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Merken   Drucken   28.10.2011, 10:00 Schriftgröße: AAA

Marc-André ter Stegen: Gladbachs Mini-Titan

Am Ball besser als Neuer, auf der Linie mindestens so gut wie Wiese: Gladbachs Marc-André ter Stegen verzückt Torwartfans. von Bertram Job, Mönchengladbach
Eine Geschichte seiner jungen Laufbahn ist ihm bis heute peinlich - aber wenn sein Torwarttrainer dabei ist, kann Marc-André ter Stegen inzwischen darüber reden. "Nun sag's schon", feixt Uwe Kamps kurz vor der nachmittäglichen Trainingseinheit am Gladbacher Borussia-Park mit unverhohlener Vorfreude. Also erzählt ter Stegen doch noch, warum er in der E-Jugend vom Sturm ins Tor gewandert ist: "Die Trainer meinten, ich hätte einen beschissenen Laufstil." Sollte heißen: Feldspieler kannste vergessen. "Am Ende war's vielleicht ganz gut so", glaubt ter Stegen.
Es war sicher gut. Nach gerade halbjähriger Bundesligapraxis wird der 19-jährige Torwart von Borussia Mönchengladbach in der Branche bereits als einer der besten deutschen Keeper gehandelt. "Er ist unglaublich jung, aber er spielt, als würde er schon jahrelang im Tor stehen", schwärmt Bundestrainer Joachim Löw.
Gladbachs Rückhalt: Marc-André ter Stegen ist erst 19, hält aber ...   Gladbachs Rückhalt: Marc-André ter Stegen ist erst 19, hält aber wie ein erfahrener Toptorwart
Ter Stegens Leistungen trugen erheblich dazu bei, dass Gladbach vergangene Saison dem Abstieg entging. Inzwischen sind sie einer der Gründe, warum die Mannschaft weit oben in der Tabelle mitspielt - obwohl der Kader fast identisch geblieben ist. Der junge Keeper relativiert das natürlich brav und sagt, dass "die ganze Mannschaft etwas dafür tut. Allein würde ich nicht viel ausrichten können."
Er beherrscht also auch schon den Profifußballer-Knigge. Der Boulevard ist weniger zimperlich: "Mini-Titan", "Jahrhunderttalent" - die Blätter mit den großen Buchstaben kriegen sich derzeit kaum ein. Dazu hat die Erfolgsstory ter Stegens anheimelnde Momente.
Ausgerechnet zum Derby gegen Köln haben die Gladbacher im April einen 18-Jährigen zwischen die Pfosten gestellt, der seit dem vierten Lebensjahr im Verein aktiv ist. Und der hat aus dem Stand heraus eine Präsenz entwickelt, die sich in imposanten Zahlen ausdrückt: Drei Gegentore ließ der Fachabiturient in den letzten sechs Spielen der Vorsaison zu, sieben in den zehn der laufenden Saison - und nach dem Elfmeterschießen in Heidenheim am Dienstag (zwei Versuche abgewehrt) ist er jetzt auch noch ein gefeierter Pokalheld.
Solche Leistungen werden sich auch finanziell auszahlen. Derzeit verdient ter Stegen verhältnismäßig magere 100.000 Euro im Jahr, schon bald dürfte er sich über ein siebenstelliges Gehalt freuen.

Teil 2: Schon als Pimpf den Duft der Liga inhaliert

  • FTD.de, 28.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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