfeld mit Jermaine Jones und Simon Rolfes betrieb tüchtig Werbung für den in Ungnade gefallenen Bremer Torsten Frings, der diesmal nicht im Kader war. Und wer bedenkt, dass neben dem Münchner Außenläufer Philipp Lahm einzig Kapitän Michael Ballack fehlte, dann war dieses Spiel in der Summe seiner Unzulänglichkeiten auf deutscher Seite vor allem eines: ein Beleg für die Unverzichtbarkeit Ballacks.
Schon zur Halbzeit artikulierte das Publikum seinen Unmut. Der Hoffenheimer Marvin Compper, der keine schlechte Partie absolvierte, empfand die Pfiffe dagegen eher als Stimulans. Vielleicht war das ja der Grund, warum der deutsche Auftritt in der zweiten Halbzeit an Qualität gewann.
So wurde der Angriff durch die Hereinnahme von Helmes und Lukas Podolski anstelle der unsichtbaren Miroslav Klose und Mario Gomez gefährlicher. Das Gros der Mannschaft erging sich allerdings in Lethargie. Wer eine Ursache dafür sucht, könnte die Antwort darin finden, dass diese Mannschaft einfach viel zu sehr mit sich selber beschäftigt ist - mit sinnlosen Debatten darüber, was öffentlich diskutiert werden darf und was nicht, mit leistungshemmenden Eitelkeiten.
Teil 2: Die Grundsatzansprache des Bundestrainers