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Merken   Drucken   20.05.2009, 14:04 Schriftgröße: AAA

Leistungssport: Verbot für Wunderanzüge im Schwimmbecken

Mehr als 100 Weltrekorde 2008 waren verdächtig: Der Weltverband Fina verbietet zehn Schwimmanzüge, die Athleten zu Bestzeiten verholfen haben sollen. Zwei prominente Schwimmer müssen nun um ihre Auszeichnung bangen.
Der Schwimm-Weltverband Fina hat zehn rekordträchtige "Wunderanzüge" vorerst verboten. Nach einer Überprüfung von 348 Modellen der 21 Hersteller erteilte der Verband lediglich 202 Modellen die Zulassung für die Weltmeisterschaften im Juli in Rom. Außerdem müssen 136 von 348 überprüften Anzügen bis zum 19. Juni modifiziert werden.
"Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung", sagte Bundestrainer Dirk Lange. "Der Schwimmsport steht am Scheideweg." Es bleibt aber auch Skepsis. "Für echte Waffengleichheit muss es weitere Schritte geben", stellte Deutschlands Spitzenschwimmer Helge Meeuw fest.
Jene Anzüge, mit welchen die Franzosen Alain Bernard und Fredric Bousquet jüngst Weltrekorde geschwommen waren, waren nicht auf der Liste der zugelassenen Modelle. Den Rekorden droht damit mehr denn je die Aberkennung. Zu welcher Gruppen die "Wunderanzüge" gehören, wurde zunächst nicht bekannt.
Der Franzose Alain Bernard muss sich möglicherweise nach einem ...   Der Franzose Alain Bernard muss sich möglicherweise nach einem neuen Schwimmanzug umsehen
Olympiasieger Bernard hatte im Halbfinale der französischen Meisterschaften über 100 Meter Freistil in 46,94 Sekunden die Bestmarke des Australiers Eamon Sullivan vom Olympia-Halbfinale um 11 Hundertstel unterboten. Bousquet verbesserte Sullivans Rekord über 50 Meter Freistil in Montpellier sogar um 34 Hundertstel auf 20,94. Den achtfachen Olympiasieger von Peking, Michael Phelps, hatte Bousquet zuletzt beim Meeting in Charlotte über die 100 Meter um 82 Hundertstel unterboten.
108 Weltrekorde im vergangenen Jahr hatten die Schwimmwelt verunsichert und die olympische Sportart zu einer Materialschlacht im Wasser werden lassen. Jetzt rückt der Athlet wieder mehr in den Mittelpunkt. "Der Schwimmsport kann aufatmen", sagte Meeuw. "Diese Anzug-Schlacht hat unserem Sport sehr geschadet und uns sehr bedrückt." Er verstehe jedoch nicht, warum der eine Anzug genehmigt und der andere nicht genehmigt worden sei. "Die Objektivität der Kriterien erschließt sich mir nicht.»
Maximalstärke: 1 Millimeter
Das Material darf künftig nicht dicker als ein Millimeter sein, muss direkt auf der Haut liegen und darf maximal einen Auftrieb von 1 Newton pro 100 Gramm haben. Maßanfertigungen sind nicht mehr erlaubt. Die Athleten dürfen künftig nur noch einen Anzug tragen, nachdem sie in der Vergangenheit mehrere Anzüge übereinander angezogen hatten, um den Auftrieb zu erhöhen.
"Endlich haben wir klare Regeln, endlich wissen wir, wo der Weg hingeht", sagte Bundestrainer Lange. Weitere Regeln seien aber notwendig. "Der nächste Schritt muss sein, den Anzugschnitt festzulegen." Die Fina hatte bereits in einer Vorentscheidung im März in Dubai festgelegt, dass die Modelle künftig nicht mehr über Nacken, Schulter und Knöchel hinausgehen sollen. Diese Vorgaben müssen aber noch genau festgeschrieben werden.
Die jetzt beschlossene Regelung gilt bis zum 31. Dezember dieses Jahres. Ab 2010 treten zusätzliche Vorschriften in Kraft. Künftig müssen dann die Genehmigungen jeweils bis zum 1. August eines Jahres erneuert oder neu gestellt werden, mindestens aber 12 Monate vor Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen.
  • FTD.de, 20.05.2009
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