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  11.07.2006, 22:08  

Mit Holzkeulen gegen Moskitos

Heftig wehrt man sich in Südafrika gegen den Verdacht, mit der Organisation der Weltmeisterschaft 2010 überfordert zu sein. In der Ausrichtung von Großereignissen ist das Land keineswegs unerfahren. von Matti Lieske (Berlin)
Das Fifa-Logo der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika   Das Fifa-Logo der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika
Nachdem die Weltmeisterschaft 2006 mit einem knalligen Kopfstoß ihr Ende fand, richtet sich die Aufmerksamkeit der Fußballwelt logischerweise auf jene von 2010. Die soll in Südafrika stattfinden, weshalb die Repräsentanten des Landes in Deutschland weilten, um von den hiesigen Organisatoren zu lernen. Das ist ihnen perfekt gelungen. Sie reagieren schon genauso beleidigt auf jede Kritik, wie es Franz Beckenbauer und seine Mitstreiter vorgeführt hatten.
Zwar gibt es in Südafrika noch keine Stiftung Warentest, die am Zustand der Stadien mäkelt - auch, weil es diese Stadien noch nicht gibt -, aber es regen sich Zweifel, ob das Land der Aufgabe einer WM-Organisation gewachsen ist. Staatspräsident Thabo Mbeki ordnete die Unkenrufe umstandslos Leuten zu, die "dauerhaft daran arbeiten, ein negatives Image Südafrikas zu zeichnen". Sie seien unglücklich darüber, dass die Apartheid beendet und ein demokratischer Staat gegründet wurde, und hofften weiter, dass "das Land untergeht". Da wird mit Holzkeulen nach Moskitos geschlagen, was sich als Zeichen von Nervosität deuten ließe.
Gerüchte um Alternativstandorte
Die Weltmeisterschaft in Deutschland mit ihrer guten Stimmung und den vollen Stadien hat die Südafrikaner unter Druck gebracht. Gerüchte, der Weltverband Fifa arbeite schon an Plänen für Australien, die USA oder gar für Deutschland als Alternativschauplätze, taten ein Übriges. Fifa-Boss Joseph Blatter dementierte solche Überlegungen heftig: "Medienberichte, wonach die WM 2010 an ein anderes Land vergeben werden könnte, entbehren jeglicher Grundlage", sagte der Verbandschef am Dienstag. "Die WM 2010 wird in Südafrika stattfinden."
"2010 kann kommen", versicherte auch Mbeki, der vergangene Woche in Berlin die neun Austragungsorte mit insgesamt zehn Stadien bekannt gegeben hatte. In Johannesburg soll in zwei Arenen gespielt werden. Die Vorbereitungen für den Neubau des futuristischen Senzangakhona-Stadions in Durban haben bereits begonnen.
Das einzige Problem bei der WM in Deutschland sei gewesen, dass zum Teil das Bier ausging, schrieb der Leitartikler der in Johannesburg erscheinenden "Sunday Times". Damit werde Südafrika keine Schwierigkeiten haben. Anders sähe es bei der Infrastruktur und dem Stadionbau aus. Aber immerhin habe der Staat gerade das Budget für Transportverbesserungen im Vorfeld der WM 2010 auf 415 Mio. Euro aufgestockt.
Irritiert zeigte sich die "Sunday Times" über die besorgten Fragen in Deutschland nach dem Stand der Vorbereitungen in ihrer Heimat. "Sie fragten uns südafrikanische Journalisten ,Seid ihr bereit?‘ in der gleichen Tonlage, in der man fragen würde, ob ein junges Nilpferd bereit sei, eine Boeing über den Nordpol zu fliegen", schrieb die Zeitung.
Berechtigter Einwand
Für Danny Jordaan, den Chef des Organisationskomitees, besteht die ganze Misere darin, dass die fertigen Einrichtungen in Deutschland mit den aktuellen Zuständen in Südafrika verglichen werden. Ein berechtigter Einwand. Wer vor vier Jahren etwa das Olympiastadion in Berlin besichtigte, wäre nie darauf gekommen, dass man darin 2006 das Finale einer Weltmeisterschaft spielen könnte. Ohnehin war Schwarzseherei im Vorfeld fester Bestandteil fast aller Großveranstaltungen der letzten Jahre, sei es Olympia in Athen und Turin oder die Fußballeuropameisterschaft in Portugal.
Am Ende ging dann alles gut, was keine Garantie für die Zukunft ist. Eine Fußball-WM ist jedoch erheblich leichter zu organisieren als Olympische Spiele. Fußballfans sind überaus belastbar, wie sich auch in Deutschland zeigte. Schon nach dem ersten WM-Spiel in Gelsenkirchen zwischen Polen und Ecuador legte ein Großteil des Publikums den kilometerlangen Weg zum Bahnhof zu Fuß zurück, weil noch Stunden nach Schlusspfiff der Verkehr komplett zusammengebrochen war.
Nach dem Deutschland-Polen-Match in Dortmund sperrte die Polizei den Bahnhof noch weit nach Mitternacht ab, weil er total überfüllt war und der Abtransport der Menschen ungeheuer schleppend verlief. Auch die Ausstattung der Stadien war oft spartanisch. Der Pressekonferenzraum beim Halbfinale Deutschland-Italien wies jämmerliche 40 Stühle auf. Das bekommt Südafrika auch hin, zumal dort wegen der geografischen Lage viel weniger Fans anreisen werden.
Das Ticketing übernimmt sowieso wieder die Fifa, und eine Public-Viewing-Hysterie wie in Deutschland wird es kaum geben. Im Übrigen ist das Land keineswegs unerfahren in der Ausrichtung von Großereignissen. Afrika-Cup, Rugby-WM und Cricket-WM verliefen reibungslos.
Das größte Problem sehen die Südafrikaner aber ohnehin nicht in der Organisation, sondern, wie Tourismuschef Moeketsi Mosola sagt, darin, "eine starke, fitte Mannschaft aufzubieten".
  • Aus der FTD vom 12.07.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland
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